pam-ldap: I have no name! (ubuntu)

Ich bin gerade über einen blöden Fehler gestolpert, den ich nicht noch einmal machen möchte… Ich habe an pam und ldap geschraubt und plötzlich konnten Gruppen und User-IDs nicht mehr aufgelöst werden:

In einem nahezu identischen System ging es ohne Probleme. Ein Vergleich der beiden /etc-Verzeichnisse hat keine Auffälligkeiten gezeigt. Nachdem ich drauf und dran war, das System wegzuschmeißen und neu aufzusetzen, habe ich doch noch die Lösung gefunden:

/etc/ldap.conf muss für alle User lesbar sein. Ich hatte testweise ein Bind-Password eingetragen und aus diesem Grund die Rechte der Datei eingeschränkt. Ein einfaches

hat das Problem gelöst 🙂

Debian Lenny auf einem Rootserver mit Raid-1 und LVM

Das ist ein Update zu meiner alten Anleitung. Der Unterschied zur alten Anleitung:

  • Dieses Mal soll ein Server unter Debian Lenny eingerichtet werden
  • Swap liegt ebenfalls im Raid
  • Der Server soll mit OpenVZ virtualisierte Maschinen hosten
  • Das root-Dateisystem soll ebenfalls im LVM liegen, damit wir beim Backup konsistente Snapshots vom gesamten System machen können

Hier also das Update zu meiner rundum-sorglos copy&paste-Anleitung zur Einrichtung von

Debian Lenny auf einem Rootserver mit Raid-1 und LVM

„Debian Lenny auf einem Rootserver mit Raid-1 und LVM“ weiterlesen

OpenLDAP Replikation mit syncprov

Für einen neuen Server in unserer Rootserver-Kommune brauche ich eine Replik unseres LDAP-Servers. Wie sich herausstellte, ist das ziemlich einfach und in der umfangreichen Dokumentation exzellent erklärt.

Im zu replizierenden LDAP-Server („Provider“) muss man lediglich dafür sorgen, dass das syncprov-Modul in der slapd.conf geladen wird:

Im Zielserver („Consumer“), wird so eine 1:1 Replikation des Quellservers konfiguriert:

Natürlich müssen im Quellserver entsprechende Credentials hinterlegt werden. Durch das Keyword refreshAndPersist bleibt die Verbindung dauerhaft bestehen und Änderungen im Quellserver werden sofort auf dem Zielserver repliziert.

Achtung: im Zielserver müssen natürlich die gleichen Schemata geladen sein, wie im Quellserver. Schaut euch also die Include-Section entsprechend an, sonst hagelt es Fehler.

Mit dieser Methode kann man den LDAP-Server super-komfortabel umziehen, einfach Replikation einschalten, DNS-umschwenken und dann die Replikation auf dem Zielserver ausschalten.

DynDNS mit dem Alice Modem 1121 WLAN

Das Alice Modem 1121 WLAN bzw. TV hat eine recht spartanische Administrationsoberfläche. Man kann wirklich nur das Nötigste einstellen, eine Möglichkeite den beliebten DynDNS-Dienst zu konfigurieren, sucht man vergeblich.

Die Modemsoftware bringt jedoch einen DynDNS-Client mit, allerdings ist der nur via Telnet zu konfigurieren. Das Modem ist vom LAN und WLAN aus unter seiner Standard-IP 192.168.1.1 erreichbar.

Die Zugangsdaten lauten:

  • User: admin
  • Passwort: AliceXXXXXX123

Die Zeichenfolge XXXXXX muss durch die letzten sechs Zeichen der LAN MAC-Adresse des Modems ersetzt werden. Lautet die MAC-Adresse des Modems z.B. 00:25:5E:AB:64:FE, so muss man als Passwort AliceAB64FE123 verwenden:

Man findet sich auf einer kastrierten Linux(?)-Shell wieder. help liefert eine Liste der möglichen Kommandos. Mit ddns kann man den DynDNS-Client konfigurieren:

Ok, mit add fügt man eine DynDNS-Konfiguration hinzu, mit remove wird sie wieder entfernt und mit show kann man alle anzeigen lassen.

Der folende Aufruf fügt eine Konfiguration für den Hostnamen myhomedsl.dyndns.org beim Dienst dyndns mit dem Usenamen user6 und dem Passwort 123456 hinzu:

Wichtig: man muss im parameter --interface den Namen des WLAN-Interfaces eingeben. Den Namen bekommt man mit dem Kommando ifconfig heraus. Es listet alle Interfaces auf, gesucht ist das mit ppp im Namen:

In meinem Beispiel lautet der Name des Interfaces also ppp_0_1_32_1.

Cancer Clan

Shot for the upcoming third demo of Cancer Clan.

The setup was pretty simple:

Cancer Clan light setup

We tried to use a second flash to get a shadow of the chainsaw-blade. It was hard to adjust everything and when we got finally a good shadow, the whole photo looked pretty boring…

Camera Model: Nikon D90
Lens: Nikon AF-S DX Nikkor 18-105mm 1:3.5-5.6G ED VR
Focal Length: 18.00 mm
Focal Length (35mm Equiv): 27 mm
Exposure Time: 1/125 sec
F-Number: f/16
Shooting mode: Manual
Exposure bias: 0 EV
Flash: Yes
ISO: 200
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Chocolate Cake

I posted already the recipe, but this time we modified it slightly.

Camera Model: Nikon D90
Lens: Nikon AF-S DX Nikkor 18-105mm 1:3.5-5.6G ED VR
Focal Length: 105.00 mm
Focal Length (35mm Equiv): 157 mm
Exposure Time: 1/80 sec
F-Number: f/6,3
Shooting mode: Manual
Exposure bias: 0 EV
Flash: Yes
ISO: 200
Image at flickr, large version

Double Galaxy

If you come close enough, you will see a double galaxy 😉

Camera Model: Nikon D90
Lens: Sigma 150mm 2.8 EX Makro
Focal Length: 150.00 mm
Focal Length (35mm Equiv): 225 mm
Exposure Time: 1/200 sec
F-Number: f/2.8
Shooting mode: Manual
Exposure bias: 0 EV
Flash: Yes
ISO: 200
Image at flickr, large version

26C3: Tag vier

Leider leider ist der AS/400 Talk von Sebastian ausgefallen. Ich hatte ihn schon am Vorabend zu dem Thema ausführlich befragt, aber es wäre natürlich interessant gewesen, die Live-Demos zu sehen.

Statt dessen habe ich mich dann in Saal 1 zur Wikipedia-Diskussion gesetzt. Fefe hatte es sich auf der Couch bequem gemacht, lest Euch mal den Artikel in seinem Blog durch, er hat die Diskussion ganz gut zusammengefasst.

Fefe

Blackbox JTAG Reverse Engineering war auch nicht wirklich erhellend, aber vielleicht war auch meine Aufmerksamkeit am vierten Tag arg verschlissen. Ich habe mich dann noch mit ein paar älteren Herren aus dem Internet zum Aisiambiss in den Bahnhof gesetzt.

Photography and the Art of Doing it Wrong war ein interessanter Rückblick auf die Geschichte der Fotografie, außerdem gab es ein paar gute Inspirationen bewusst „falsch“ zu fotografieren und die „Fehler“ als künstlerischen Effekt einzusetzen. Ein erfrischender Kontrast zur üblichen „Eye Candy Fotografie“.

Falls Ihr den Kongress verpasst habt, schaut Euch die Aufzeichnungen an, Anne hat ein paar gute Empfehlungen zusammengetragen

26C3: Tag drei

Der Jahresrückblick hat mich mal wieder darin bestärkt, dass der CCC-Mitgliedsbeitrag goldrichtig angelegt ist. Schaut Euch einfach mal die Aufzeichnung an.

Danach gab es ein Update zur DECT-Sicherheit. Die Jungs sind schon sehr weit gekommen. Der Grund, warum man den großen Knall nicht gehört hat, ist vielleicht, weil er vom noch viel größeren Knall des Platzens der GSM-Sicherheitsblase übertönt wurde. Interessantes Detail: die Zusammenarbeit mit dem DECT-Forum scheint viel angenehmer und besser zu laufen, als die Zusammenarbeit mit dem GSM-Forum, die derzeit noch nicht einmal zugeben, dass es ein Problem gibt („das was die machen ist ja Illegal, und deswegen existiert das Problem nicht“).

Dann habe ich mir „DDoS/botnet mitigation and hosting online communities“ angeschaut, das war nett, aber insgesamt kein großer Erkenntnisgewinn.

Der GSM-Talk von Harald Welte hiess „Using OpenBSC for fuzzing of GSM handsets“, es war aber eher ein generelles Update zu OpenBSC. Trotzdem interessant, auf welch wackeligen Füßen das ganze System steckt, es gibt nur eine Hand voll (4!) GSM-Stacks und die sind auf 4 Milliarden Geräten deployed. Wenn also ein Stack ein Problem hat, kann man das auf sehr vielen Geräten nachvollziehen.

Was mir im Zusammenhang mit GSM total neu war – und gleich auf drei Vorträgen ausführlich erwähnt wurde – ist, dass im Zuge der 911-Notrufrichtlinie in den USA die Geräte ihren Standort bestimmen können müssen. Wenn ein GPS-Chip eingebaut ist, dann kann man das relativ einfach machen. Wenn kein GPS-Chip eingebaut ist, geht das aber trotzdem. Das Telefon verstellt einfach die Empfangsfrequenz auf die GPS-Frequenz und empfängt die blanken GPS-Signale, die es zur Auswertung an den Provider schickt (GSM funkt i.dR. auf 0.9, 1.8 und 1.9 GHz, GPS liegt mit 1.2 und 1.5 GHz genau dazwischen). Zusammen mit den bekannten Standortdaten der Basisstationen und der derzeit schon vorhandenen GSM-Peilungsmöglichkeiten kommt dabei eine ausreichend genaue Standortinformation heraus.

Da keine Geräte exklusiv für den US-Markt gebaut werden, ist also davon auszugehen, dass alle Geräte, die seit 2006 in den USA verkauft werden, diese Funktion mitbringen. Die Abfrage findet auf sehr sehr tiefen Schichten des GSM-Protokolls statt und kann von der Anwendungssoftware oder dem Betriebssystem des Telefons nicht verhindert oder bemerkt werden.

Bei „Location tracking does scale up“ hat Aaron die Funktionsweise von Skyhook erklärt. Das Grundprinzip ist ja recht einleuchtend. Die Standortdaten und Empfangsfeldstärken von WLAN Beacons werden einmal erfasst und in einer Datenbank hinterlegt. Nun kann man anhand dieser Datenbank seinen Standort auch in Gebäuden bestimmen. Das Problem ist, dass die Datenbank mit der Zeit veraltet, weil WLAN AccessPoints sterben und neue hinzu kommen. Die Update-Funktion steckt aber in der Skyhook-Api selbst. Bei Standortabfragen werden alle sichtbaren ESSIDs mitgesendet, ebenfalls die GPS-Position (falls bekannt) und die Basisstation-Id, an der das Telefon angemeldet ist. Zwar funktioniert die API-Abfrage anonymisiert, aber eine Korrelation mit anderen Datensätzen ist natürlich trotzdem möglich.

Der Fnord-Jahresrückblick war ebenfalls wieder Pflicht, statt mir danach gleich den Kaminsky zu geben, habe ich mich zu Andy und „Die Ereignisse des 12.9. und ihre Folgen“ angeschaut. Schaut Euch mal die Aufzeichnung an, den Erkenntnisgewinn kann man garantiert auf jeder Demo verwerten.

26C3: Tag zwei, was noch so war

One Laptop per Child: war ganz interessant, den größten Erfolg hat das Projekt derzeit scheinbar in Uruguay. Dort sind fast 400.000 Geräte ausgeliefert, jedes Kind von der 1. bis zur 6. Klasse hat eins. Es gibt Unterstützung von der Post, wenn ein Gerät kaputt ist kann man es kostenlos in jeder Postfiliale abgeben und die schicken es zur Reparatur.

Die alle Zuhörer unter den Nägeln brennende Frage – wo man als reicher Europäer einen OLPC XO kaufen kann, wurde leider nicht befriedigend beantwortet. Das sehr gute „get one, give one“-Programm, bei dem man ein Gerät kaufen und eins spenden konnte, gibt es leider nicht mehr. Man kann sich zwar als Entwickler mit einem Projekt bewerben, aber wenn man „nur“
Geräte für seine eigenen Kinder haben möchte, sieht es im Moment schlecht aus.

Ich verstehe nicht ganz, was das Problem wäre oder warum das „get one, give one“ Programm eingestell wurde. Für Faire 280 Euro würde man ein Gerät bekommen und gleichzeitig noch eins spenden. In unseren Breiten wäre das total akzeptabel. Statt dessen bekommen Schüler hier eher Netbooks von Ihren Eltern geschenkt („ist ja nicht so teuer und bringt auch sicherlich etwas für die Schule…“) und versuchen die wie normale Notebooks zu verwenden. Klar kann man sich auch die OLPC Software auf einen USB-Stick kopieren und auf einem Netbok verwenden, aber viel von dem OLPC Konzept geht dabei verloren.

Danach habe ich mir das Mondprojekt angeschaut, aber darüber habe ich ja schon geschrieben. Heise hat auch darüber berichtet.

„Privacy & Stylometry“ war mir zu trocken und so habe ich mich lieber noch ein wenig in der Phenoelit Drogenhölle rumgetrieben.

Vier Fäuste für ein Halleluja war dann natürlich Pflicht. Da ich beruflich viel Unixcode sehe und gelegentlich auch schreibe, kam mir das alles natürlich sehr bekannt vor. Ich werde das Video vom Vortrag mal mit in die Firma nehmen und den Kollegen zeigen, die haben bestimmt auch ihren Spaß daran 🙂

Dann habe ich mich statt eines weiteren Vortrags in den Podcast Developer Workshop von Tim Pritlove gesetzt. Sein Problem ist, dass es im Moment keine vernünftige Software gibt, die einen Podcast Workflow vernünftig abbilden kann und man verdammt viele Schritte manuell durchführen muss, die man alle wunderbar automatisieren könnte.

Er hat also ziemlich genau seine Ideen beschrieben, was eine Software alles können muss und welche Funktionen sie bereitstellen soll. Das geht da von Terminkoordination der Teilnehmer und Erzeugung korrekter Feeds über die Integration des Chatprotokolls in die Timeline bishin zu Distributionswegen über Webplayer und BitTorrent. Das ist also ein bunter Strauß an Wünschen,
die man eigentlich unmöglich in einem Projekt erschlagen kann, außer man hat sehr viel Geld und fähige Leute.

Ergebnis war, dass es erstmal eine google Group von Podcastern gibt, die sich des Themas annimmt und versucht konkrete Teilschritte umzusetzen, die man immer weiter zu einem Stück Software zusammensetzen kann. Mich hat das ganze Stark an Pentabarf erinnert, das auch aus der Congressorganisation heraus enstanden und vollkommen von Featurebedürfnissen des realen Congressorganisators getrieben ist.

26C3: Tag zwei soweit

Ich habe heute statt mir Vorträge anzuhören, mich ein bisschen mehr mit Leuten aus dem Internet unterhalten. Die sind alle echt nett 😉

Interessant war „A part time scientists‘ perspective of getting to the moon„, allerdings wurde das Thema Mondflug auf schmalem Budget so dermaßen schlecht vorgetragen, dass ich nur unter Schmerzen bis zum Schluss ausgehalten habe. Klar, das Team ist im Wettbewerb mit anderen Teams, die Ebenfalls zum Mond kommen wollen, aber wenn man nur nebulös drum herumredet, ist das der Aufmerksamkeit im Publikum nicht gerade zuträglich.

263C: dns2dht

Christian Bahls von Mogis hat einen ganz interessanten Ansatz vorgestellt, wie man DNS zensurfest gestalten kann: mittels einer distributed Hashtable. Die Anfragen laufen nicht mehr gegen einen potentiell zensierten DNS-Server, sondern gegen die DHT-Wolke. Voraussetzung ist natürlich, dass die DHT-Nodes letztendlich auf einen unzensierten DNS zugreifen können.

Der Vorteil des ganzen: das System ist dezentral und kann nicht zensiert werden. Nachteil: in die DHT zu schreiben ist einfach, Löschen ist jedoch unmöglich. DNS-Updates bekommt man also nicht so einfach dort rein. Aber: DNSSEC steht vor der Tür, signierte Domains könnten also schon Updates bereitstellen.

Christian hat diese Idee in ein paar Python-Scripte gegossen und hat auch schon eine kleine Wolke am Laufen, die bereits praktisch vom Iran aus genutzt wird. Ich bin gespannt auf den Release der Software.

26C3: Lightning Talks Tag 1

Ein kleiner Auszug aus den Talks (wird noch ergänzt):

  • Sleephacking scheint auszufallen, die Vortragende ist nicht da 🙁
  • In der C-Base gibt es parallel zum Kongress das Multitouch Hackfest. Und einige der Talks, die auf dem Kongress abgelehnt wurden. Und eine Menge Parties 🙂
  • Der CCC Düsseldorf hat eine Zensurinfrastruktur aufgebaut, man kann sie versuchen auf verschiedenen Leveln zu umgehen.
  • Voicebarf ist das Telefoninterface zum Fahrplan. Sehr cool 🙂
  • Cache games ist ein Hacking Contest auf Basis von CPU Cache Timing Angriffen. Krass 🙂
  • wiki2beamer konvertiert Mediawiki-Syntax in Latexcode. Das ist ganz cool, wenn man mit beamer eine Präsentation bauen will, aber der Latexsyntax dafür eigentlich zu aufwändig ist, speziell für syntax highlighting. Natürlich hat man trotzdem den vollen Latex-Syntax, da wiki2beamer lediglich wie ein Preprozessor arbeitet.
  • Sehr interessant war John Maushammer: er hat eine Pong Armbanduhr gebaut (tiny tiny tiny stuff!!1!) und digitale Wegwerfkameras gehackt.

26C3: Ausverkauft :-(

Tja, das ging dann doch schneller als erwartet. Noch vor dem offiziellen Start ist der Kongress ausverkauft, das Anstehen in der Schlange hat sich gestern dann doch gelohnt.

Insgesamt ist es schade, dass jetzt viele Menschen draußen bleiben müssen. Klar, 4200 Leute waren im letzten Jahr zu viel, aber vielleicht sollte man sich überlegen, ob das BCC als Veranstaltungsort noch geeignet ist. Oder ob man nicht generell Tickets im Vorverkauf anbietet, allerdings bedient man damit dann einen gewissen Schwarzmarktanteil.

Dragons Everywhere kann nicht ausgleichen, es dieses Jahr 700 Tickets weniger gibt.

Dem Soja auf der Spur (4)

Soja ist gesund und Sojaprodukte liegen voll im Trend. Die westliche Welt hat einen unstillbaren Bedarf an Soja. Doch wie sieht es am Anfang der Soja-Kette aus? Eine Freundin von mir hat sich auf den Weg nach Südamerika gemacht um über die Situation vor Ort zu berichten.

Dem Soja auf der Spur (Teil 1)
Dem Soja auf der Spur (Teil 2)
Dem Soja auf der Spur (Teil 3)


Komme gerade von einer Woche Urlaub wieder die mich über fünf Landesgrenzen führte und mir ungezählte Kilometer und Stunden in Bussen bescherte. Habe beeindruckende Ruinen von Jesuiten-Missionen erklommen, die größten Wasserfälle der Welt von argentinischer und brasilianischer Seite aus bestaunt und bin schließlich vom Norden Paraguays aus auf einem hölzernen 30 Jahre alten Fracht- und Passagierschiff 300 km den gleichnamigen Fluss hinunter getuckert.

Genau zwei Tage bleiben mir jetzt in Asuncion, wo ich in vollen Zügen die Vorteile der Großstadt genieße, bevor ich mich schon wieder fünf Stunden lang in einen der klapprigen Busse setzen muss, um nach Capiibary in der Provinz San Pedro zu gelangen. Dort werde ich Weihnachten mit E. und ihrer Familie verbringen. Von ihr hatte ich bereits geschrieben; eine sehr engagierte Frau aus einfachen Verhältnissen, die für die Rechte der Landbevölkerung kämpft und unerschöpfliche Energie dafür aufbringt. Mit ihr will ich in diesen Tagen auch noch ein biographisches Interview führen.

Wenn ich dann zurück komme, gibt es noch ein großes Abschiedsessen für das schon fleißig die Werbetrommel gerührt wird, so dass es zu einer mittelgroßen Fete anwachsen wird. Und am 28.12. fliege ich nach Buenos Aires und von dort dann am 30. weiter über den großen Teich, um pünktlich zu Silvester in Köln Kalk zu sein.

Freue mich auf meine Lieben, meine eigenen vier Wände mit gut ausgestatteter Küche und darauf, auf der Strasse nicht permanent wie ein exotisches Tier ganz unverhohlen angestarrt zu werden. Und gleichzeitig die Traurigkeit, Abschied zu nehmen von wunderbaren Menschen die Dinge in Bewegung bringen und sich nicht unterkriegen lassen. Habe ganz viel tolles Feedback bekommen für meine Arbeit hier und das Anliegen, die Bedingungen unter denen Soja produziert wird und die negativen Folgen für das Land in Deutschland anzuprangern.

Mein persönliches Fazit: nie wieder Soja! Für die Bauern bedeutet sie „einen schleichenden Tod“ weil sie über Jahre mit Chemie besprüht werden und Hunger, weil die Erde anstatt für die Produktion von Lebensmitteln für extensive Soja-Monokulturen genutzt wird. Die wird dann exportiert um z.B. in Deutschland Kühe und Schweine zu mästen oder in Form von Soja-Lecithin in sämtlichen Süßigkeiten zu landen die wir auch regelmäßig essen. Und egal ob die Soja nun aus den USA, China oder Südamerika kommt, handelt es sich um gentechnisch veränderte Bohnen die im Laufe ihres Reifeprozesses mit soviel Pestiziden, Insektiziden und Fungiziden besprüht wurden, dass ich nicht glauben kann, dass das keine Folgen für die KonsumentInnen haben soll, wie von Seiten des Agrobusiness behauptet wird. Mal ganz abgesehen von den Umweltkonsequenzen.

Erst gestern habe ich ein spannendes Interview mit einer Nonne geführt, die sich für die Rechte der indigenen Bevölkerung einsetzt. Dabei geht es auch viel um die Verteidigung von ihrem Land, dass sich Sojabauern einfach oft aneignen. „Es ist ein regelrechter Krieg“ beschreibt sie deren Vorgehen, die Urbevölkerung zu vertreiben indem sie gezielt Chemie einsetzen. Und auch hier wieder die Erfahrung, dass die „Grossen“ sich jegliches „Recht“ erkaufen.

Trotzdem gibt sie den Kampf nicht auf, ebenso wie so viele Andere, mit denen ich auf dem Land und in der Stadt sprach. Gerade in der jetzigen politischen Situation ist es wichtig, aktiv zu bleiben. Ich spüre hier ganz viel Bewegung und Aufbruch und die Hoffnung auf einen dauerhaften Wechsel im politischen Kurs des Landes.

Im November durfte ich einem historischem Ereignis beiwohnen: Im Zentrum Asuncions trafen sich zum allerersten Mal die linken „fortschrittlichen Kräfte Paraguays“, um sich über die politischen, sozialen und wirtschaftlichen Lagen des Landes auszutauschen und gemeinsam den Traum von einem besseren, gerechterem Paraguay zu verwirklichen. Über 4.000 Menschen aus dem ganzen Land waren zum frühen Morgen angereist; im Gepäck die Fahnen und Transparente ihrer Organisationen, Forderungen an die Regierung und die obligatorische, riesige Thermoskanne für den kalten Mate-Tee.
Ein tausendstimmiger Chor ruft: „el pueblo unido jamas será vencido“, in die Höher gereckte Fäuste und eine kraftvolle Erregung der Masse, die gespannt auf Fernando Lugos Rede wartet.

Die ist kurz und poetisch. Ein Bekannter von Regine übersetzt für uns seine Worte vom politischen Wechsel der mit seiner Wahl am 20. April 2008 in Paraguay eingeläutet wurde und der 61jährigen Herrschaft der Colorado-Partei ein Ende setzte. Er beschwört die sozialen Kräfte die für diesen historischen Sieg gesorgt haben und wie wichtig die Einheit der Bewegung ist, um den politischen und gesellschaftlichen Wechsel voran zu treiben.
Was für eine Wohltat muss es für den täglich im Kreuzfeuer der rechtskonservativen Opposition und Medien stehenden Politiker sein, sich inmitten von Menschen zu befinden, die mit seiner Regierung die Hoffnung auf ein gerechteres Paraguay verbinden! Auch wenn Lugo in dem einen Jahr seit seinem Amtsantritt noch nicht viel verändert hat – oder konnte – und Viele enttäuscht sind von ihm, sind sich alle Rednerinnen und Redner an diesem Tag darüber einig, dass weiter gekämpft werden muss.

Das bekannte und viel verwendete Zitat vom vereinten Volk das gemeinsam unbesiegbar ist, das auch Lugo wiederholt bevor er abfährt, mag einfach klingen aber genau das ist der Anlass für dieses landesweite Treffen. Denn die Gerüchte über einen möglichen Staatstreich haben derzeit ein Besorgnis erregendes Ausmaß angenommen. Man spricht von der „Attacke der Rechten“, die ihre Macht und ihre Privilegien gefährdet sehen und alles daran setzen, diese zu erhalten. Die sozialen Bewegungen sehen sich seit Lugos Amtsantritt im September letzten Jahres einer besonders heftigen Diffamierungs- und Kriminalisierungswelle gegenüber. Umso wichtiger ist die Demonstration von Geschlossenheit und die Formulierung gemeinsamer Forderungen an diesem Tag. Es geht um die Veränderung des alten Politik-Wirtschafts- und Agrarmodelles, um einen tiefgreifenden sozialen und politischen Wechsel. Die Umsetzung wesentlicher Menschenrechte, soziale Ökonomie, Selbstbestimmung, Umweltschutz und die Bekämpfung der Armut sind Stichworte auf dem Podium.

Das eigentlich Spannende für mich an diesem Tag sind die 4-minütigen Reden von Frauen und Männern aus dem ganzen Land, die als VertreterInnen für ihre Organisationen und Gruppen sprechen. Kleinbauernorganisationen, Interessenvertretungen von Hausangestellten, arbeitenden Kindern und Taubstummen, Gewerkschaften, sozialistische und kommunistische Parteien, Indigene, Landlose und Feministinnen fordern unter lautem Beifall die Bekämpfung der Armut, Bildung und Gesundheitsversorgung für alle, bessere Arbeitsbedingungen, Ernährungssouveränität, eine umfassende Landreform. Sie prangern die Korruption der PolitikerInnen, Gerichte und Polizeigewalten im Land an, die ungerechte Landverteilung, die Ausbeutung der natürlichen Ressourcen durch ausländische Firmen und die Vergiftung der Erde.

Ebenfalls sehr beeindruckend war eine große Demonstration gegen die Kürzungen des Sozialhaushaltes für 2010; auch das, so wird vermutet, ein Winkelzug der Rechten. Der riesige Platz vor dem Senat ist voller Menschen die wiederum aus dem ganzen Land angereist sind, um von den drinnen tagenden Abgeordneten eine Korrektur zu fordern. Jede einzelne Organisation hat Leute mobilisiert und Transportmöglichkeiten organisiert. Trotzdem konnten viele Tausend nicht kommen weil sie nicht die Mittel haben oder die Busse schon voll waren.

Die Presse spricht später von 6.000 Menschen aber wer auf dem Platz war weiß, dass es mindestens 20.000 waren. Darunter viele bekannte Gesichter aus den Provinzen in denen ich unterwegs war. Es gibt Live-Musik, und Samba-Trommeln, Straßentheater, Redebeiträge und Sprechchöre. Jugendliche und Alte, Mütter mit Kindern, Stadt- und Landbewohnerinnen, Indígenas werden von mobilen Imbissständen versorgt und trinken kalten Terere.
Die Polizei ist bis an die Zähne bewaffnet und, inclusive Reiterstaffel, zahlreich vertreten. Gruselig daran zu denken, dass Ende der 90er Jahre bei einer Demonstration an gleicher Stelle über 10 Menschen, vor allem Jugendliche, von Scharfschützen erschossen wurden die auf den umliegenden Dächern platziert waren. Es gab damals hunderte Verletzte.

Eine andere Veranstaltung: das erste Konzert für die Opfer der Militärdiktatur vor der Polizeistation, auf deren Gelände im Juni die Knochen von Verschwundenen gefunden wurden. Liedermacher und Bands aus Paraguay und Argentinien, Menschen die Fotos ihrer Angehörigen hochhalten, von denen bis heute jede Spur fehlt.

Da fällt es schwer die oft wiederholte Litanei von Leuten zu hören die sagen, unter Stroessner sei es sicherer gewesen und es hätte nicht soviel Armut gegeben. Fakt ist, dass es die genauso gab, aber weniger sichtbar, weil man sich mit Scheuklappen durch´s Leben schlängelte. „Bloß nicht einmischen!“ und sich mit der alles umgebenden Aura von Spitzelei und Bedrohung arrangieren. Bis heute sind die Folterer von damals unbehelligt geblieben und die Politiker von damals haben ihr Scherflein nach wie vor im Trockenen.

Aus sechs geplanten Wochen in Paraguay sind zweieinhalb Monate geworden, denn ich wollte ganz eintauchen. Ich habe versucht, soviel wie möglich mitzubekommen, das Alltagsleben die politische Kultur und Gesellschaft kennen zu lernen. Letztendlich ist alles miteinander verknüpft und lässt sich nicht ohne Kontext verstehen. Es gäbe noch soviel mehr zu erzählen.

Z.B. vom Besuch von sechs politischen Gefangenen im Gefängnis Tacumbú mit einer Menschenrechtsdelegation, vom Spaziergang durch eines der Elendsviertel mit einer Sozialarbeiterin die dort lebt und arbeitet. Vom „Lohn“ der dort lebenden Bevölkerung, die oft vom Land hierher migriert ist und sich mit Müllreceycling über Wasser halten. Von comedores populares; Essstuben die in nachbarschaftlichr Initiative gegründet werden, um Kindern und Alten eine warme, gesunde Mahlzeit am Tag zu ermöglichen, und wo Wahlkampfteams die „mechanische Kuh“ mit Sojamilch anbieten. Und natürlich auch vom wohlklingenden Diskurs der Sojaunternehmen, mit denen ich ebenfalls sprach; denen zufolge es gar keinen Landkonflikt gibt und die dem Staat sämtliche Verantwortung für die Misere zuschreiben während sie selbst keine Steuern zahlen und zahlreiche Gesetze zu ihren Gunsten existieren.


Dem Soja auf der Spur (Teil 1)
Dem Soja auf der Spur (Teil 2)
Dem Soja auf der Spur (Teil 3)

Dem Soja auf der Spur (3)

Soja ist gesund und Sojaprodukte liegen voll im Trend. Die westliche Welt hat einen unstillbaren Bedarf an Soja. Doch wie sieht es am Anfang der Soja-Kette aus? Eine Freundin von mir hat sich auf den Weg nach Südamerika gemacht um über die Situation vor Ort zu berichten.

Dem Soja auf der Spur (Teil 1)
Dem Soja auf der Spur (Teil 2)


Ich habe lange nichts von mir hören lassen, was daran lag, das ich viel unterwegs und kaum in Asuncion war. Inzwischen bin ich in zwei verschiedenen departamentos, so was wie Bundesländern, herum gereist, habe sehr viele beeindruckende Menschen getroffen, verschiedene Kleinbauernorganisationen und NGOs kennen gelernt, interessante Gespräche und Interviews geführt, bin auf super vielen Motorrädern herum gefahren worden, habe Camps von Landlosen besucht sowie eine indigene Gemeinde und eine katholische Missionsstation, die grüne Wüste der Sojafelder zur Genüge gesehen, mit einem deutschen Unternehmer einen ganzen Tag lang seine Aktivitäten studiert und häufig bei campesino-Familien übernachtet von denen ich quasi adoptiert wurde.

Zuerst war ich zwei Wochen in Alto Paraná, von wo aus ich das letzte Mal geschrieben hatte. Dort war ich z.B. lange mit Mitgliedern der Kleinbauernorganisation ASAGRAPA unterwegs, bin ich ziemlich viel rumgekommen und hatte oft die Gelegenheit mit den Bauern zu sprechen. Ihre Erfahrungen mit den Sojaunternehmern sind meist ähnlich: es wird ohne Rücksicht auf Verluste Chemie gesprüht was das Zeug hält, schützende Grünstreifen, die eigentlich vorgeschrieben sind, gibt es nicht und oft grenzen die Sojafelder direkt an ihre Grundstücke und die Pestizide verbrennen die Pflanzen auf ihren Äckern, töten die Hühner und Enten die frei herumlaufen und machen die Anwohner krank.

Anzeigen dagegen werden nicht bearbeitet oder versacken in korrupten Büros und die Bauern fühlen sich ohnmächtig der Übermacht der Sojalobby gegenüber. Viele geben auf und verkaufen ihr Land, was zur Folge hat, dass sich die Soja mitten in den Gemeinden ausbreitet und die Situation verschlimmert. Es ist auch ein gezieltes Mittel der Großgrundbesitzer, die Bauern zu entzweien, die längst nicht alle an einem Strang ziehen. Einige verpachten auch ihre Felder oder bauen selbst Soja an, aber im kleinen Maßstab lohnt sich das nicht und sie verschulden sich oft, was ebenfalls zur Folge hat dass das Land den Großen zufällt.

An anderen Stellen versuchen die Landlosen durch Landbesetzungen ihr – theoretisch von der Verfassung garantiertes – Recht auf Land durchzusetzen, um sich zu ernähren. 120.000 Familien haben offiziell kein Land, wobei andere Schätzungen von 300.000 ausgehen.
Solche Landbesetzungen werden meist sehr gewalttätig geräumt; es gab bereits Tote.

Ein besonders krasser Fall hat sich vor kurzem in Itakyry ereignet, wo ein Brasilianer behauptet, der Eigentümer von 2.600 Hektar Land zu sein und auch irgendwelche Papiere vorweisen kann, die er gekauft hat (keine Seltenheit, dass es für ein und das Selbe Stück Land mehrere Besitztitel gibt). Das Land ist aber von der Behörde die für den Schutz der indigenen Bevölkerung zuständig ist, als geschützte Fläche für fünf Indianergemeinden ausgewiesen. Der „neue“ Eigentümer kündigte vor ein paar Wochen die Räumung der Dörfer an, woraufhin die indígenas demonstrierten und sich entschlossen zeigten, ihr Land zu verteidigen. Am angekündigten Tag der Räumung fuhren 20 Autos mit Bewaffneten vor, die vom Brasilianer angeheuert wurden. Die indígenas wehrten sich mit Pfeil und Bogen, die Leute zogen ab und kurze Zeit später flog ein Flugzeug über die fünf Gemeinden und besprühte alles mit Pestiziden. Ein Ort war besonders stark betroffen, die EinwohnerInnen konnten sich nicht mehr in Sicherheit bringen und Mehrere wurden mit starken Vergiftungserscheinungen ins Krankenhaus eingeliefert. Es gab viele Proteste und eine Demonstration in Asunción, Anzeigen und eine staatliche Untersuchung, um die Chemikalien zu bestimmen. Aber wirkliche Sanktionen hat der Brasilianer nicht zu erwarten, bzw. kann er sich sicher sein, sich frei kaufen zu können.

Solche krassen Fälle von Menschenrechtsverletzungen gibt es leider immer wieder und kaum etwas, was die Kleinbauern dagegen unternehmen können. Immer wieder wurde mir erzählt, wie brutal die großen Landbesitzer (in den meisten Fällen Brasilianer) vorgehen, bewaffnete Sicherheitskräfte anheuern die auf alles schießen was ihr Land betritt, die Gemeinden einschüchtern und Menschen bedrohen, die sich wehren. „Für sie sind wir Kakerlaken“ beschrieb jemand die Rücksichtslosigkeit mit der die Soyeros ihr Gebiet erweitern und Widerstand begegnen, um jeden Quadratzentimeter mit Soja bepflanzen zu lassen.

Immer wieder erfahre ich, wie sehr sich die Bauern von der Regierung im Stich gelassen fühlen und gegen eine Übermacht ankämpfen, die alles manipuliert. Manche sind sehr verbittert. „Aber wenn wir aufgeben und unser Land verlassen, was bleibt uns dann noch?“ fragte der Vorsitzende einer Nachbarschaftsvereinigung auf dessen Schwiegervater nachts in seinem Bett fünf Mal geschossen wurde und der es wie durch ein Wunder überlebte. Er zeigte mir die verkümmerten Manjokpflanzen die direkt neben einem Sojafeld wachsen und bei dessen letzten Besprühung vor ein paar Tagen vom Gift verbrannt wurden. „Wir fragen uns, ob wir das überhaupt noch essen können“.

Die stärkehaltige Manjokwurzel ist das Hauptnahrungsmittel der Landbevölkerung. Es gibt sie gekocht morgens, mittags und abends zu jedem Essen dazu wie Brot. Außerdem werden viel Mais, Bohnen, Paprika und Erdnüsse für den Eigenbedarf angebaut. Von einer zwei Hektar großen Ackerfläche kann sich eine vierköpfige Familie ernähren. Wenn sie auch noch ein paar Kühe oder Schweine haben, verfügen sie auch noch über eine kleine Geldanlage, um sich ein Motorrad anzuschaffen oder im Falle einer Krankheit die Behandlungskosten aufbringen zu können. Viele bauen Sesam oder Tartago, eine Pflanze deren Samen zur Herstellung von Bio-Sprit aufgekauft wird, an um ein wenig für Öl, Seife und Kleidung zu verdienen. Die Landbevölkerung ist zwar sehr arm, aber sie (die die Land haben) können sich immerhin selbst ernähren.

Dieses traditionelle Modell der Subsistenzwirtschaft ist durch die Agrarindustrie bedroht. Diese verspricht mit moderner Technik, Monokulturen auf großen Flächen und manipuliertem Saatgut hohe Erträge, entsprechende Gewinne und ganz nebenbei auch noch, den Hunger in der Welt zu bekämpfen. Doch davon profitieren nur Wenige; allen voran die transnationalen Firmen und Großgrundbesitzer. Nebenwirkungen sind: Verdichtung und Auslaugung des Bodens, Errosion, Vergiftung der Gewässer, fortschreitende Abholzung, Arbeit für einige wenige, Verdrängung der Subsistenzwirtschaft, landflucht und wachsende Armut in den Städten, Verschärfung von Landkonflikten.
Während das Agrobusiness mit gezielten Medienkampagnen versucht, das Kleinbauernmodell als rückständig und ertraglos, die campesinos als dumm und faul darzustellen, fordern gerade diese Bauern und Bäuerinnen ihr Recht auf Selbstbestimmung, Land und Ernährungssicherheit (soberanía alimentaria).

Besonders eindrucksvoll ist dieser Kampf im Distrikt San Pedro, von wo ich vor ein paar Tagen zurück gekommen bin. San Pedro ist der größte und ärmste Distrikt Paraguays mit besonders viel Zuwanderung aus anderen Gebieten, wo die Kleinbauern verdrängt werden. 80% der Bevölkerung lebt in ziemlich armen Verhältnissen auf dem Land.

Dort war ich insgesamt zwei Wochen und habe dabei in drei verschiedenen Provinzen etliche gut vernetzte Organisationen und deren Arbeit kennen gelernt. Im Gegensatz zu Alto Parana hat sich die Soja hier noch nicht so extrem ausgebreitet, was auch auf die Sensibilisierung und den Widerstand der lokalen Bevölkerung zurück zu führen ist. Es gibt häufig Anzeigen und Demonstrationen gegen die Besprühungen, die vielen tausend Landlosen werden in ihren Camps von breiten Teilen der Bevölkerung unterstützt und die dirigentes (gewählte VertreterInnen die verschiedene ehrenamtliche Aufgaben übernehmen) der vielen Gruppen und Netzwerke schaffen es innerhalb kürzester Zeit einige tausend Menschen auf die Beine zu bringen, um z.B. mit Straßenblockaden gegen zu niedrige Sesam-Preise, geplante Privatisierungsgesetze oder – ganz aktuell – gegen die Kürzung des Sozialhaushalts für das kommende Jahr zu protestieren.

Im Gegensatz zu anderen Distrikten sind sogar Frauen auf den häufigen Versammlungen anwesend, die auch das Wort ergreifen. Aber es wird noch lange dauern, bis der allgegenwärtige Machismo etwas zurück gedrängt ist. In den Organisationen wird zwar inzwischen auch von Frauenrechten gesprochen, aber es sind weiterhin die Frauen, die sie einfordern müssen und denen nach wie vor weniger zugetraut wird als Männern.

Wenn ich irgendwo ankam und die dirigentes anfingen, Termine für mich zu organisieren und ein Programm aufzustellen, kamen darin meist auch nur Männer als Auskunft gebende vor. Oft gab es auch die Situation, dass ich die anwesenden Frauen etwas fragte und der Ehemann antwortete oder die Frau selbst auf ihre Männer verwiesen, die besser wüssten wie viel Land und Tiere sie haben. Dabei ackern die Frauen genauso und kochen, waschen und versorgen nebenbei die Kinder. Viele Familien haben 8, 12 oder mehr Kinder und es wird als selbstverständliches Recht des Ehemannes angesehen, dass ihnen die Frauen immer zur Verfügung stehen. Manche sind ihr ganzes Leben lang schwanger und würden sich nie trauen das in Frage zu stellen.

Umso erfreuter war ich, dass ich in der Provinz Cappiibary von San Pedro mehrere taffe Frauen kennen lernen konnte. Bei einer sehr aktiven, dynamischen und sympathischen dirigenta der OLT (organisación lucha por la tierra – Organisation Kampf um Land) und ihrer Familie konnte ich sogar eine Woche lang wohnen. E. ist 36 Jahre alt, hat vier schon große Söhne und eine sehr spannende aber auch schmerzhafte persönliche Geschichte. Sie ist einer der Menschen die nicht einfach die Hände in der Schoß legen können, wenn es so viel Ungerechtigkeit gibt. Gegen den anfänglichen Widerstand ihres Mannes hat sie als Zwanzigjährige angefangen, auf Treffen zu gehen und sich weiter zu bilden. Heute ist sie kaum zuhause, koordiniert viele Aktivitäten, geht von morgens bis abends auf verschiedene Versammlungen, leitet Workshops und spricht im eigenen Radio der OLT, um die Menschen über ihre Rechte aufzuklären und sie zu sensibilisieren und scheint nicht müde zu werden.
Ihre ganze Familie hat sich dem Kampf für ein gerechteres Land und ein besseres Leben für alle verschrieben und während der letzten Mobilisierung konnte ich die aktiven drei Generationen auf einmal sehen, was mich total beeindruckt hat.

Denn es ist nicht so, dass die Repression der sozialen Bewegungen mit dem Ende der 61jährigen Herrschaft der rechten Colorado-Partei aufgehört hätte. Im Gegenteil hat sie im letzten Jahr zugenommen. Mit zahllosen Anklagen gegen die dirigentes, z.B. wegen Unruhestiftung und Gefährdung des inneren Friedens, versuchen die Behörden, die Bewegungen zu schwächen. Wenn jemand angeklagt ist (imputado) gibt es ein zweijähriges Verfahren, innerhalb dessen die Leute an keinen Versammlungen und Aktionen teilnehmen dürfen, sich einmal im Monat melden müssen und das Land nicht verlassen dürfen. Nach zwei Jahren entscheidet dann ein Gericht und oft wird das Verfahren eingestellt, es gibt aber auch Gefängnisstrafen oder mehrjährigen Hausarrest.

Die Presse tut ihr Übriges, um die Bewegung zu kriminalisieren und gezielt falsche Informationen zu verbreiten, wie mir immer wieder bestätigt wurde. Proteste werden entweder tot geschwiegen oder die Gruppen in Verbindung mit Terrorismus gebracht. Es scheint, als ob den korrupten Seilschaften in Parlament, Behörden, Gerichten und Wirtschaft die Muffe geht angesichts der aktuellen Kraft der sozialen Bewegungen und sie deshalb besonders heftig um sich schlagen.


Dem Soja auf der Spur (Teil 1)
Dem Soja auf der Spur (Teil 2)
Dem Soja auf der Spur (Teil 4)

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