Dem Soja auf der Spur (2)

Soja ist gesund und Sojaprodukte liegen voll im Trend. Die westliche Welt hat einen unstillbaren Bedarf an Soja. Doch wie sieht es am Anfang der Soja-Kette aus? Eine Freundin von mir hat sich auf den Weg nach Südamerika gemacht um über die Situation vor Ort zu berichten.

Dem Soja auf der Spur (Teil 1)


Vor einer guten Woche bin ich mit dem Bus in der Hauptstadt Asuncion angekommen und seitdem bereits eifrig am Arbeiten im Osten des Landes an der Grenze zu Brasilien. R., eine Deutsche die seit 10 Jahren in Asuncion lebt und ebenfalls viel zum Thema Soja gearbeitet hat und mir super viele Kontakte vermittelt, hatte mir dort ein Hotel im Zentrum reserviert, zu dem ich dank Taxi auch völlig problemlos fand.

Mein erster Eindruck von Land und Leuten war ein sehr entspannter. Es gibt – von den Nachbarn einmal abgesehen – kaum Reisende hier (übrigens auch keinen Reiseführer) und vielleicht hat sich auch deshalb kein Markt rundherum entwickelt, von dem viele versuchen zu leben. Niemand sprach mich im Busbahnhof an, keine Taxifahrer stürmten auf mich ein und auf dem Kunstmarkt im Zentrum konnte ich völlig ungezwungen bummeln.

Das Hotel empfing mich mit drei Sternen, was gemäß meiner Schlafsaal-Genügsamkeit eigentlich drei zuviel sind. Aber Mensch muss sich auch mal was gönnen, zumal 20 Euro pro Nacht inklusive Frühstück – eigentlich – nicht wirklich viel ist, und die Dusche und Ruhe anschließend habe ich sehr genossen. Abends bin ich dann zu R. Wohnung gestiefelt und konnte mir einen ersten Eindruck vom historischen Zentrum machen: schöne alte Kolonialbauten, und Wohnhäuser, Hochhäuser, ein paar Parkanlagen und auch viel Grün in den Straßen, Geschäfte mit Top-Marken, viele deutsch klingende Namen auf Werbetafeln und ein fast völlig ausgestorbener Ort am Wochenende.

Mit meiner „Kontaktfrau“ habe ich mich gleich gut verstanden und festgequatscht. Zur Feier meiner Ankunft ging es in ein Lokal mit regionalen Spezialitäten an einem der zentralen Plätze und zu dieser späten Stunden waren nun viel Paare und Familien unterwegs, die ebenfalls ausgingen. Wir landeten am Tisch eines paraguayischen Fußballmanagers der aus einer traditionellen, reichen Familie stammt und somit die kleine aber reiche und sehr einflussreiche Oberschicht des Landes repräsentiert. Er habe nichts mit Politik zu tun, sondern sei Unternehmer, sagte er, doch ein Blick in die Geschichte zeigt, dass eben diese Oberschicht seit Jahrzehnten – sowohl während der Militärdiktatur Stroessners die 1989 zu ende ging, als auch in der bis vor einem Jahr andauernden Herrschaft der konservativen Colorado-Partei – fest im Macht- und Korruptionsfilz des Landes verankert ist und gar nicht unpolitisch sein kann wenn nach wie vor Posten und Geschäfte zugeschachert werden und Einfluss auf alle wesentlichen Prozesse und Entscheidungen in Paraguay genommen wird. Zumal der sympathische Mann auch hin und wieder erwähnte mit welchen politischen Größen seine Familie zu tun hatte und mit wem er alles so ganz nebenbei Umgang pflegt. Sehr interessant war auch, dass er se lbst Land besitzt auf dem Soja und Mais angebaut werden; unter anderem im Grenzgebiet zu Brasilien (da bin ich übrigens gerade) wo eine Mafia den Schmuggel kontrolliert und die Korruption besonders blüht. R. schlackerte jedenfalls nur mit den Ohren, da sie die ganzen Zusammenhänge sehr gut kennt. Wir sind sehr gespannt, ob er sein Versprechen hält, uns Karten zum nächsten Lokal-Derby zukommen zu lassen. Auf VIP lege ich dabei gar keinen Wert aber solche Leute kleckern nicht sondern klotzen. Die Fischsuppe dabei war übrigens ausgezeichnet! Dazu gab’s gekochte Yam-Wurzel, regionales Bier und zum Nachtisch Papaya-Kompott (die Frucht wird grün mit sehr viel Zucker gekocht und nennt sich dulce de mamon).

Am Montag fand mein Umzug zu R. statt und Dienstag hatte ich dann gleich die ersten Treffen bzw. Interwievs mit Experten zum Thema Soja. Eine Anwältin berichtete vom jahrelangen Kampf darum Gesetze auszuarbeiten und durchzubringen die den Kleinbauern und Landlosen Land sichern und den massiven Einsatz der überaus gesundheitsschädlichen Ackergifte eindämmen oder überhaupt erst einmal offizielle Untersuchungen von deren Auswirkungen auf die nebenan lebenden Menschen festlegen sollen. Aber sie werden immer wieder gekippt weil die Landwirtschaftslobby, die Unternehmer, Pharmakonzerne und Großgrundbesitzer ihren Einfluss geltend machen.

Zwar regiert seit über einem Jahr Lugo, ein Demokrat und ehemaliger Bischof der von den Kleinbauern und Armen gewählt wurde weil er Landreformen und Umverteilung versprach, aber er hat nur einen Senator auf seiner Seite, Justiz und sämtliche Ministerien sind mit den alten Seilschaften besetzt die gegen ihn arbeiten, unterstützt von der Presse. Dazu kommt, dass er kein Politiker ist, wenig Durchsetzungsvermögen hat, unentschlossen ist und keine klare Position bezieht. Diejenigen die ihn gewählt haben sind enttäuscht und die sozialen Bewegungen erleben derzeit sogar eine besonders starke Repression und werden kriminalisiert.

Darüber sprach ich mit einem Soziologen der versuchte, mir die nationalen Strukturen der einzelnen Organisationen und linken Parteien zu erklären. Wichtig ist dabei, dass nicht an einem Strang gezogen wird sondern viele verschiedene Meinungen existieren und diskutiert werden. Ich lerne gerade einige davon kennen und erfahre ganz praktisch was im Land vor sich geht. Denn noch am selben Abend fuhr ich mit Tomas Zayas, einem sehr bekannten Aktivisten der Kleinbauern der seit Jahren mit Morddrohungen lebt, in die Provinz Alto Parana und übernachtete in seinem Haus. Ein besonnener, intelligenter und freundlicher Mann der für die Kleinen kämpft und das Lachen trotz der vielen Hindernisse und Fallen die ihm gestellt werden nicht verlernt hat.

Am nächsten Morgen wurde ich von einem Genossen der Organisation ASAGRAPA abgeholt, der mich mitnahm zu einer Gemeinde von Kleinbauern inmitten tausender Hektar Soja-, Getreide- und Mais-Monokulturen. Dafür wurden seit den 70er Jahren riesige Flächen Urwald abgeholzt und große Flächen für die mechanische Bearbeitung geschaffen. Besonders problematisch ist der Anbau von Soja. Das Saatgut ist überwiegend gentechnisch manipuliert und wird fortwährend mit Pestiziden besprüht die alles lebendige abtöten. Die intensive Landwirtschaft, auf den – noch – fruchtbaren Böden werden dreimal im Jahr Monokulturen ausgesät und geerntet, bedroht die Biodiversität, vergiftet Böden und Flüsse und macht die Menschen die daneben leben krank, lässt ihr Vieh sterben und ihre Feldfrüchte verkümmern. Kinder werden mit Missbildungen geboren und immer wieder sterben Menschen an einer Überdosis der Chemikalien die in nächster Nähe versprüht werden; erst kürzlich 12 Indigenas. Organisationen wie ASAGRAPA machen solche Fälle öffentlich und schlagen Alarm. Manchmal kommt sogar ein hoher Politiker angereist, um vor laufenden Fernsehkameras festzustellen, dass die Leute an Unterernährung gestorben seien.

Die Besprühungen sind für die Sojabauern aber auch ein willkommenes Druckmittel die Kleinbauern zu vertreiben; viele geben auf und verkaufen ihr Land oder sie haben den Verspechungen der Saatgutfirmen geglaubt und selbst Soja angebaut, verschulden sich jedoch weil weniger geerntet wird als geglaubt und werden auf diese Weise ihr Land los. Jeder Zentimeter nutzbarer Fläche wird mit Soja bebaut und schützende Grüngürtel zu den benachbarten Gemeinden mögen zwar vorgeschrieben sein, bleiben aber reine Theorie.

Gestern und heute bin ich mit Mitgliedern von ASAGRAPA über Land gefahren und habe comunidades (Gemeinden) besucht, mit Männern und Frauen gesprochen, mir ihre Äcker inmitten der grünen Wüste zeigen lassen (ich weiß jetzt wie Manjokstauden aussehen, Erdnuss- und Melonenpflanzen, dass Patchouli eine stark duftende Pflanze ist und wie Seife gemacht wird), von den Kindern versucht, ein paar Worte Guarani zu lernen und vor den Holzhütten Mererete, kalten Mate, zusammen getrunken.

Das alles fernab der asphaltierten Landstraßen, inmitten von paradisisch anmutenden Gehöften die über Fahrwege aus roter Erde zu erreichen sind, die sich bei Regen in Schlammlawinen verwandeln, vorbei an unendlichen Monokulturen gerade sprießender Soja. Ein Blick über Land zeigt rundum Felder, nur ab und zu unterbrochen von grünen Wäldchen in den Senken die zu tief für die maschinelle Bearbeitung liegen und nicht gerodet wurden oder wo sich Gemeinden von Kleinbauern hartnäckig versuchen zu behaupten. Diese Orte muten teilweise wie kleine Oasen an; mit üppigen Gärten, Obstbäumen, frei laufenden Schweinen, Hühnern, Enten.

In einer comunidad werden Fische gezogen und ein Bachlauf plätscherte munter vor sich hin. Dort lebt ein Junge der eines Tages aufstand, sich das Gesicht wusch und blind wurde; der Regen wäscht zusätzlich die Chemikalien aus dem Boden. Auch die idyllische Beschaffenheit trügt. Die Situation in den Gemeinden ist extrem. Die Menschen haben wenig und leben unter schlechten Bedingungen. Gesundheitsversorgung und Schulen funktionieren rudimentär. Die meisten Familien leben von Subsistenzwirtschaft aber es gibt auch tausende Landlose. Immer wieder gibt es Landbesetzungen und die öffentliche Forderung nach Land, unterstützt z.B. von ASAGRAPA. Leider auch allzu oft die Erfahrung mit Gewalt von Polizei und Militär vertrieben zu werden, dabei gibt es Verletzte, Tote und überzogene Haftstrafen.

Von weitem sieht die Landschaft in Alto Parana aus wie eine typische landwirtschaftliche Gegend irgendwo in Mitteldeutschland – mit großen Ackerflächen die sich über sanfte Hügel erstrecken und grünen Flecken mittendrin. Wenn ich mir dann vorstelle, dass diese Flächen noch vor 30 Jahren komplett mit Urwald bedeckt waren, muss ich schlucken. Dass sich das Microklima dadurch verändert ist ein logischer Schluss, mal ganz abgesehen vom globalen Klima.

Das Geschäft mit Soja lohnt sich! Paraguay ist viertgrößter Sojaproduzent. Große transnationale Firmen exportieren in die ganze Welt, z.B. nach Europa wo das ökologische Gewissen mit Ökosprit beruhigt werden soll (Soja ist eine sogenannte Energiepflanze) und Milliarden Viecher mit gentechnisch veränderter Soja gefüttert werden. Von Brasilien schwappte die Sojawelle nach Paraguay und den Norden Argentiniens und sie frißt sich immer weiter ins Land. Gewinner sind einige Großgrundbesitzer, viele ausländische Sojabauern und die international agierenden Saatgut- und Agrochemiefirmen. Monsanto, Bayer, Cargill und Co lassen grüßen. Beim Fahren über Land wechseln sich ihre Niederlassungen und Silos ab, in denen tausende Tonnen Soja gesammelt werden und auf den Export warten – übrigens steuerfrei!

Ich bin natürlich sehr gespannt auf den Besuch eines Sojaunternehmens. Die Aktivisten bei denen ich seit Mittwoch bin (und jetzt zu nächtlicher Stunde gerade im „Vereinshaus“ in dem es Versammlungsräume, Schlafsäle, eine Bibliothek, Büro, Großküche und einen Laden für das ökologisch produzierte Obst, Gemüse und Fleisch der Mitglieder von ASAGRAPA gibt), sind sehr bemüht, mir viel zu zeigen, mir die „besten“ Interviewpartner vorzustellen und ihre Kontakte in der ganzen Provinz spielen zu lassen (denn sie sind über in ganz Alto Parana verteilt und in kleinen Untergruppen organisiert).

Und beim nächsten Mal kann ich Euch von der anderen Seite des Konfliktes berichten.


Dem Soja auf der Spur (Teil 1)
Dem Soja auf der Spur (Teil 3)

Dem Soja auf der Spur (1)

Soja ist gesund und Sojaprodukte liegen voll im Trend. Die westliche Welt hat einen unstillbaren Bedarf an Soja. Doch wie sieht es am Anfang der Soja-Kette aus? Eine Freundin von mir hat sich auf den Weg nach Südamerika gemacht um über die Situation vor Ort zu berichten.

Bevor also hier der 26C3-Wahnsinn losbricht, poste ich wie schon beim letzten Mal hier ihre Reiseberichte, die ich immer wieder am Bildschirm von Fernweh geplagt verschlinge.


Die Anreise war zwar lang aber das Ankommen in Argentinien ziemlich entspannt. Nachdem ich lange Schlange stehen musste an der migracion, habe ich Geld getauscht und dann meinen schweren Rucksack geschultert, um mir den Linienbus zu suchen, der ins Zentrum fährt. Nicht nur weil ich sparsam veranlagt bin sondern auch weil ich mich Buenos Aires langsam nähern wollte.

Zwei Stunden kurvte der Bus also durch Vororte immer links und rechts der Schnellstrasse. Die kleinen Häuschen mit Garten, hässlichen Betonkirchen und Viehweiden wurden nach und nach von größeren Wohngebiete, Werkstätten und Shoppingcentern abgelöst die an kompliziert miteinander verschlungenen Zu- und Auffahrten liegen die Massen an Autos, Bussen und LKWs fassen. In halsbrecherischem Tempo fuhren wir dann durch moderne Einkaufsstraßen, um uns langsam aber sicher dem Zentrum mit der älteren Bausubstanz zu nähern. Links und rechts der baumbestandenen Einbahnstraße die der Fahrer schließlich entlang raste, um alle paar hundert Meter abrupt an einer Haltestelle zu bremsen wo jemand das Handzeichen zum Zusteigen gab, ragten hohe Wohn-und Geschäftshäuser auf, die mich sehr an Paris oder auch Madrid erinnerten. Überhaupt wirkt Buenos Aires ziemlich europäisch, gerade im Zentrum mit seinen vielen Banken, Büros und tagsüber den tausenden Angestellten in Kostüm und Schlips.

„Wer bremst verliert“ galt dann auch als es immer enger wurde zwischen den repräsentativen Gebäuden mit ihrer Abgas-Patina und den schmalen Streifen Gehweg links und rechts auf dem man sich lieber ziemlich nah an der Wand bewegen sollte wenn die uralten, bunten Linienbusse durch die Straßen donnern. Irgendwann kamen wir an der Plaza de Mayo vorbei, dem zentralen Platz an dem Demonstrationen stattfinden und zahllose Politiker vom Balkon der casa rosada schon zum Volk gesprochen haben.

Ich wusste aus dem Reiseführer, dass ich nach dem rechts Abbiegen bald aussteigen musste und fand mich wenige Schritte von der sechsspurigen (mindestens) Allee plötzlich in einem Viertel mit bunten Kolonialhäusern, Kopfsteinpfalster, Cafes und Antiqiutätenläden wieder: San Telmo. Am zentralen Platz verkaufen täglich viele Leute ihren selbstgemachten Schmuck im Schatten der Bäume. Eine Tangoshow findet für die Touristen in den Cafes auf dem Platz statt und die Restaurants ringsum buhlen um Gäste zum Abendessen. Ich hatte mir kein bestimmtes Hostal rausgesucht weil ich mir sicher war eines auch so zu finden und fragte einen der Schmuckverkäufer, der mir dann auch gleich weiter helfen konnte. Im „Nomade“ bezog ich ein Doppelstockbett im 6er-Zimmer mit Küche, Aufenthaltsraum und süßem
argentinischen Frühstück inclusive für ca. 6 Euro die Nacht. Dort habe ich ein deutsches Pärchen getroffen die gerade mit dem Fahrrad durch die Welt tingeln und noch lange nicht planen, zurückzukehren.
Weihnachten wollen sie in Patagonien sein, was ich anfangs auch reizvoll fand, mittlerweile aber entschieden habe, mir die tausenden Kilometer zu sparen und im Norden Argentiniens oder in Uruguay zu bleiben. Weihnachten unter Palmen oder auf einer Farm schwebt mir vor…

Jedenfalls war Buenos Aires ziemlich nett und gegensätzlich. An einem Tag bin ich erst durch die Skyline des neuen Nobelviertels am ehemaligen Hafen gebummelt, dann durchs stressige Zentrum gehetzt und schließlich durch ruhige Mittelstandsviertel zum antiken Friedhof „Recoleta“ gebummelt. Habe hier einen Kaffee getrunken, dort bei einem netten Schuster meine Schuhe nähen lassen und mir dann prunkvolle Mausoleen aus vergangenen Zeiten angesehen. Mit der wunderbar schraddeligen U-Bahn, vorbei an bunt gefliesten Haltestellen, bin ich schließlich in den Süden in das Arbeiterviertel La Boca gefahren.

Der Reiseführer warnte davor, sich zu sehr abseits zu bewegen. Und ich kam natürlich pünktlich zur Dämmerung dort an, fuehlte mich aber sicher zwischen vielen, vor allem jungen Leuten, die alle zum riesigen Fussballstadion stömten. Es gab aber kein Spiel der lokalen Mannschaftla Boca sondern ein Konzert eines berühmten Sängers. Ich habe kurz überlegt, ob ich mich mit anstellen soll, bin dann aber weiter durch die Straßen gelaufen auf der Suche nach dem touristischem Zentrum dort. Das habe ich nicht gefunden, stattdessen „echte“ bunt bemalte Holzhäuser und Wellblechhütten für die la Boca einst berühmt war und die an einer Stelle eben nachempfunden und aufgepeppt wurden. In den „echten“ Häusern leben großen Familien unter ziemlich schlechten Bedingungen und ohne sich viel leisten zu können. Die Läden waren alle verstaubt und schraddelig und das Sortiment klein; kein Vergleich mit den Super-Shoppingcentern im Zentrum. Ein Blick in die Hinterhöfe zeigte verschachtelte, provisorisch wirkende Verschläge und Anbauten. Das Leben findet auf der Straße statt. Die Kids spielen zwischen den vielen streunenden Hunden, Jugendliche lungern herum, Frauen machen Besorgungen und ich mitten drin, hier Empanadas (gefüllte Teigtaschen) kaufend, dort ein Geschäft betretend.

Dass ich nicht von dort war schien man mir aber wohl sofort anzusehen, nicht weil ich die einzige Weiße gewesen wäre, denn die meisten Leute könnten auch in Europa leben. An einer Ecke an der ich gerade abbiegen wollte meinte ein junger Mann, der vorbei kam, nur: „dalang nicht!“ Und daran hielt ich mich auch schleunigst und blieb an der stark befahrenen Hauptstrasse mit vielen Fußgängern. Irgendwann stellte ich mich an einer Bushaltestelle an weil mir auch schon die Füße wehtaten vom vielen Laufen und einer der urigen Busse spuckte mich freundlicherweise direkt um die Ecke von meinem Hostal aus.

Da ich endlich mal eine echte argentinische Mate-Zeremonie (mit dem Metallstrohhalm aus der Kalebasse) erleben wollte, folgte ich der Einladung und besuchte den Schmuckverkäufer auf der zentralen Plaza, wo ich freudig begrüßt wurde. Ein anregendes Gespräch, heißen Mate zum Aufwärmen (denn die Temperaturen waren bisher eher herbstlich wie bei uns gewesen) und weiter ging’s später noch zu einem kleinen Theater um die Ecke, wo ich glücklicherweise noch einen kostenlosen Platz ergattern konnte. Gezeigt wurde ein starkes Stück über eine Realität aus der noch gar nicht so lange überwundenen Militärdiktatur: ein junger Mann entdeckt, dass er kein Findelkind war, wie ihm immer erzählt wurde, sondern das geraubte und zur Adoption frei gegebene Kind von Verfolgten der Diktatur die nie wieder auftauchten.

An meinem vorerst letzten Tag in Buenos Aires genoss ich die Sonne auf der Plaza – mit Mate und freundlichen Bekannten, die ich hoffe wieder zu sehen – stromerte noch ein wenig durch San Telmo und traf im Zentrum auf der Plaza de Mayo zufällig auf eine Kundgebung zum internationalen Tag der Ernährungssouveränität. Vertreterinnen und Vertreter von Kleinbauernorganisationen, Indigenen und politischen Gruppen aus dem ganzen Land forderten ihr Recht auf Nahrung und die Möglichkeit sie selbst zu produzieren und in Würde zu leben ein. Das Thema Soja, das mich ja überhaupt erst nach Paraguay verschlagen hat, sprang mich auch dort an. Ich traf auf Vertreter einer Organisation im Norden Argentiniens die ein Transparent gegen genmanipulierte Soja und die eingesetzten Ackergifte hielten. Der Kontakt ist gemacht und ich habe große Lust, dort meine Recherchen auszudehnen, denn der problematische Sojaanbau betrifft leider nicht nur Paraguay…

Wenig später bestieg ich den Doppelstockbus der mich über Nacht ins Nachbarland Paraguay bringen sollte; mit Liegesitz, einem schnarchenden Nachbarn, Rundum-Service durch einen freundlich-rundlichen Stewart der ein selbstgebautes Wägelchen mit schrecklichem Essen in Aluminiumschalen und alkoholischen Getränken durch den schwankenden Gang bugsierte und zum Schreien komischen Neunziger-Jahre-Musikvideos. Wusstet Ihr dass Roxette einen ihrer Hits auch in schlechtem Spanisch sangen?

Weiter geht’s im Herzen Südamerikas: in Paraguy!


Dem Soja auf der Spur (Teil 2)

Worauf ich mich beim 26C3 freue

Der nächste Congress steht vor der Tür und der aktuelle Fahrplan ist schon recht vielversprechend. Ich habe mal ein paar Talks rausgesucht, die ich mir auf jeden Fall anschauen werde.

Tag 1, 13:00 Uhr: Lightning Talks. Es wird einen Talk von @p4ula zu Sleephacking geben, außerdem ist danach um 15.00 Uhr eine Q&A Session zum Thema geplant. Wer schon immer mit dem Schlafrhythmus seiner Umwelt nichts anfangen konnte, ist hier genau richtig.

Update: Oh, gerade noch via Twitter gesehen: Tim macht einen Podcasting Developer Workshop. Da muss ich hin, auch wenn mich im Moment mehr die Hardwareseite interessiert.

Bei GSM: SRSLY? müsst Ihr Euch einfach mal die Beschreibung durchlesen. Auf dem Camp wurde das A51-Projekt vorgestellt, die Leute rechnen schon eine Weile und ich denke dieses Jahr wird GSM – wie DECT im letzten Jahr – als vollständig gebrochen gelten. Dazu passend gibt es noch am Tag 3 das Update zu DECT.

Schon aufgrund des Entertainmentfaktors sollte man sich nicht entgehen lassen, wenn Fefe und Erdgeist über kaputte APIs und Protokolle ranten (Tag 2, 17:15 Saal 1). Gleich danach werden Konstanze Kurz und Frank Rieger über die Anhörung vorm Bundesverfassungsgericht berichten.

Der wunderbare Erich Möchel – der schon auf dem 2007er Camp zum „Tod an der ETSI-Schnittstelle“ referierte – wird am Tag zwei zu zwei „ETSI-Vorratsdatenspeicherung 2009 und andere Sockenpuppen der GCHQ“ sprechen. Unterhaltsam und erschreckend. Der Vortrag ist Pflicht 🙂

In Location tracking does scale up – How skyhook wireless tracks you continously spricht Freifunkerkollege L. Aaron Kaplan über den kleinen praktischen Dienst der Lokalisierung über die WLANs in der Umgebung realisiert. Eine Schnittstelle zu Skyhook steckt in jedem Mac und iPhone. Es kann nicht schaden sich darüber schlau zu machen, vielleicht wird man öfters getrackt als einem lieb ist.

Für mich ist der AS/400-Talk Pflicht, die Maschine ist ja von der Architektur ziemlich nahe an der S/390-Architektur. Interessant ist ebenfalls der Talk zum Mediahacking.

Alles in allem klingt der Fahrplan vielversprechend, ich hoffe, dass ich die vier Tage mit genug Mate durchstehe und noch ein bisschen Zeit finde darüber zu bloggen.

Rage Against The Pop Business

Die Musikcharts sind kaputt. Das ist nicht gerade neu. Auf Facebook wurde eine Gruppe gegründet, die dazu aufruft einen Song von Rage Against The Machine zu kaufen, um ihn auf Platz eins der Charts zu bringen. Der treffendste Kommentar dazu:

It is ironic though. This song was partially chosen because of the lyrics „Now you do what they told ya“, and how everyone? effectively does what Simon Cowell tells us. But we all did what the Facebook group told us and bought the single. I did aswell. I’m glad it’s number one, but I can’t help but point it out.

Es ist schon cool die Medien zu manipulieren. Gerade Facebook und Twitter können schnell sehr viele Menschen mobilisieren – wenn das Anliegen stimmt. Immerhin ist hier sogar eine Kurz-Reunion von Rage Against The Machine rausgesprungen und die BBC musste sich nach der Ausstrahlung des Songs für die Lyrics entschuldingen („…broadcast that would later force an apology from the BBC for airing expletive lyrics.“).

Aber warum verflucht kaufen die ganzen Leute eine verdammte Single. Die Kohle bekommt die Plattenfirma. Und Apple. Und Amazon. Es wird zwar zu Spenden aufgerufen, aber das Verhältnis von Mitgliedern der Facebook-Gruppe (knapp 1.000.000) zu den bisherigen Spenden ist irgendwie kläglich.

Unsere Kinder haben zu Weihnachten eine WWF-Spende geschenkt bekommen. Ich fand das sehr rührend, weil ich nicht mal auf die Idee gekommen wäre, soetwas zu verschenken. Weil ich genau so ein Konsum-Junkie bin, wie alle iPhone und Twitter-Kids hier im Netz. Steckt Eure Kohle also bitte in etwas sinnvolles. Wie wär’s mit einem Eisbären?

Und jetzt Musik.

Nachtrag: Ich rege mich hauptsächlich darüber auf, dass Geld in etwas bedeutungsloses und irrelevantes wie Charts gesteckt wird. Mehr zum monetären Hintergrund steht auch bei jetzt.de.

Es gibt … Nudeln mit Tomatensauce!

Warum? Das Ergebnis ist überaus delikat und die Zubereitung dauert genau so lange, wie das Kochen der Nudeln, plus 3 – 5 Minuten für die Vorarbeiten. So geht’s:

Pro Person 100g Nudeln, 1 Liter Wasser und – GANZ WICHTIG – zwei Teelöffel Salz.

Nudeln mit Tomatensauce

Parmesan (so etwa 50-100g), ein bis zwei Handvoll Tomate, bisschen Ölivenöl.

Nudeln mit Tomatensauce

Tomaten kleinschneiden und Parmesan reiben.

Nudeln mit Tomatensauce

Wasser mit Salz kochen, Nudeln hinein.

Nudeln mit Tomatensauce

Zeit mit der Sauce zu beginnen.

Nudeln mit Tomatensauce

Olivenöl in einer GROSSEN Pfanne erhitzen.

Nudeln mit Tomatensauce

Parmesan zugeben und kurz anbraten.

Nudeln mit Tomatensauce

Es bilden sich interessante Käsecluster.

Nudeln mit Tomatensauce

Mit einer Kelle Nudelwasser ablöschen, weiter rühren, bis sich die Käsecluster wieder aufgelöst haben.

Nudeln mit Tomatensauce

Tomaten hinzufügen…

Nudeln mit Tomatensauce

…und mitdünsten.

Nudeln mit Tomatensauce

Noch ein bis zwei Kellen …

Nudeln mit Tomatensauce

… Nudelwasser hinzugeben.

Nudeln mit Tomatensauce

Das Ganze kommt einem jetzt etwas suppig vor, das macht aber nix.

Nudeln mit Tomatensauce

Nudeln abgießen…

Nudeln mit Tomatensauce

… ab in die Pfanne …

Nudeln mit Tomatensauce

…und mit der Sauce mischen.

Nudeln mit Tomatensauce

Sie saugen sich voll.

Nudeln mit Tomatensauce

Fertig!

Nudeln mit Tomatensauce

Noch mehr Parmesan sowie frischer Pfeffer tun ein Übriges.

Nudeln mit Tomatensauce

Das Rezept erlaubt etliche Variationen. Z.B. kann statt der ersten Kelle Nudelwasser Weißwein den Käse ablöschen. Die Tomate können durch frischen Chili ergänzt werden, in welchem Fall zum Schluss auch frische Petersilie prima passt. Oder die Tomaten werden gänzlich durch Zucchini ersetzt, die dann wiederum von Thymian und Zitronensaft verfeinert werden, oder … Hauptsache die Nudeln sind nicht zu weich.

Guten Appetit 😉

Lucía

Lucía

Lucía asked for pictures for her job application. In germany it is common to send a photo attached to your cv, so we tried something serious.

Camera Model: Nikon D90
Lens: Nikon AF-S DX Nikkor 18-105mm 1:3.5-5.6G ED VR
Focal Length: 30.00 mm
Focal Length (35mm Equiv): 45 mm
Exposure Time: 1/160 sec
F-Number: f/11
Shooting mode: Manual
Exposure bias: 0 EV
Flash: Yes
ISO: 100
Image at flickr, large version

How to enable Server Name Indication (SNI) on Debian Lenny

Server Name Indication (SNI) on Debian Lenny is easy to implement. OpenSSL is already SNI-capable, only the Apache Webserver is a bit outdated. So lets backport Apache >= 2.2.12 to Lenny. Here is my little step-by-step howto:

Install a compiler an the debian dpkg-Development Environment:

To build apache, you will nee libcap2-dev and autoconf too:

…and the build dependencies for apache2:

Download the Apache 2.2.14 sources for the current testing release from http://packages.debian.org/source/squeeze/apache2:

Extract the source packages:

Compile the package:

(-us and -uc supresses the digital signature, fakeroot allows to set the ownership of the archived files to root, even if you are not root currently)

Install the desired apache packets:

Finally, remove the packages you installed to build the apache2-packages.

Jetzt noch sicherer

20091109_https

Dieses Blog ist jetzt auch über https erreichbar und damit noch sicherer 😉 Der geneigte Leser mag bitte auf den Link klicken und ggf. in den Kommentaren Feedback hinterlassen, ob beim Aufruf der Seite ein Zertifikatsfehler angezeigt wird. Vermutlich trifft das User mit dem Internet Explorer unter Windows XP (*). Vielen Dank!

(*) Ja, SSL für Arme mit SNI, aber dafür mit „richtigem“ Kostenloszertifikat von StartCOM.

Surfterminal mit Linux

Wenn man einen Rechner im öffentlichen Raum als Browserterminal bereitstellen will, gibt es hauptsächlich die Anforderung, dass die User keine privaten Daten hinterlassen und am System so wenig wie möglich verstellen.

Es gibt verschiedenste Lösungen für diesen Zweck, fertige Linux-Distributionen oder spezielle Internet-Café Software, die Windows-Rechner so abschottet, das man noch nicht mal einen Explorer aufbekommt.

Für die beiden vom Freifunk betriebenen Surfterminals habe ich eine extrem simple Lösung gewählt. Die Rechner verrichten seit etlichen Monaten ohne Probleme ihren Dienst, obwohl es in den Kneipen schon etwas rauher zugeht.

Zunächst wird auf den Rechner die Linux-Distribution der Wahl installiert. Ich verwende Ubuntu, aber darauf kommt es nicht an. Es werden zwei Benutzer eingerichtet: ein administrativer („tresen“) und ein unpreviligierter („gast“). Achtung, bei Ubuntu ist der erste, bei der Installation eingerichtete User ein previligierter User (mit sudo-Rechten). Also erst „tresen“ und dann „gast“ einrichten und hinterher nochmal die /etc/sudoers überprüfen.

Man loggt sich zunächst als „gast“ ein und richtet den Browser so ein, wie man es gerne für die Gäste hätte: Adblocker, keine Cookies und Passwörter speichern, Startseite ect. Die Startseite für den Browser zeigt in unser Wiki, die Kneipengäste können dort dann eigene Links ablegen und so die Startseite etwas nach ihren Bedürfnissen anpassen. Der Webbrowser wird als Autostart-Applikation eingerichtet (System -> Preferences -> Sessions -> Startup Programs). Dann loggt man sich als „tresen“ ein und richtet den Anmeldungsmanager so ein, dass „gast“ beim Rechnerstart automatisch eingeloggt wird.

Jetzt kommt der interessante Teil: das Script pack_guest.sh verpackt das Home-Verzeichnis vom Gastuser in eine .tar-Datei:

Dieses Script ruft man einmalig auf und findet dann in /home/tresen/Surfstation die Datei gast_home.tar.gz. Dieses Template kann nun immer ausgepackt werden, wenn der Rechner startet. Das erledigt das Script unpack_guest.sh:

Jetzt muss man nur noch dafür sorgen, dass dieses Script bei jedem Bootvorgang ausgeführt wird. Eine Zeile in /etc/rc.local genügt:

[Update] (12.11.09): Mir ist gerade aufgefallen, dass es mit Upstart zu einer Race-Condition kommt. Es ist einfach nicht definiert, wann das Script unpack_guest.sh ausgeführt wird und das führt zu sehr merkwürdigen Effekten.

Wenn man also eine Distribution mit Upstart verwendet (z.B. Ubuntu 9.10 „Karmic Koala“ oder später), muss man den Aufruf des unpack_guest.sh Scriptes im Upstart-System vor den gdm legen. Entweder man definiert einen eigenen Dienst oder man fügt das Script als pre-start Script in /etc/init/gdm.conf ein:

[/Update]

Mir gefällt an diese Lösung, dass wir damit absolut keine Arbeit haben. Die einzigen Probleme sind Hardwareschäden, also wenn wiedermal Bier über die Tastatur gekippt wurde. Das System an sich läuft aber nahezu wartungsfrei. Man muss sich halt alle paar Monate (idealerweise remote) einloggen und die fälligen Updates einspielen.

Schnelle Übersetzung im Safari

Ich lese viel englische Texte und bin dank „Finer Things in Mac“ auf ein Feature gestoßen, das mir beim Lesen sehr weiterhilft: der Shortcut CTRL + CMD ⌘ + D.

Dictionary.appDamit kann man in jeder Cocoa-Applikation (z.B. Safari) das Wort unter dem Mauscursor im Mac OS X eingebauten Wörterbuch nachschlagen. Als Standard wird das New Oxford American Dictionary mitgeliefert, das nur von Englisch nach Englisch „übersetzt“. Zum Glück gibt es Abhilfe: das BeoLingus Dictionary-Plugin Deutsch/Englisch ermöglicht die Übersetzung von Englisch nach Deutsch und umgekehrt.

Nach der Installation des Plugins und dem Neustart der Dictionary-Anwendung muss jetzt nur das Deutsch/Englisch Wörterbuch als erstes Wörterbuch festgelegt werdem. Dieses wird bei CTRL + CMD ⌘ + D verwendet, die anderen Wörterbucher sind Fallback, wenn das Wort nicht gefunden wird. Die bevorzugte Reihenfolge der Wörterbücher kann man in den Einstellungen von Dictionary.ap festlegen. Einfach das „German-English“ Wörterbuch vom Ende der Liste an den Anfang der Liste ziehen…

Dictionary Settings

…und schon muss man nie wieder die Anwendung wechseln, nur um ein Wort nachzuschlagen:

Dictionary

Hello World!

Hello World

Now we’ve got two sons. Our youngest is ten days old now.

Camera Model: Nikon D90
Lens: Nikon AF-S DX Nikkor 18-105mm 1:3.5-5.6G ED VR
Focal Length: 105.00 mm
Focal Length (35mm Equiv): 157 mm
Exposure Time: 1/60 sec
F-Number: f/5,6
Shooting mode: Aperture priority
Exposure bias: 0 EV
Flash: Yes
ISO: 200
Image at flickr, large version

Learning to fly

Learning to fly

From a portrait session with our neighbours. We did some "traditional" portrait stuff and later we had the idea of throwing her into the air… So, don’t try this at home! Throwing the kids is not the difficult part, ykwim? 😉

Camera Model: Nikon D90
Lens: Tokina 12-24mm 1:4 DX
Focal Length: 12.00 mm
Focal Length (35mm Equiv): 18 mm
Exposure Time: 1/320 sec
F-Number: f/8,0
Shooting mode: Shutter priority
Exposure bias: 0 EV
Flash: Yes
ISO: 200
Image at flickr, large version

Besserer Maschinencode mit clang

LLVM ist das nächste große Ding. Nach all den Jahren, wo man es hingenommen hat, dass der gcc so ist, wie er ist und man heimlich denkt, dass der Microsoft Visual C++ Compiler doch irgendwie besser war, taucht plötzlich LLVM mit clang im Gespann auf und schickt sich an die Welt zu erobern.

Wer von LLVM noch nie etwas gehört hat, dem kann ich einen ganz wunderbaren Podcast empfehlen. Kurz gesagt: die Low Level Virtual Machine ist eine Compiler Infrastruktur, ein Compiler-Baukasten. Es gibt verschiedene Frontends, die aus unterschiedlichen Eingabesprachen (z.B. C, Objective C, Fortran, in Ansätzen auch C++ ) einen Bytecode generieren. Dieser Bytecode wird optimiert und im letzten Schritt mittels eines Backends in nativen Maschinencode für eine konkrete Architektur übersetzt.

Diese Verarbeitung ist nicht etwa tief im Compiler verborgen, sondern kann ganz praktisch mittels Pipes zusammengebaut werden:

Neben dem Satz an Standard-Optimierungen kann man sich noch mehrere Dutzend Spezial-Optimierungen die heraussuchen, wenn man denkt, dass das eigene Programm die nötig hat. Optimierungen kosten natürlich Zeit und so ist man eher geneigt während der Entwicklung wenige Optimierungen zugunsten schneller Compilerzeiten zu wählen, während man im Release-Stadium mehr Optimierungen wählt um die Performance zu optimieren.

Natürlich möchte man nicht in all seine Makefiles jetzt auf solche Pipe-Orgien umstellen. Es gibt zum Glück ein „drop in replacement“ für den gcc: clang. Man muss nur noch an einer Stelle im Makefile die gcc-Definition durch clang ersetzen – fertig. Alle Parameter werden verstanden, Compiler-Parameter übernommen – so unkompliziert, dass man nur noch staunen kann:

Seit dem Podcast zu LLVM nagt in meinem Kopf die Idee, das ganze im aktuellen Projekt zu testen. In den beiden letzten Mobile Macs Sendungen war clang ebenfalls Thema, was dazu führte, dass heute das LLVM-Virus bei mir ausgebrochen ist 😉

Ich habe also das aktuelle Projekt (365.000-Zeilen C-Code) genommen und genau eine Zeile im Makefile geändert. Und es lief ohne Probleme. Ok, ich habe noch einen Fehler in unserem Makefile gefunden, aber dafür kann ja clang nichts. Die absolut problemlose Umstellung hat mich schon überrascht.

Aber warum sollte man dem gcc untreu werden, was bringt einem clang konkret? Da wären zunächst aussagekräftige Warnungen. Ich liebe Warnungen und predige bei jeder Gelegenheit wie wichtig es ist, auf die Warnungen vom Compiler zu hören. Das ist immer der Moment, in dem die Kollegen plötzlich etwas wichtigeres zu tun haben … 😉 clang spuckt Warnungen aus, mit denen man wirklich etwas anfangen kann:

Dagegen die Meldung vom gcc:

Dann wäre noch das Thema Performance. Es gibt Aussagen wie „OpenSSL wird 10% schneller“ (letzte MM-Sendung). Das macht schon neugierig und ich werde in der nächsten Woche auf jeden Fall ein paar Benchmarks durchführen um dem auf den Grund zu gehen. Jede Anwendung ist anders und bei unserem Projekt muss man erstmal sehen, was es wirklich bringt.

Wenn man aber „einfach so“ mehr Performance erhält, ist das ein hoch interessantes Thema. Ein Kunde von uns lastet mit unserer Anwendung eine 8-Core Maschine voll aus. Aufgrund gesteigerter Datenmengen wird diese Maschine bald zu klein sein. Wenn wir ihm sagen können „behalte Deinen Hobel, wir haben noch ordentlich etwas rausgeholt“ ist das für den Kunden natürlich ein Gewinn. Er kann die Hardware länger nutzen und spart Mirgrationskosten. Für uns ist das eher schlecht, weil wir am Lizenzupgrade nichts verdienen … aber ich bin Techniker und kein Verkäufer 😉

Maulbronn Abbey (3)

Maulbronn abbey

This is my favorite of the series.

Camera Model: Nikon D90
Lens: Tokina 12-24mm 1:4 DX
Focal Length: 12.00 mm
Focal Length (35mm Equiv): 18 mm
Exposure Time: 1/60 sec, 1/20 sec, 5 sec
F-Number: f/4,0
Shooting mode: Manual
Exposure bias: 0 EV
Flash: No
ISO: 100
Image at flickr, large version

Pages: <<< 1 2 3 ... 6 7 8 9 10 ... 96 97 98 >>>