Vorbereitungen: erste Teststrecke

Ich habe mal einen Track aufgezeichnet. Gibt’s noch etwas besseres als google maps um GPX-Daten zu visualisieren? Ich suche etwas mit Höhen und Geschwindigkeitsprofilen. Als Desktop-Tool habe ich Trailrunner ausprobiert, das sieht echt vielversprechend aus, auch wenn es eher auf laufen ausgelegt ist.

Wir sind zu viert gemächlich gefahren, 20km in 153 Minuten, davon gut eine Stunde Mittagspause, also sind es ca. 13 km/h Durchschnittsgeschwindigkeit. Wir gehen von maximal 2x 2 Stunden Fahrtzeit aus, mehr wollen wir den Zwergen nicht zumuten. Von daher habe ich heute relativ konservative Streckenabschnitte von 30-40km aufgeteilt. Ich muss halt den Lance Armstrong in mir etwas zügeln, wir sind ja nicht in Frankreich 😉


Rshnhsn -> Sülzfeld -> U-Feld -> Rshnhsn auf einer größeren Karte anzeigen

Vorbereitungen: Smartphone am Fahrradlenker

Bis zum Start ist es noch ein bisschen, aber wir sind schon voll im Vorbereitungsfieber. Packlisten werden erstellt, Testfahren gefahren, Schwiegermütter beruhigt.
Natürlich ist ein GPS-Tracker für den Fahrradausflug Pflicht. Sonst hätte ich ja gar keine Rechtfertigung für mein neues Hosentascheninternet. Die Frage der Befestigung habe ich recht pragmatisch gelöst – das Telefon kommt in die Lenkertasche. Es gibt zwar spezielle Halterungen für Smartphones, aber ich habe eh keinen Platz am Lenker und das gute Stück will ja auch wetterfest verpackt werden. Die zu meiner Lenkertasche passende Kartenhülle ist wasserdicht und – oh Wunder – erlaubt die Bedienung des Touchscreens durch die Folie hindurch. Man merkt fast keinen Unterschied und muss nicht besonders stark aufdrücken.

Die Lesbarkeit ist bei maximaler Helligkeit völlig ok, lediglich, wenn die Sonne genau auf die Folie scheint, sieht man nichts mehr. Während der Fahrt wird das Telefon sowieso nicht bedient und im Stand kann ich auch den Lenker kurz drehen.

Dem Soja auf der Spur (4)

Soja ist gesund und Sojaprodukte liegen voll im Trend. Die westliche Welt hat einen unstillbaren Bedarf an Soja. Doch wie sieht es am Anfang der Soja-Kette aus? Eine Freundin von mir hat sich auf den Weg nach Südamerika gemacht um über die Situation vor Ort zu berichten.

Dem Soja auf der Spur (Teil 1)
Dem Soja auf der Spur (Teil 2)
Dem Soja auf der Spur (Teil 3)


Komme gerade von einer Woche Urlaub wieder die mich über fünf Landesgrenzen führte und mir ungezählte Kilometer und Stunden in Bussen bescherte. Habe beeindruckende Ruinen von Jesuiten-Missionen erklommen, die größten Wasserfälle der Welt von argentinischer und brasilianischer Seite aus bestaunt und bin schließlich vom Norden Paraguays aus auf einem hölzernen 30 Jahre alten Fracht- und Passagierschiff 300 km den gleichnamigen Fluss hinunter getuckert.

Genau zwei Tage bleiben mir jetzt in Asuncion, wo ich in vollen Zügen die Vorteile der Großstadt genieße, bevor ich mich schon wieder fünf Stunden lang in einen der klapprigen Busse setzen muss, um nach Capiibary in der Provinz San Pedro zu gelangen. Dort werde ich Weihnachten mit E. und ihrer Familie verbringen. Von ihr hatte ich bereits geschrieben; eine sehr engagierte Frau aus einfachen Verhältnissen, die für die Rechte der Landbevölkerung kämpft und unerschöpfliche Energie dafür aufbringt. Mit ihr will ich in diesen Tagen auch noch ein biographisches Interview führen.

Wenn ich dann zurück komme, gibt es noch ein großes Abschiedsessen für das schon fleißig die Werbetrommel gerührt wird, so dass es zu einer mittelgroßen Fete anwachsen wird. Und am 28.12. fliege ich nach Buenos Aires und von dort dann am 30. weiter über den großen Teich, um pünktlich zu Silvester in Köln Kalk zu sein.

Freue mich auf meine Lieben, meine eigenen vier Wände mit gut ausgestatteter Küche und darauf, auf der Strasse nicht permanent wie ein exotisches Tier ganz unverhohlen angestarrt zu werden. Und gleichzeitig die Traurigkeit, Abschied zu nehmen von wunderbaren Menschen die Dinge in Bewegung bringen und sich nicht unterkriegen lassen. Habe ganz viel tolles Feedback bekommen für meine Arbeit hier und das Anliegen, die Bedingungen unter denen Soja produziert wird und die negativen Folgen für das Land in Deutschland anzuprangern.

Mein persönliches Fazit: nie wieder Soja! Für die Bauern bedeutet sie „einen schleichenden Tod“ weil sie über Jahre mit Chemie besprüht werden und Hunger, weil die Erde anstatt für die Produktion von Lebensmitteln für extensive Soja-Monokulturen genutzt wird. Die wird dann exportiert um z.B. in Deutschland Kühe und Schweine zu mästen oder in Form von Soja-Lecithin in sämtlichen Süßigkeiten zu landen die wir auch regelmäßig essen. Und egal ob die Soja nun aus den USA, China oder Südamerika kommt, handelt es sich um gentechnisch veränderte Bohnen die im Laufe ihres Reifeprozesses mit soviel Pestiziden, Insektiziden und Fungiziden besprüht wurden, dass ich nicht glauben kann, dass das keine Folgen für die KonsumentInnen haben soll, wie von Seiten des Agrobusiness behauptet wird. Mal ganz abgesehen von den Umweltkonsequenzen.

Erst gestern habe ich ein spannendes Interview mit einer Nonne geführt, die sich für die Rechte der indigenen Bevölkerung einsetzt. Dabei geht es auch viel um die Verteidigung von ihrem Land, dass sich Sojabauern einfach oft aneignen. „Es ist ein regelrechter Krieg“ beschreibt sie deren Vorgehen, die Urbevölkerung zu vertreiben indem sie gezielt Chemie einsetzen. Und auch hier wieder die Erfahrung, dass die „Grossen“ sich jegliches „Recht“ erkaufen.

Trotzdem gibt sie den Kampf nicht auf, ebenso wie so viele Andere, mit denen ich auf dem Land und in der Stadt sprach. Gerade in der jetzigen politischen Situation ist es wichtig, aktiv zu bleiben. Ich spüre hier ganz viel Bewegung und Aufbruch und die Hoffnung auf einen dauerhaften Wechsel im politischen Kurs des Landes.

Im November durfte ich einem historischem Ereignis beiwohnen: Im Zentrum Asuncions trafen sich zum allerersten Mal die linken „fortschrittlichen Kräfte Paraguays“, um sich über die politischen, sozialen und wirtschaftlichen Lagen des Landes auszutauschen und gemeinsam den Traum von einem besseren, gerechterem Paraguay zu verwirklichen. Über 4.000 Menschen aus dem ganzen Land waren zum frühen Morgen angereist; im Gepäck die Fahnen und Transparente ihrer Organisationen, Forderungen an die Regierung und die obligatorische, riesige Thermoskanne für den kalten Mate-Tee.
Ein tausendstimmiger Chor ruft: „el pueblo unido jamas será vencido“, in die Höher gereckte Fäuste und eine kraftvolle Erregung der Masse, die gespannt auf Fernando Lugos Rede wartet.

Die ist kurz und poetisch. Ein Bekannter von Regine übersetzt für uns seine Worte vom politischen Wechsel der mit seiner Wahl am 20. April 2008 in Paraguay eingeläutet wurde und der 61jährigen Herrschaft der Colorado-Partei ein Ende setzte. Er beschwört die sozialen Kräfte die für diesen historischen Sieg gesorgt haben und wie wichtig die Einheit der Bewegung ist, um den politischen und gesellschaftlichen Wechsel voran zu treiben.
Was für eine Wohltat muss es für den täglich im Kreuzfeuer der rechtskonservativen Opposition und Medien stehenden Politiker sein, sich inmitten von Menschen zu befinden, die mit seiner Regierung die Hoffnung auf ein gerechteres Paraguay verbinden! Auch wenn Lugo in dem einen Jahr seit seinem Amtsantritt noch nicht viel verändert hat – oder konnte – und Viele enttäuscht sind von ihm, sind sich alle Rednerinnen und Redner an diesem Tag darüber einig, dass weiter gekämpft werden muss.

Das bekannte und viel verwendete Zitat vom vereinten Volk das gemeinsam unbesiegbar ist, das auch Lugo wiederholt bevor er abfährt, mag einfach klingen aber genau das ist der Anlass für dieses landesweite Treffen. Denn die Gerüchte über einen möglichen Staatstreich haben derzeit ein Besorgnis erregendes Ausmaß angenommen. Man spricht von der „Attacke der Rechten“, die ihre Macht und ihre Privilegien gefährdet sehen und alles daran setzen, diese zu erhalten. Die sozialen Bewegungen sehen sich seit Lugos Amtsantritt im September letzten Jahres einer besonders heftigen Diffamierungs- und Kriminalisierungswelle gegenüber. Umso wichtiger ist die Demonstration von Geschlossenheit und die Formulierung gemeinsamer Forderungen an diesem Tag. Es geht um die Veränderung des alten Politik-Wirtschafts- und Agrarmodelles, um einen tiefgreifenden sozialen und politischen Wechsel. Die Umsetzung wesentlicher Menschenrechte, soziale Ökonomie, Selbstbestimmung, Umweltschutz und die Bekämpfung der Armut sind Stichworte auf dem Podium.

Das eigentlich Spannende für mich an diesem Tag sind die 4-minütigen Reden von Frauen und Männern aus dem ganzen Land, die als VertreterInnen für ihre Organisationen und Gruppen sprechen. Kleinbauernorganisationen, Interessenvertretungen von Hausangestellten, arbeitenden Kindern und Taubstummen, Gewerkschaften, sozialistische und kommunistische Parteien, Indigene, Landlose und Feministinnen fordern unter lautem Beifall die Bekämpfung der Armut, Bildung und Gesundheitsversorgung für alle, bessere Arbeitsbedingungen, Ernährungssouveränität, eine umfassende Landreform. Sie prangern die Korruption der PolitikerInnen, Gerichte und Polizeigewalten im Land an, die ungerechte Landverteilung, die Ausbeutung der natürlichen Ressourcen durch ausländische Firmen und die Vergiftung der Erde.

Ebenfalls sehr beeindruckend war eine große Demonstration gegen die Kürzungen des Sozialhaushaltes für 2010; auch das, so wird vermutet, ein Winkelzug der Rechten. Der riesige Platz vor dem Senat ist voller Menschen die wiederum aus dem ganzen Land angereist sind, um von den drinnen tagenden Abgeordneten eine Korrektur zu fordern. Jede einzelne Organisation hat Leute mobilisiert und Transportmöglichkeiten organisiert. Trotzdem konnten viele Tausend nicht kommen weil sie nicht die Mittel haben oder die Busse schon voll waren.

Die Presse spricht später von 6.000 Menschen aber wer auf dem Platz war weiß, dass es mindestens 20.000 waren. Darunter viele bekannte Gesichter aus den Provinzen in denen ich unterwegs war. Es gibt Live-Musik, und Samba-Trommeln, Straßentheater, Redebeiträge und Sprechchöre. Jugendliche und Alte, Mütter mit Kindern, Stadt- und Landbewohnerinnen, Indígenas werden von mobilen Imbissständen versorgt und trinken kalten Terere.
Die Polizei ist bis an die Zähne bewaffnet und, inclusive Reiterstaffel, zahlreich vertreten. Gruselig daran zu denken, dass Ende der 90er Jahre bei einer Demonstration an gleicher Stelle über 10 Menschen, vor allem Jugendliche, von Scharfschützen erschossen wurden die auf den umliegenden Dächern platziert waren. Es gab damals hunderte Verletzte.

Eine andere Veranstaltung: das erste Konzert für die Opfer der Militärdiktatur vor der Polizeistation, auf deren Gelände im Juni die Knochen von Verschwundenen gefunden wurden. Liedermacher und Bands aus Paraguay und Argentinien, Menschen die Fotos ihrer Angehörigen hochhalten, von denen bis heute jede Spur fehlt.

Da fällt es schwer die oft wiederholte Litanei von Leuten zu hören die sagen, unter Stroessner sei es sicherer gewesen und es hätte nicht soviel Armut gegeben. Fakt ist, dass es die genauso gab, aber weniger sichtbar, weil man sich mit Scheuklappen durch´s Leben schlängelte. „Bloß nicht einmischen!“ und sich mit der alles umgebenden Aura von Spitzelei und Bedrohung arrangieren. Bis heute sind die Folterer von damals unbehelligt geblieben und die Politiker von damals haben ihr Scherflein nach wie vor im Trockenen.

Aus sechs geplanten Wochen in Paraguay sind zweieinhalb Monate geworden, denn ich wollte ganz eintauchen. Ich habe versucht, soviel wie möglich mitzubekommen, das Alltagsleben die politische Kultur und Gesellschaft kennen zu lernen. Letztendlich ist alles miteinander verknüpft und lässt sich nicht ohne Kontext verstehen. Es gäbe noch soviel mehr zu erzählen.

Z.B. vom Besuch von sechs politischen Gefangenen im Gefängnis Tacumbú mit einer Menschenrechtsdelegation, vom Spaziergang durch eines der Elendsviertel mit einer Sozialarbeiterin die dort lebt und arbeitet. Vom „Lohn“ der dort lebenden Bevölkerung, die oft vom Land hierher migriert ist und sich mit Müllreceycling über Wasser halten. Von comedores populares; Essstuben die in nachbarschaftlichr Initiative gegründet werden, um Kindern und Alten eine warme, gesunde Mahlzeit am Tag zu ermöglichen, und wo Wahlkampfteams die „mechanische Kuh“ mit Sojamilch anbieten. Und natürlich auch vom wohlklingenden Diskurs der Sojaunternehmen, mit denen ich ebenfalls sprach; denen zufolge es gar keinen Landkonflikt gibt und die dem Staat sämtliche Verantwortung für die Misere zuschreiben während sie selbst keine Steuern zahlen und zahlreiche Gesetze zu ihren Gunsten existieren.


Dem Soja auf der Spur (Teil 1)
Dem Soja auf der Spur (Teil 2)
Dem Soja auf der Spur (Teil 3)

Dem Soja auf der Spur (3)

Soja ist gesund und Sojaprodukte liegen voll im Trend. Die westliche Welt hat einen unstillbaren Bedarf an Soja. Doch wie sieht es am Anfang der Soja-Kette aus? Eine Freundin von mir hat sich auf den Weg nach Südamerika gemacht um über die Situation vor Ort zu berichten.

Dem Soja auf der Spur (Teil 1)
Dem Soja auf der Spur (Teil 2)


Ich habe lange nichts von mir hören lassen, was daran lag, das ich viel unterwegs und kaum in Asuncion war. Inzwischen bin ich in zwei verschiedenen departamentos, so was wie Bundesländern, herum gereist, habe sehr viele beeindruckende Menschen getroffen, verschiedene Kleinbauernorganisationen und NGOs kennen gelernt, interessante Gespräche und Interviews geführt, bin auf super vielen Motorrädern herum gefahren worden, habe Camps von Landlosen besucht sowie eine indigene Gemeinde und eine katholische Missionsstation, die grüne Wüste der Sojafelder zur Genüge gesehen, mit einem deutschen Unternehmer einen ganzen Tag lang seine Aktivitäten studiert und häufig bei campesino-Familien übernachtet von denen ich quasi adoptiert wurde.

Zuerst war ich zwei Wochen in Alto Paraná, von wo aus ich das letzte Mal geschrieben hatte. Dort war ich z.B. lange mit Mitgliedern der Kleinbauernorganisation ASAGRAPA unterwegs, bin ich ziemlich viel rumgekommen und hatte oft die Gelegenheit mit den Bauern zu sprechen. Ihre Erfahrungen mit den Sojaunternehmern sind meist ähnlich: es wird ohne Rücksicht auf Verluste Chemie gesprüht was das Zeug hält, schützende Grünstreifen, die eigentlich vorgeschrieben sind, gibt es nicht und oft grenzen die Sojafelder direkt an ihre Grundstücke und die Pestizide verbrennen die Pflanzen auf ihren Äckern, töten die Hühner und Enten die frei herumlaufen und machen die Anwohner krank.

Anzeigen dagegen werden nicht bearbeitet oder versacken in korrupten Büros und die Bauern fühlen sich ohnmächtig der Übermacht der Sojalobby gegenüber. Viele geben auf und verkaufen ihr Land, was zur Folge hat, dass sich die Soja mitten in den Gemeinden ausbreitet und die Situation verschlimmert. Es ist auch ein gezieltes Mittel der Großgrundbesitzer, die Bauern zu entzweien, die längst nicht alle an einem Strang ziehen. Einige verpachten auch ihre Felder oder bauen selbst Soja an, aber im kleinen Maßstab lohnt sich das nicht und sie verschulden sich oft, was ebenfalls zur Folge hat dass das Land den Großen zufällt.

An anderen Stellen versuchen die Landlosen durch Landbesetzungen ihr – theoretisch von der Verfassung garantiertes – Recht auf Land durchzusetzen, um sich zu ernähren. 120.000 Familien haben offiziell kein Land, wobei andere Schätzungen von 300.000 ausgehen.
Solche Landbesetzungen werden meist sehr gewalttätig geräumt; es gab bereits Tote.

Ein besonders krasser Fall hat sich vor kurzem in Itakyry ereignet, wo ein Brasilianer behauptet, der Eigentümer von 2.600 Hektar Land zu sein und auch irgendwelche Papiere vorweisen kann, die er gekauft hat (keine Seltenheit, dass es für ein und das Selbe Stück Land mehrere Besitztitel gibt). Das Land ist aber von der Behörde die für den Schutz der indigenen Bevölkerung zuständig ist, als geschützte Fläche für fünf Indianergemeinden ausgewiesen. Der „neue“ Eigentümer kündigte vor ein paar Wochen die Räumung der Dörfer an, woraufhin die indígenas demonstrierten und sich entschlossen zeigten, ihr Land zu verteidigen. Am angekündigten Tag der Räumung fuhren 20 Autos mit Bewaffneten vor, die vom Brasilianer angeheuert wurden. Die indígenas wehrten sich mit Pfeil und Bogen, die Leute zogen ab und kurze Zeit später flog ein Flugzeug über die fünf Gemeinden und besprühte alles mit Pestiziden. Ein Ort war besonders stark betroffen, die EinwohnerInnen konnten sich nicht mehr in Sicherheit bringen und Mehrere wurden mit starken Vergiftungserscheinungen ins Krankenhaus eingeliefert. Es gab viele Proteste und eine Demonstration in Asunción, Anzeigen und eine staatliche Untersuchung, um die Chemikalien zu bestimmen. Aber wirkliche Sanktionen hat der Brasilianer nicht zu erwarten, bzw. kann er sich sicher sein, sich frei kaufen zu können.

Solche krassen Fälle von Menschenrechtsverletzungen gibt es leider immer wieder und kaum etwas, was die Kleinbauern dagegen unternehmen können. Immer wieder wurde mir erzählt, wie brutal die großen Landbesitzer (in den meisten Fällen Brasilianer) vorgehen, bewaffnete Sicherheitskräfte anheuern die auf alles schießen was ihr Land betritt, die Gemeinden einschüchtern und Menschen bedrohen, die sich wehren. „Für sie sind wir Kakerlaken“ beschrieb jemand die Rücksichtslosigkeit mit der die Soyeros ihr Gebiet erweitern und Widerstand begegnen, um jeden Quadratzentimeter mit Soja bepflanzen zu lassen.

Immer wieder erfahre ich, wie sehr sich die Bauern von der Regierung im Stich gelassen fühlen und gegen eine Übermacht ankämpfen, die alles manipuliert. Manche sind sehr verbittert. „Aber wenn wir aufgeben und unser Land verlassen, was bleibt uns dann noch?“ fragte der Vorsitzende einer Nachbarschaftsvereinigung auf dessen Schwiegervater nachts in seinem Bett fünf Mal geschossen wurde und der es wie durch ein Wunder überlebte. Er zeigte mir die verkümmerten Manjokpflanzen die direkt neben einem Sojafeld wachsen und bei dessen letzten Besprühung vor ein paar Tagen vom Gift verbrannt wurden. „Wir fragen uns, ob wir das überhaupt noch essen können“.

Die stärkehaltige Manjokwurzel ist das Hauptnahrungsmittel der Landbevölkerung. Es gibt sie gekocht morgens, mittags und abends zu jedem Essen dazu wie Brot. Außerdem werden viel Mais, Bohnen, Paprika und Erdnüsse für den Eigenbedarf angebaut. Von einer zwei Hektar großen Ackerfläche kann sich eine vierköpfige Familie ernähren. Wenn sie auch noch ein paar Kühe oder Schweine haben, verfügen sie auch noch über eine kleine Geldanlage, um sich ein Motorrad anzuschaffen oder im Falle einer Krankheit die Behandlungskosten aufbringen zu können. Viele bauen Sesam oder Tartago, eine Pflanze deren Samen zur Herstellung von Bio-Sprit aufgekauft wird, an um ein wenig für Öl, Seife und Kleidung zu verdienen. Die Landbevölkerung ist zwar sehr arm, aber sie (die die Land haben) können sich immerhin selbst ernähren.

Dieses traditionelle Modell der Subsistenzwirtschaft ist durch die Agrarindustrie bedroht. Diese verspricht mit moderner Technik, Monokulturen auf großen Flächen und manipuliertem Saatgut hohe Erträge, entsprechende Gewinne und ganz nebenbei auch noch, den Hunger in der Welt zu bekämpfen. Doch davon profitieren nur Wenige; allen voran die transnationalen Firmen und Großgrundbesitzer. Nebenwirkungen sind: Verdichtung und Auslaugung des Bodens, Errosion, Vergiftung der Gewässer, fortschreitende Abholzung, Arbeit für einige wenige, Verdrängung der Subsistenzwirtschaft, landflucht und wachsende Armut in den Städten, Verschärfung von Landkonflikten.
Während das Agrobusiness mit gezielten Medienkampagnen versucht, das Kleinbauernmodell als rückständig und ertraglos, die campesinos als dumm und faul darzustellen, fordern gerade diese Bauern und Bäuerinnen ihr Recht auf Selbstbestimmung, Land und Ernährungssicherheit (soberanía alimentaria).

Besonders eindrucksvoll ist dieser Kampf im Distrikt San Pedro, von wo ich vor ein paar Tagen zurück gekommen bin. San Pedro ist der größte und ärmste Distrikt Paraguays mit besonders viel Zuwanderung aus anderen Gebieten, wo die Kleinbauern verdrängt werden. 80% der Bevölkerung lebt in ziemlich armen Verhältnissen auf dem Land.

Dort war ich insgesamt zwei Wochen und habe dabei in drei verschiedenen Provinzen etliche gut vernetzte Organisationen und deren Arbeit kennen gelernt. Im Gegensatz zu Alto Parana hat sich die Soja hier noch nicht so extrem ausgebreitet, was auch auf die Sensibilisierung und den Widerstand der lokalen Bevölkerung zurück zu führen ist. Es gibt häufig Anzeigen und Demonstrationen gegen die Besprühungen, die vielen tausend Landlosen werden in ihren Camps von breiten Teilen der Bevölkerung unterstützt und die dirigentes (gewählte VertreterInnen die verschiedene ehrenamtliche Aufgaben übernehmen) der vielen Gruppen und Netzwerke schaffen es innerhalb kürzester Zeit einige tausend Menschen auf die Beine zu bringen, um z.B. mit Straßenblockaden gegen zu niedrige Sesam-Preise, geplante Privatisierungsgesetze oder – ganz aktuell – gegen die Kürzung des Sozialhaushalts für das kommende Jahr zu protestieren.

Im Gegensatz zu anderen Distrikten sind sogar Frauen auf den häufigen Versammlungen anwesend, die auch das Wort ergreifen. Aber es wird noch lange dauern, bis der allgegenwärtige Machismo etwas zurück gedrängt ist. In den Organisationen wird zwar inzwischen auch von Frauenrechten gesprochen, aber es sind weiterhin die Frauen, die sie einfordern müssen und denen nach wie vor weniger zugetraut wird als Männern.

Wenn ich irgendwo ankam und die dirigentes anfingen, Termine für mich zu organisieren und ein Programm aufzustellen, kamen darin meist auch nur Männer als Auskunft gebende vor. Oft gab es auch die Situation, dass ich die anwesenden Frauen etwas fragte und der Ehemann antwortete oder die Frau selbst auf ihre Männer verwiesen, die besser wüssten wie viel Land und Tiere sie haben. Dabei ackern die Frauen genauso und kochen, waschen und versorgen nebenbei die Kinder. Viele Familien haben 8, 12 oder mehr Kinder und es wird als selbstverständliches Recht des Ehemannes angesehen, dass ihnen die Frauen immer zur Verfügung stehen. Manche sind ihr ganzes Leben lang schwanger und würden sich nie trauen das in Frage zu stellen.

Umso erfreuter war ich, dass ich in der Provinz Cappiibary von San Pedro mehrere taffe Frauen kennen lernen konnte. Bei einer sehr aktiven, dynamischen und sympathischen dirigenta der OLT (organisación lucha por la tierra – Organisation Kampf um Land) und ihrer Familie konnte ich sogar eine Woche lang wohnen. E. ist 36 Jahre alt, hat vier schon große Söhne und eine sehr spannende aber auch schmerzhafte persönliche Geschichte. Sie ist einer der Menschen die nicht einfach die Hände in der Schoß legen können, wenn es so viel Ungerechtigkeit gibt. Gegen den anfänglichen Widerstand ihres Mannes hat sie als Zwanzigjährige angefangen, auf Treffen zu gehen und sich weiter zu bilden. Heute ist sie kaum zuhause, koordiniert viele Aktivitäten, geht von morgens bis abends auf verschiedene Versammlungen, leitet Workshops und spricht im eigenen Radio der OLT, um die Menschen über ihre Rechte aufzuklären und sie zu sensibilisieren und scheint nicht müde zu werden.
Ihre ganze Familie hat sich dem Kampf für ein gerechteres Land und ein besseres Leben für alle verschrieben und während der letzten Mobilisierung konnte ich die aktiven drei Generationen auf einmal sehen, was mich total beeindruckt hat.

Denn es ist nicht so, dass die Repression der sozialen Bewegungen mit dem Ende der 61jährigen Herrschaft der rechten Colorado-Partei aufgehört hätte. Im Gegenteil hat sie im letzten Jahr zugenommen. Mit zahllosen Anklagen gegen die dirigentes, z.B. wegen Unruhestiftung und Gefährdung des inneren Friedens, versuchen die Behörden, die Bewegungen zu schwächen. Wenn jemand angeklagt ist (imputado) gibt es ein zweijähriges Verfahren, innerhalb dessen die Leute an keinen Versammlungen und Aktionen teilnehmen dürfen, sich einmal im Monat melden müssen und das Land nicht verlassen dürfen. Nach zwei Jahren entscheidet dann ein Gericht und oft wird das Verfahren eingestellt, es gibt aber auch Gefängnisstrafen oder mehrjährigen Hausarrest.

Die Presse tut ihr Übriges, um die Bewegung zu kriminalisieren und gezielt falsche Informationen zu verbreiten, wie mir immer wieder bestätigt wurde. Proteste werden entweder tot geschwiegen oder die Gruppen in Verbindung mit Terrorismus gebracht. Es scheint, als ob den korrupten Seilschaften in Parlament, Behörden, Gerichten und Wirtschaft die Muffe geht angesichts der aktuellen Kraft der sozialen Bewegungen und sie deshalb besonders heftig um sich schlagen.


Dem Soja auf der Spur (Teil 1)
Dem Soja auf der Spur (Teil 2)
Dem Soja auf der Spur (Teil 4)

Dem Soja auf der Spur (2)

Soja ist gesund und Sojaprodukte liegen voll im Trend. Die westliche Welt hat einen unstillbaren Bedarf an Soja. Doch wie sieht es am Anfang der Soja-Kette aus? Eine Freundin von mir hat sich auf den Weg nach Südamerika gemacht um über die Situation vor Ort zu berichten.

Dem Soja auf der Spur (Teil 1)


Vor einer guten Woche bin ich mit dem Bus in der Hauptstadt Asuncion angekommen und seitdem bereits eifrig am Arbeiten im Osten des Landes an der Grenze zu Brasilien. R., eine Deutsche die seit 10 Jahren in Asuncion lebt und ebenfalls viel zum Thema Soja gearbeitet hat und mir super viele Kontakte vermittelt, hatte mir dort ein Hotel im Zentrum reserviert, zu dem ich dank Taxi auch völlig problemlos fand.

Mein erster Eindruck von Land und Leuten war ein sehr entspannter. Es gibt – von den Nachbarn einmal abgesehen – kaum Reisende hier (übrigens auch keinen Reiseführer) und vielleicht hat sich auch deshalb kein Markt rundherum entwickelt, von dem viele versuchen zu leben. Niemand sprach mich im Busbahnhof an, keine Taxifahrer stürmten auf mich ein und auf dem Kunstmarkt im Zentrum konnte ich völlig ungezwungen bummeln.

Das Hotel empfing mich mit drei Sternen, was gemäß meiner Schlafsaal-Genügsamkeit eigentlich drei zuviel sind. Aber Mensch muss sich auch mal was gönnen, zumal 20 Euro pro Nacht inklusive Frühstück – eigentlich – nicht wirklich viel ist, und die Dusche und Ruhe anschließend habe ich sehr genossen. Abends bin ich dann zu R. Wohnung gestiefelt und konnte mir einen ersten Eindruck vom historischen Zentrum machen: schöne alte Kolonialbauten, und Wohnhäuser, Hochhäuser, ein paar Parkanlagen und auch viel Grün in den Straßen, Geschäfte mit Top-Marken, viele deutsch klingende Namen auf Werbetafeln und ein fast völlig ausgestorbener Ort am Wochenende.

Mit meiner „Kontaktfrau“ habe ich mich gleich gut verstanden und festgequatscht. Zur Feier meiner Ankunft ging es in ein Lokal mit regionalen Spezialitäten an einem der zentralen Plätze und zu dieser späten Stunden waren nun viel Paare und Familien unterwegs, die ebenfalls ausgingen. Wir landeten am Tisch eines paraguayischen Fußballmanagers der aus einer traditionellen, reichen Familie stammt und somit die kleine aber reiche und sehr einflussreiche Oberschicht des Landes repräsentiert. Er habe nichts mit Politik zu tun, sondern sei Unternehmer, sagte er, doch ein Blick in die Geschichte zeigt, dass eben diese Oberschicht seit Jahrzehnten – sowohl während der Militärdiktatur Stroessners die 1989 zu ende ging, als auch in der bis vor einem Jahr andauernden Herrschaft der konservativen Colorado-Partei – fest im Macht- und Korruptionsfilz des Landes verankert ist und gar nicht unpolitisch sein kann wenn nach wie vor Posten und Geschäfte zugeschachert werden und Einfluss auf alle wesentlichen Prozesse und Entscheidungen in Paraguay genommen wird. Zumal der sympathische Mann auch hin und wieder erwähnte mit welchen politischen Größen seine Familie zu tun hatte und mit wem er alles so ganz nebenbei Umgang pflegt. Sehr interessant war auch, dass er se lbst Land besitzt auf dem Soja und Mais angebaut werden; unter anderem im Grenzgebiet zu Brasilien (da bin ich übrigens gerade) wo eine Mafia den Schmuggel kontrolliert und die Korruption besonders blüht. R. schlackerte jedenfalls nur mit den Ohren, da sie die ganzen Zusammenhänge sehr gut kennt. Wir sind sehr gespannt, ob er sein Versprechen hält, uns Karten zum nächsten Lokal-Derby zukommen zu lassen. Auf VIP lege ich dabei gar keinen Wert aber solche Leute kleckern nicht sondern klotzen. Die Fischsuppe dabei war übrigens ausgezeichnet! Dazu gab’s gekochte Yam-Wurzel, regionales Bier und zum Nachtisch Papaya-Kompott (die Frucht wird grün mit sehr viel Zucker gekocht und nennt sich dulce de mamon).

Am Montag fand mein Umzug zu R. statt und Dienstag hatte ich dann gleich die ersten Treffen bzw. Interwievs mit Experten zum Thema Soja. Eine Anwältin berichtete vom jahrelangen Kampf darum Gesetze auszuarbeiten und durchzubringen die den Kleinbauern und Landlosen Land sichern und den massiven Einsatz der überaus gesundheitsschädlichen Ackergifte eindämmen oder überhaupt erst einmal offizielle Untersuchungen von deren Auswirkungen auf die nebenan lebenden Menschen festlegen sollen. Aber sie werden immer wieder gekippt weil die Landwirtschaftslobby, die Unternehmer, Pharmakonzerne und Großgrundbesitzer ihren Einfluss geltend machen.

Zwar regiert seit über einem Jahr Lugo, ein Demokrat und ehemaliger Bischof der von den Kleinbauern und Armen gewählt wurde weil er Landreformen und Umverteilung versprach, aber er hat nur einen Senator auf seiner Seite, Justiz und sämtliche Ministerien sind mit den alten Seilschaften besetzt die gegen ihn arbeiten, unterstützt von der Presse. Dazu kommt, dass er kein Politiker ist, wenig Durchsetzungsvermögen hat, unentschlossen ist und keine klare Position bezieht. Diejenigen die ihn gewählt haben sind enttäuscht und die sozialen Bewegungen erleben derzeit sogar eine besonders starke Repression und werden kriminalisiert.

Darüber sprach ich mit einem Soziologen der versuchte, mir die nationalen Strukturen der einzelnen Organisationen und linken Parteien zu erklären. Wichtig ist dabei, dass nicht an einem Strang gezogen wird sondern viele verschiedene Meinungen existieren und diskutiert werden. Ich lerne gerade einige davon kennen und erfahre ganz praktisch was im Land vor sich geht. Denn noch am selben Abend fuhr ich mit Tomas Zayas, einem sehr bekannten Aktivisten der Kleinbauern der seit Jahren mit Morddrohungen lebt, in die Provinz Alto Parana und übernachtete in seinem Haus. Ein besonnener, intelligenter und freundlicher Mann der für die Kleinen kämpft und das Lachen trotz der vielen Hindernisse und Fallen die ihm gestellt werden nicht verlernt hat.

Am nächsten Morgen wurde ich von einem Genossen der Organisation ASAGRAPA abgeholt, der mich mitnahm zu einer Gemeinde von Kleinbauern inmitten tausender Hektar Soja-, Getreide- und Mais-Monokulturen. Dafür wurden seit den 70er Jahren riesige Flächen Urwald abgeholzt und große Flächen für die mechanische Bearbeitung geschaffen. Besonders problematisch ist der Anbau von Soja. Das Saatgut ist überwiegend gentechnisch manipuliert und wird fortwährend mit Pestiziden besprüht die alles lebendige abtöten. Die intensive Landwirtschaft, auf den – noch – fruchtbaren Böden werden dreimal im Jahr Monokulturen ausgesät und geerntet, bedroht die Biodiversität, vergiftet Böden und Flüsse und macht die Menschen die daneben leben krank, lässt ihr Vieh sterben und ihre Feldfrüchte verkümmern. Kinder werden mit Missbildungen geboren und immer wieder sterben Menschen an einer Überdosis der Chemikalien die in nächster Nähe versprüht werden; erst kürzlich 12 Indigenas. Organisationen wie ASAGRAPA machen solche Fälle öffentlich und schlagen Alarm. Manchmal kommt sogar ein hoher Politiker angereist, um vor laufenden Fernsehkameras festzustellen, dass die Leute an Unterernährung gestorben seien.

Die Besprühungen sind für die Sojabauern aber auch ein willkommenes Druckmittel die Kleinbauern zu vertreiben; viele geben auf und verkaufen ihr Land oder sie haben den Verspechungen der Saatgutfirmen geglaubt und selbst Soja angebaut, verschulden sich jedoch weil weniger geerntet wird als geglaubt und werden auf diese Weise ihr Land los. Jeder Zentimeter nutzbarer Fläche wird mit Soja bebaut und schützende Grüngürtel zu den benachbarten Gemeinden mögen zwar vorgeschrieben sein, bleiben aber reine Theorie.

Gestern und heute bin ich mit Mitgliedern von ASAGRAPA über Land gefahren und habe comunidades (Gemeinden) besucht, mit Männern und Frauen gesprochen, mir ihre Äcker inmitten der grünen Wüste zeigen lassen (ich weiß jetzt wie Manjokstauden aussehen, Erdnuss- und Melonenpflanzen, dass Patchouli eine stark duftende Pflanze ist und wie Seife gemacht wird), von den Kindern versucht, ein paar Worte Guarani zu lernen und vor den Holzhütten Mererete, kalten Mate, zusammen getrunken.

Das alles fernab der asphaltierten Landstraßen, inmitten von paradisisch anmutenden Gehöften die über Fahrwege aus roter Erde zu erreichen sind, die sich bei Regen in Schlammlawinen verwandeln, vorbei an unendlichen Monokulturen gerade sprießender Soja. Ein Blick über Land zeigt rundum Felder, nur ab und zu unterbrochen von grünen Wäldchen in den Senken die zu tief für die maschinelle Bearbeitung liegen und nicht gerodet wurden oder wo sich Gemeinden von Kleinbauern hartnäckig versuchen zu behaupten. Diese Orte muten teilweise wie kleine Oasen an; mit üppigen Gärten, Obstbäumen, frei laufenden Schweinen, Hühnern, Enten.

In einer comunidad werden Fische gezogen und ein Bachlauf plätscherte munter vor sich hin. Dort lebt ein Junge der eines Tages aufstand, sich das Gesicht wusch und blind wurde; der Regen wäscht zusätzlich die Chemikalien aus dem Boden. Auch die idyllische Beschaffenheit trügt. Die Situation in den Gemeinden ist extrem. Die Menschen haben wenig und leben unter schlechten Bedingungen. Gesundheitsversorgung und Schulen funktionieren rudimentär. Die meisten Familien leben von Subsistenzwirtschaft aber es gibt auch tausende Landlose. Immer wieder gibt es Landbesetzungen und die öffentliche Forderung nach Land, unterstützt z.B. von ASAGRAPA. Leider auch allzu oft die Erfahrung mit Gewalt von Polizei und Militär vertrieben zu werden, dabei gibt es Verletzte, Tote und überzogene Haftstrafen.

Von weitem sieht die Landschaft in Alto Parana aus wie eine typische landwirtschaftliche Gegend irgendwo in Mitteldeutschland – mit großen Ackerflächen die sich über sanfte Hügel erstrecken und grünen Flecken mittendrin. Wenn ich mir dann vorstelle, dass diese Flächen noch vor 30 Jahren komplett mit Urwald bedeckt waren, muss ich schlucken. Dass sich das Microklima dadurch verändert ist ein logischer Schluss, mal ganz abgesehen vom globalen Klima.

Das Geschäft mit Soja lohnt sich! Paraguay ist viertgrößter Sojaproduzent. Große transnationale Firmen exportieren in die ganze Welt, z.B. nach Europa wo das ökologische Gewissen mit Ökosprit beruhigt werden soll (Soja ist eine sogenannte Energiepflanze) und Milliarden Viecher mit gentechnisch veränderter Soja gefüttert werden. Von Brasilien schwappte die Sojawelle nach Paraguay und den Norden Argentiniens und sie frißt sich immer weiter ins Land. Gewinner sind einige Großgrundbesitzer, viele ausländische Sojabauern und die international agierenden Saatgut- und Agrochemiefirmen. Monsanto, Bayer, Cargill und Co lassen grüßen. Beim Fahren über Land wechseln sich ihre Niederlassungen und Silos ab, in denen tausende Tonnen Soja gesammelt werden und auf den Export warten – übrigens steuerfrei!

Ich bin natürlich sehr gespannt auf den Besuch eines Sojaunternehmens. Die Aktivisten bei denen ich seit Mittwoch bin (und jetzt zu nächtlicher Stunde gerade im „Vereinshaus“ in dem es Versammlungsräume, Schlafsäle, eine Bibliothek, Büro, Großküche und einen Laden für das ökologisch produzierte Obst, Gemüse und Fleisch der Mitglieder von ASAGRAPA gibt), sind sehr bemüht, mir viel zu zeigen, mir die „besten“ Interviewpartner vorzustellen und ihre Kontakte in der ganzen Provinz spielen zu lassen (denn sie sind über in ganz Alto Parana verteilt und in kleinen Untergruppen organisiert).

Und beim nächsten Mal kann ich Euch von der anderen Seite des Konfliktes berichten.


Dem Soja auf der Spur (Teil 1)
Dem Soja auf der Spur (Teil 3)

Dem Soja auf der Spur (1)

Soja ist gesund und Sojaprodukte liegen voll im Trend. Die westliche Welt hat einen unstillbaren Bedarf an Soja. Doch wie sieht es am Anfang der Soja-Kette aus? Eine Freundin von mir hat sich auf den Weg nach Südamerika gemacht um über die Situation vor Ort zu berichten.

Bevor also hier der 26C3-Wahnsinn losbricht, poste ich wie schon beim letzten Mal hier ihre Reiseberichte, die ich immer wieder am Bildschirm von Fernweh geplagt verschlinge.


Die Anreise war zwar lang aber das Ankommen in Argentinien ziemlich entspannt. Nachdem ich lange Schlange stehen musste an der migracion, habe ich Geld getauscht und dann meinen schweren Rucksack geschultert, um mir den Linienbus zu suchen, der ins Zentrum fährt. Nicht nur weil ich sparsam veranlagt bin sondern auch weil ich mich Buenos Aires langsam nähern wollte.

Zwei Stunden kurvte der Bus also durch Vororte immer links und rechts der Schnellstrasse. Die kleinen Häuschen mit Garten, hässlichen Betonkirchen und Viehweiden wurden nach und nach von größeren Wohngebiete, Werkstätten und Shoppingcentern abgelöst die an kompliziert miteinander verschlungenen Zu- und Auffahrten liegen die Massen an Autos, Bussen und LKWs fassen. In halsbrecherischem Tempo fuhren wir dann durch moderne Einkaufsstraßen, um uns langsam aber sicher dem Zentrum mit der älteren Bausubstanz zu nähern. Links und rechts der baumbestandenen Einbahnstraße die der Fahrer schließlich entlang raste, um alle paar hundert Meter abrupt an einer Haltestelle zu bremsen wo jemand das Handzeichen zum Zusteigen gab, ragten hohe Wohn-und Geschäftshäuser auf, die mich sehr an Paris oder auch Madrid erinnerten. Überhaupt wirkt Buenos Aires ziemlich europäisch, gerade im Zentrum mit seinen vielen Banken, Büros und tagsüber den tausenden Angestellten in Kostüm und Schlips.

„Wer bremst verliert“ galt dann auch als es immer enger wurde zwischen den repräsentativen Gebäuden mit ihrer Abgas-Patina und den schmalen Streifen Gehweg links und rechts auf dem man sich lieber ziemlich nah an der Wand bewegen sollte wenn die uralten, bunten Linienbusse durch die Straßen donnern. Irgendwann kamen wir an der Plaza de Mayo vorbei, dem zentralen Platz an dem Demonstrationen stattfinden und zahllose Politiker vom Balkon der casa rosada schon zum Volk gesprochen haben.

Ich wusste aus dem Reiseführer, dass ich nach dem rechts Abbiegen bald aussteigen musste und fand mich wenige Schritte von der sechsspurigen (mindestens) Allee plötzlich in einem Viertel mit bunten Kolonialhäusern, Kopfsteinpfalster, Cafes und Antiqiutätenläden wieder: San Telmo. Am zentralen Platz verkaufen täglich viele Leute ihren selbstgemachten Schmuck im Schatten der Bäume. Eine Tangoshow findet für die Touristen in den Cafes auf dem Platz statt und die Restaurants ringsum buhlen um Gäste zum Abendessen. Ich hatte mir kein bestimmtes Hostal rausgesucht weil ich mir sicher war eines auch so zu finden und fragte einen der Schmuckverkäufer, der mir dann auch gleich weiter helfen konnte. Im „Nomade“ bezog ich ein Doppelstockbett im 6er-Zimmer mit Küche, Aufenthaltsraum und süßem
argentinischen Frühstück inclusive für ca. 6 Euro die Nacht. Dort habe ich ein deutsches Pärchen getroffen die gerade mit dem Fahrrad durch die Welt tingeln und noch lange nicht planen, zurückzukehren.
Weihnachten wollen sie in Patagonien sein, was ich anfangs auch reizvoll fand, mittlerweile aber entschieden habe, mir die tausenden Kilometer zu sparen und im Norden Argentiniens oder in Uruguay zu bleiben. Weihnachten unter Palmen oder auf einer Farm schwebt mir vor…

Jedenfalls war Buenos Aires ziemlich nett und gegensätzlich. An einem Tag bin ich erst durch die Skyline des neuen Nobelviertels am ehemaligen Hafen gebummelt, dann durchs stressige Zentrum gehetzt und schließlich durch ruhige Mittelstandsviertel zum antiken Friedhof „Recoleta“ gebummelt. Habe hier einen Kaffee getrunken, dort bei einem netten Schuster meine Schuhe nähen lassen und mir dann prunkvolle Mausoleen aus vergangenen Zeiten angesehen. Mit der wunderbar schraddeligen U-Bahn, vorbei an bunt gefliesten Haltestellen, bin ich schließlich in den Süden in das Arbeiterviertel La Boca gefahren.

Der Reiseführer warnte davor, sich zu sehr abseits zu bewegen. Und ich kam natürlich pünktlich zur Dämmerung dort an, fuehlte mich aber sicher zwischen vielen, vor allem jungen Leuten, die alle zum riesigen Fussballstadion stömten. Es gab aber kein Spiel der lokalen Mannschaftla Boca sondern ein Konzert eines berühmten Sängers. Ich habe kurz überlegt, ob ich mich mit anstellen soll, bin dann aber weiter durch die Straßen gelaufen auf der Suche nach dem touristischem Zentrum dort. Das habe ich nicht gefunden, stattdessen „echte“ bunt bemalte Holzhäuser und Wellblechhütten für die la Boca einst berühmt war und die an einer Stelle eben nachempfunden und aufgepeppt wurden. In den „echten“ Häusern leben großen Familien unter ziemlich schlechten Bedingungen und ohne sich viel leisten zu können. Die Läden waren alle verstaubt und schraddelig und das Sortiment klein; kein Vergleich mit den Super-Shoppingcentern im Zentrum. Ein Blick in die Hinterhöfe zeigte verschachtelte, provisorisch wirkende Verschläge und Anbauten. Das Leben findet auf der Straße statt. Die Kids spielen zwischen den vielen streunenden Hunden, Jugendliche lungern herum, Frauen machen Besorgungen und ich mitten drin, hier Empanadas (gefüllte Teigtaschen) kaufend, dort ein Geschäft betretend.

Dass ich nicht von dort war schien man mir aber wohl sofort anzusehen, nicht weil ich die einzige Weiße gewesen wäre, denn die meisten Leute könnten auch in Europa leben. An einer Ecke an der ich gerade abbiegen wollte meinte ein junger Mann, der vorbei kam, nur: „dalang nicht!“ Und daran hielt ich mich auch schleunigst und blieb an der stark befahrenen Hauptstrasse mit vielen Fußgängern. Irgendwann stellte ich mich an einer Bushaltestelle an weil mir auch schon die Füße wehtaten vom vielen Laufen und einer der urigen Busse spuckte mich freundlicherweise direkt um die Ecke von meinem Hostal aus.

Da ich endlich mal eine echte argentinische Mate-Zeremonie (mit dem Metallstrohhalm aus der Kalebasse) erleben wollte, folgte ich der Einladung und besuchte den Schmuckverkäufer auf der zentralen Plaza, wo ich freudig begrüßt wurde. Ein anregendes Gespräch, heißen Mate zum Aufwärmen (denn die Temperaturen waren bisher eher herbstlich wie bei uns gewesen) und weiter ging’s später noch zu einem kleinen Theater um die Ecke, wo ich glücklicherweise noch einen kostenlosen Platz ergattern konnte. Gezeigt wurde ein starkes Stück über eine Realität aus der noch gar nicht so lange überwundenen Militärdiktatur: ein junger Mann entdeckt, dass er kein Findelkind war, wie ihm immer erzählt wurde, sondern das geraubte und zur Adoption frei gegebene Kind von Verfolgten der Diktatur die nie wieder auftauchten.

An meinem vorerst letzten Tag in Buenos Aires genoss ich die Sonne auf der Plaza – mit Mate und freundlichen Bekannten, die ich hoffe wieder zu sehen – stromerte noch ein wenig durch San Telmo und traf im Zentrum auf der Plaza de Mayo zufällig auf eine Kundgebung zum internationalen Tag der Ernährungssouveränität. Vertreterinnen und Vertreter von Kleinbauernorganisationen, Indigenen und politischen Gruppen aus dem ganzen Land forderten ihr Recht auf Nahrung und die Möglichkeit sie selbst zu produzieren und in Würde zu leben ein. Das Thema Soja, das mich ja überhaupt erst nach Paraguay verschlagen hat, sprang mich auch dort an. Ich traf auf Vertreter einer Organisation im Norden Argentiniens die ein Transparent gegen genmanipulierte Soja und die eingesetzten Ackergifte hielten. Der Kontakt ist gemacht und ich habe große Lust, dort meine Recherchen auszudehnen, denn der problematische Sojaanbau betrifft leider nicht nur Paraguay…

Wenig später bestieg ich den Doppelstockbus der mich über Nacht ins Nachbarland Paraguay bringen sollte; mit Liegesitz, einem schnarchenden Nachbarn, Rundum-Service durch einen freundlich-rundlichen Stewart der ein selbstgebautes Wägelchen mit schrecklichem Essen in Aluminiumschalen und alkoholischen Getränken durch den schwankenden Gang bugsierte und zum Schreien komischen Neunziger-Jahre-Musikvideos. Wusstet Ihr dass Roxette einen ihrer Hits auch in schlechtem Spanisch sangen?

Weiter geht’s im Herzen Südamerikas: in Paraguy!


Dem Soja auf der Spur (Teil 2)

Post aus Ghana (2)

Noch mehr Urlaubspost aus Ghana:

Date: Mon, 23 Feb 2009 23:48:06 +0100
Subject: Halbzeit in Ghana

Akwaaba die Zweite Ihr Lieben!

Es wird Zeit für einen weiteren Bericht aus Ghana, zumal schon Halbzeit eingeläutet ist; die Tage und Wochen vergehen viel zu schnell. Ich freue
mich auf Vieles wenn ich wieder zurück bin, werde aber auch eindeutig
dieses Land und seine Menschen vermissen für die mein Herz bereits
fröhlich schlägt.

Ich sitze gerade auf der Veranda im Hotel und höre nebenbei die
ausgiebigen Schluchzer der Protagonisten einer afrikanischen Seifenoper
die die Angestellten des Hotels gerade ansehen. Diese gibt es eigentlich
rund um die Uhr und immer sind sie voller Dramatik und Tränen — wenn
nicht gerade Fussball läuft.

Apropros: ich möchte nach wie vor zu einem Fussballspiel ins Stadion
gehen mit dem ganzen Team. Am Sonnabend waren wir alle gemeinsam aus.
Erst etwas trinken. Dann noch etwas trinken und schließlich war es für
Lumo und Kobi, zwei der Tänzer im Projekt, zu spät nach Hause zu fahren,
weil um diese Zeit zu gefährlich. Also mussten wir Verbliebenen bis vier
Uhr in der Frühe wach bleiben und durch-Tanzen; bis es wieder sicher war.

Dafür hing ich am gestrigen Sonntag dann in den Seilen und bin Abends um
neun schon im Bett gewesen. Tagsüber war ich in Teshie, einem riesigen
Stadtteil Accras der am Atlantik gelegen ist. Mit dem Trotro, dem zum
Kleinbus umfunktionierten Transporter, brauche ich ca. eine halbe Stunde
hin. Dort habe ich Emmanuel, einen Rasta-Freund getroffen, der in Nähe
des Strandes wohnt und sich der Pflege meiner Zöpfe angenommen hat.
Später waren wir dann noch zwischen Accra und Tema, der Industrie- und
Hafenstadt die in den 60er Jahren aufgebaut wurde, an einem schön
gelegenen Strand, an dem viele Familien und junge Menschen den Sonntag
verbrachten.

Vor einer Woche habe ich mich Richtung Westküste aufgemacht. Von Accra
aus bin ich zuerst nach Winneba, einem kleinen Fischerstädtchen
gefahren. Es ist einer der Orte mit kolonialer Vergangenheit; zu sehen
an den älteren Gebäuden aus den 20er bis 40er Jahren, deren Fassaden vom
Ruß der Zeit verwittert sind. Darin wohnen meist mehrere Familien.
Dazwischen bunte Lehm- und Betonhäuser, Holzhütten, zu Verkaufsräumen
umfunktionierte Container und jede Menge Straßenhandel. Viele Leute
haben einen kleinen Laden vor ihrem Haus aufgebaut, in dem sie
geräucherten Fisch, frisches Obst, Snacks, Telefonkarten, Kunstgewerbe
oder ein Lebensmittelgrundsortiment anbieten. Alle paar Meter erschallt
eine andere laute Musik; zusammen mit dem Hupen und Röhren der vielen
Motoren sowie der Rufe der StraßenverkäuferInnen und spielenden Kinder
eine intensive Geräuschkulisse.

Meine Unterkunft lag etwas abseits des Zentrums, hinter einer kleinen
Universität, in einem freundlichen Guesthouse mit Weitblick über eine
entfernt liegende Lagune und dem 10 Minuten entfernten Strand.

Dort habe ich schreibend und lesend Stunden verbracht oder einfach den
niederstürzenden Wellen gelauscht. Lange allein bin ich nie. Es gibt
immer Vorbeigehende die grüßen oder ins Gespräch kommen wollen und
Kinder die auf den Aluminiumtabletts auf ihren Köpfen Süßigkeiten
anbieten, die sie dann auch sehr gerne gleich mit mir teilen und sich
gemütlich bei mir niederlassen.

Anschließend bin ich weiter nach Cape Coast gefahren, 130 km von Accra
entfernt, ebenfalls am Meer und mit 90.000 EinwohnerInnen bedeutend
größer als Winneba. Cape Coast ist die Bildungshauptstadt. Seit der
Kolonialzeit wurden zahlreiche private und staatliche Schulen und
Universitäten gegründet, die heute jede Menge junger Leute ausbilden.
Jede Schule hat ihre eigene Uniform. Dabenen ist Cape Coast noch für
seine große Sklavenburg berühmt; es war einer der größten
Sklavenumschlagplätze der Welt. Auf der Führung kommt man in tief
gelegene Kerker in denen die hergetriebenen Sklaven aus dem Inland
monatelang eingepfercht waren bevor sie in die neue Welt verschifft
wurden. Durch die „door of no return“ ging es nur ein Mal. Dahinter
liegt heute ein belebter Fischerhafen. Neben der Führung über Plätze und
Treppen, durch ehemalige Gouverneursquartiere und an Souvenierläden
vorbei, ist die Ausstellung über den Sklavenhandel und das Schicksal
aber auch den Widerstand der Verschleppten in der neuen Welt (die
Meisten auf den Karibikinseln und in Brasilien) sehr gut gemacht.

Von Cape Coast habe ich einen Ausflug in den 30km entfernt liegenden
Kakum-Nationalpark gemacht; einem 360 km² großen geschützten Areal in
dem es viele bedrohte Arten, wie z.B. Waldelefanten und zahlreiche
kleine Säugetiere, gibt. Das Spektakuläre für Tagesbesucher ist aber
eher ein Hängebrückenweg von Baumkrone zu Baumkrone, von dem aus man
einen schönen Blick in die Ferne hat. Der Canopy-Walkway ist ca. 350 m
lang und bis zu 40 m über der Erde gelegen. Um jeden der Riesenbäume die
man passiert, ist eine Holzplatform angebracht von der aus das nächste
Stück begehbar ist. Ich hänge Euch ein Foto mit an, dass ich mit dem
Handy gemacht habe. Richtige Papier-Fotos gibt es dann wenn ich wieder
zuhause bin!

canopy walkway kakum national park

In Cape Coast bin ich drei Tage lang geblieben, denn ich habe ein paar
nette Leute kennen gelernt, mit denen ich die Abende verbracht habe.
Ben, Charles und Gabriel habe ich kennen gelernt, als ich von meinem
Hostel aus zum Strand unterwegs war, der leider Müllkippe und
öffentliches Klo zugleich ist. Dazwischen stöbern Schweine und Ziegen
herum. Wir kamen ins Gespräch und nach und nach lernte ich die Familie
kennen, mit der sie in einem Haus am Meer zusammen wohnen. Sie war
genauso aufgeregt wie die Jungs selbst, die ich abends auf ein Bier in
einer Kneipe einlud, wo wir auch das Tanzbein schwungen.

Am letzten Tag begleitete mich Ben nach Elmina, der ältesten Stadt
Ghanas, ebenfalls an der Küste gelegen, nur 13km von Cape Coast
entfernt, mit weiteren Sklavenburgen und einem riiiiiiiesigen
Fischerhafen. Der Ort ist malerisch an einer Lagune gelegen und die
Panoramaaussicht von dem auf einem Hügel gelegenen Castle aus war
spektakulär. Auch dort habe ich mich in Handy-Fotografie versucht, die
ihr im Anhang bewundern könnt.

Elima

Im Hafen selbst rege Betriebsamkeit. Hier haben die Frauen das Sagen,
konkurrieren um das frische Fanggut der vom Meer zurück gekehrten
Holzboote und thronen über riesigen Aluminiumschüsseln aus denen sie
alle möglichen Arten von Fisch verkaufen.

In der langgezogenen Bucht kehren wir am Strand auf ein kühles Malzbier
(aus der Guiness-Brauerei in Kumasi) in eine Bretter-Bar auf Holzstelzen
ein. Nebenan drängen sich Kinder an einem Gebäude, um durch die Ritzen
der Holzlatten einen Blick auf den Film zu erhaschen der im Inneren des
Kinos gezeigt wird; sicher ein Video aus us-amerikanischer Produktion
die man billig als Raubkopie an jeder Straßenecke erwerben kann.

Zurück geht es im Sammeltaxi auf der Straße am Strand, an Mangroven,
Siedlungen, weiteren Verkaufsständen und Booten und einem Wald von
Kokospalmen vorbei, die die Uferlinie säumen und Schatten spenden.

Abends bekomme ich ein selbst zubereitetes Abendessen. Es geht
schließlich nicht, dass ich eines der typischsten Gerichte noch nicht
gekostet habe! Gabriel hat Fufu zubereitet: Kochbananen und gemahlene
Maniokwurzel werden in einem Topf gekocht und anschliessend in einem
Holztrog mit einem langen Holzstößel so lange gestampft, bis ein
klebriger, fester Brei entsteht, der mit Suppe übergossen und mit der
rechten Hand aus einem gemeinschaftlichen Topf gegessen wird.

Charles hat die Fischsuppe dazu gekocht und zu siebent sitzen wir drum
herum und geniessen.

Mit den Fingern zu essen ist großartig und auch Banku, ein ähnlicher
Brei der gerne zu Tilapia (Süßwasserfisch) gegessen wird, schmeckt mir
inzwischen sehr gut. Im Restaurant oder auch an mobilen Esständen auf
der Straße werden dazu als Erstes eine Schüssel mit Wasser, Seife und
ein Handtuch gereicht, um sich die Hand zu waschen. Insgesamt sind die
Gerichte sehr mächtig und oft fettig wegen dem gern benutzten Palmöl.
Darin werden auch die Kochbananen gebraten, Yam-Streifen wie Pommes
frittiert, Bohnen in Tomatensauce oder die spinatähnliche Palava-Sauce
gekocht. Auch in Ghana gilt Hühnchen nicht als Fleisch und ich muss
schon oft aussortieren, aber es schmeckt mir meist. Nur Reis kann ich
nicht mehr sehen…

Das war also in Kürze meine Reise an die Küste. Hier in Accra hat sich
aber auch Einiges getan.
(…)
Wenn ich nicht gerade auf der Veranda vor dem Probenraum im Schatten lese oder döse, streife ich im Zentrum rund um den Makola-Markt umher, besorge Gemüse zum kochen oder dringend benötigte T-Shirts, weil wir zu wenig kurzärmelige Tops mitgenommen haben. Diese stammen dann aus Kleidersammlungen in England oder Deutschland und bilden eine Einnahmequelle für die vielen StraßenverkäuferInnen die ihre über dem Arm getragenen Waren an die Frau bringen wollen.

Auf dem Markt selbst habe ich Pauline kennen gelernt, die in einem der
schmalen Gänge einen kleinen Platz gemietet hat und, wie ihre vielen
Nachbarinnen, Kleider näht die bei ihr bestellt werden. Sie hat mir
bereits zwei bequeme Röcke genäht und da ich ständig auf der Suche nach
schönem Stoff bin, bzw. allzu oft den Einladungen der
Stoffverkäuferinnen folge doch näher zu treten und schließlich zwei Yard
kaufe, werden das nicht die Letzten sein.

Die Farb- und Mustervariationen scheinen grenzenlos. Die vorherrschende
Technik ist der Wachsdruck, gewebte Stoffe sind seltener. Das Meiste ist
Made in Ghana und sieht an den Ghanaerinnen und Ghanaern definitiv am
besten aus!

Auch mein Volta-See-Thema habe ich voran gebracht. Eine erste
Recherche-Reise zum Akosombo-Staudamm im Nordosten habe ich bereits
gemacht und natürlich im Fluss gebadet.

In Accra war ich bei der Volta River Authority (VRA) um die Genehmigung
für Interviews in Einrichtungen dieser größten vor Ort tätigen Behörde
zu bekommen und in eines der Kraftwerke selbst zu kommen. Aber die
bürokratischen Mühlen mahlen hier langsam und nichts geht ohne
Empfehlungsschreiben der einen Behörde die wiederum eines von einer
anderen Stelle benötigt, inclusive dt. Botschaft und WDR. Ich
hoffe da ergibt sich bald was, denn die Zeit wird knapp. Die
Mitarbeiterin der Öffentlichkeitsbteilung war freundlich aber auch
misstrauisch und darauf bedacht, dass ich ein gutes Bild der Behörde
darstelle

Mit oder ohne VRA-Passierschein mache ich auf jeden Fall bald die
Schiffsreise über den 400 km langen See. Ich habe Scott, einen
US-Amerikaner kennen gelernt der seit fünf Jahren durch die Welt reist
und ein Comedy-Video über sich selbst auf Reisen dreht. Wahrscheinlich
werden wir diese Fahrt gemeinsam machen.

Post aus Ghana

Wenn ich nicht selbst unterwegs bin, freue ich mich natürlich sehr über e-Mails aus fernen Ländern. Letzte Woche kam Post von einer guten Freundin, die es nach Ghana verschlagen hat. Ich poste die Urlaubspost hier mit ihrem Einverständnis:

Date: Sat, 17 Jan 2009 17:38:23 +0100
Subject: sonnige Grüße aus Westafrika

Akwaaba Ihr Lieben!

Da bin ich nun vor heute genau einer Woche von frostigen Minusgraden in die tropische Hitze Ghanas katapultiert worden und finde es großartig. Ein bisschen weniger Schwitzen wäre natürlich auch ganz angenehm, aber ich will nicht meckern, denn mir gehts ziemlich gut hier.

Nachdem ich am vergangenen Sonnabend Abend mit G., der Frau für die ich als persönliche Assistentin arbeite, und ihrer Kollegin G. in der Hauptstadt Accra gelandet und völlig erschöpft ins Bett gefallen bin, war am Sonntag Zeit, etwas ruhiger anzukommen, unsere Zimmer einzurichten, einen Streifzug durchs Viertel zu machen und die Seele hinterher kommen zu lassen.

Kleiner Exkurs für diejenigen mit denen ich länger nicht gesprochen habe: Ich bin für drei Monate in Ghana/Westafrika um G., die hier als Choreographin an einem Tanzprojekt mit ganahischen TänzerInnen mit und ohne Behinderung arbeiten wird, in ihrem Alltag zu unterstützen. Diesen Nebenjob habe ich in Köln im September begonnen und da G. eine Weltenbummlerin ist und als Rollifahrerin ihre persönlichen AssistentInnen auch auf Reisen braucht, habe ich diese großartige Gelegenheit nach Afrika zu reisen sehr gerne wahrgenommen. Ihr Projekt werde ich auch journalistisch begleiten, habe vom WDR Aufnahmetechnik ausgeliehen bekommen, und will im Anschluss Radioberichte darüber machen.

Heute Abend kommt mein Kollege R. nach, mit dem ich mir die Arbeit für G. teile, und dann habe ich erstmal frei und kann mich meinen anderen Recherchen widmen. Die werden mich unter Anderem auf den und entlang des Volta-Stausees (dem größten in Afrika) führen. Aber erstmal werde ich mich noch etwas in Accra umtun und rauskriegen wie ich wo am besten durchs Land reise.

Was ziemlich schnell auffällt ist, dass die Leute hier total nett und super höflich sind. Man kommt schnell ins Gespräch und bleibt wahrscheinlich nie irgendwo hilflos liegen.

Unser Viertel heisst Osun und ist eines der beliebten innenstädtischen Viertel zum Weggehen in der Drei Millionen-Stadt. Es gibt viele Bars, Restaurants und Clubs mit Livemusik wo zu Highlife-Musik getanzt wird. Die Hauptstraße heisst Oxford-Street; ist eine viel befahrene zweispurige Straße mit einigen neuen Gebäuden, Banken, Telekommunikationsläden und einem der bekanntesten Supermärkte. Gesäumt wird sie von vielen Straßenständen, teils Holzhütten, teils Blechcontainer mit Haushaltsbedarf, Obst und Gemüse, DVD- und CD-Raubkopien, Modeschmuck, Kleidung, afrikanischen Holzmasken oder Garküchen.

Die meisten Gebäude in unserem Viertel sind neueren Datums und eine Mischung aus Beton und Glas, wie überhaupt in der ganzen Stadt. Die Wohnhäuser wurden eher flach gebaut, repräsentative Gebäude auch höher. Dazwischen gibt es viele Baulücken, viel Grün und das ein oder andere Huhn läuft in den betonierten Abwasserrinnen rechts und links der Straße, die sehr tief sind.

Büroangestellte in Kostüm und Anzug sind genauso unterwegs wie Männer und Frauen in farbenprächtigen Kleidern und Hemden mit afrikanischem Muster oder westlichen Tops und Jeans, Rastamänner sowie Kinder und Jugendliche mit Schuluniform. Taxis und Sammeltaxis, Luxusautos mit getönten Scheiben und Klimaanlage, Mofas, vereinzelte Fahrräder, LKWs und verbeulte PKWs drängeln sich zur Rushhour. Hupen ist oberstes Gebot und Musik schallt sowieso immer von irgendwoher.

Biegt man in die Nebenstraßen ein, wo auch unser Hotel liegt, wirkt es schnell sehr ländlich und ruhig. Der Verkehr nimmt ab, die Asphaltstraßen weichen staubigen Sandpisten. Kleine Läden und Werkstätten bieten ihr kleineres Sortiment und ihre Dienstleistungen wie Nähen, Haare machen, Behördenschreiben tippen oder Schuhe reparieren an. Die Wohnhäuser sind von Steinmauern und Zäunen umgeben über die Palmen, Bananen- und Papayastauden sowie pink und weiß blühende Bougainvilleensträucher ragen. Auch der Abwasserkanal ist üppig grün bewachsen, wenn der flüssige Inhalt auch nicht immer lecker riecht.

Unser Hotel ist ein Gelände bestehend aus mehreren großen Steinbungalows, einem Restaurant mit leckeren lokalen Gerichten die im hölzernen Küchenbungalow zubereitet und auf der Terrasse unter einem Pavillon an Plastetischen- und Stühlen serviert werden, sowie ein wenig Rasenfläche, Mangobäumen und zahlreichen Sträuchern.

Die Zimmer sind einfach eingerichtet und nicht gerade billig. Ich fühle mich sowohl vom Standdard her, als auch vom Ausblick auf den betonierten Hof vor unserer kleinen Privatterrasse oft an cubanische Verhältnisse erinnert. Sehr schön ist der riesige knorrige Baum direkt vor unserer Nase, der rot blüht und gefiederte Blätter hat. Die gibt es auch in Lateinamerika und überhaupt finde ich viele Vergleiche in dem was ich sehe, sei es die Vegetation, die Bauweise der 60er-Jahre- Häuser und modernen Gebäude, die Sammeltaxis die auf einen Wink halten oder die „Jesus liebt dich“-Aufkleber auf den Heckscheiben der Autos.

G. und ich haben uns ganz gut eingerichtet in unseren zwei Zimmern mit Küche, Dusche und Bad, so dass die täglichen Handgriffe beim Aufstehen und Schlafen gehen schon angenehm vertraut sind. Wir schlafen unter Moskitonetzten, denn die Viecher sind nicht zu unterschätzen und machen spätestens gegen 17 Uhr großflächigen Insektenspray-Einsatz notwendig. Bereits morgens ist es zum schwitzen heiß und wenn wir aus den ventilator-gekühlten Zimmern in die glutheiße Küche kommen oder auf der Terrasse im Schatten frühstücken, läuft bereits der Schweiß.

Osun liegt recht zentral, ca. 15 Minuten mit dem Auto vom Meer entfernt und auch nah am Bankenviertel und dem Makola-Markt der alles bietet und sich über mehrere Straßenzüge hinzieht. Hier tobt das Leben und vor allem der Handel. Dicht an dicht haben sind die Waren (Textilien, Lebensmittel, Kosmetik, Stoffe, Gebrauchsgegenstände Made in China, Snacks…) auf dem Boden, in selbst gezimmerten Ständen, unter Sonnenschirmen aufgetürmt. Viele StraßenverkäuferInnen sind mit Tabletts voller fritiertem Fisch, Obst, Nüssen und Gebäck oder Ständern mit Gürteln, Sonnenbrillen und Ketten unterwegs. Die meisten Frauen transportieren ihre Ware mit bewundernswertem Gleichgewicht auf dem Kopf und ihre kleinen Kinder im Tragetuch auf dem Rücken. Das mit eigenen Augen zu sehen, ist schon sehr beeindruckend.

Gestern haben wir uns zu dritt in das Getümmel gestürzt und ich war überrascht, wie entspannt wir uns bewegen und einkaufen konnten. Einzig G. Rollstuhl sorgte für Aufsehen und viele Leute waren erstaunt, dass sie einen Motor hat und per Joystick steuert. Ich hätte gerne fotographiert, wollte aber nicht ungefragt rumknipsen und werde noch ein paar Mal in diese bunte Welt eintauchen; auch um Geräusche aufzunehmen.

Ganz am Meer liegt das alte Accra, genannt Jamestown, mit Häusern und Hausruinen aus der Kolonialzeit (die 1957 endete). Die Menschen die hier leben, sind ziemlich arm. Viele leben vom Fischen. Die Holzhütten und Häuser stehen hier dicht an dicht. Sonst beherrschen in Accra Betonbauten im 60er-Jahre-Charme das Bild und die Stadt ist sehr weitläufig und von großen Hauptverkehrsadern durchzogen die von überdimensionalen Werbetafeln und StraßenhändlerInnen gesäumt werden. Je nach Tageszeit kann man im Taxi für die gleiche Strecke 10 Minuten oder eine Stunde brauchen.

Accra ist sehr grün, denn das Ballungszentrum ist so unkontrolliert zusammen gewachsen, dass es immer wieder Freiflächen gibt, auch der Flughafen ist mittendrin, sowie ein riesiges Militärareal der Berufsarmee.

Entlang der großen Straßen stehen oft gigantische Bäume und meine Lieblingsallee ist natürlich die mit den Abermillionen von Flughunden die tagsüber in schwarzen Trauben von den Ästen hängen. An den Kreuzungen finden sich meist Schilderwälder die darauf hinweisen, was in dieser Straße an Einrichtungen zu finden ist, denn Straßennamen gibt es nicht. Wenn man mit dem Taxi irgendwo hin möchte, nennt man als Orientierungspunkte die großen Kreisverkehre und das Viertel oder einen Ort den alle kennen, wie z.B. ein beliebtes Fast-Food-Restaurant.

Trotz der kleinen Wäldchen, Wildnisse und Gärten zwischen den Siedlungen ist es sehr staubig und die rote Erde sehr trocken. Der Verkehr tut sein Übriges und dann ist gerade auch noch die Hamatan-Zeit in der der Himmel immer dunstig ist vom Sahara-Staub der herüber weht.

Zusammen mit den 30 Grad Plus ergibt das eine schmierige Dreckschicht auf der Haut und da reagiere ich etwas allergisch drauf, hoffe aber, das gibt sich noch.

Dass ab dem Nachmittag mit Moskitos zu rechnen ist, erschwert die Sache, denn eigentlich helfen nur lange Sachen und darin geht man kaputt. Aber die Viecher kommen auch durch die Jeans und wir sind allesamt schon etwas zerstochen. Etwas blöde wegen der Malariagefahr, aber vielleicht sticht mich ja immer genau die Mücke, die keine Erreger in sich trägt. Mache mich da bisher nicht verrückt, denn ändern könnte ich es jetzt auch nicht mehr.

Seit mehreren Tagen trifft sich G. mit einem hiesigen Choreographen und quetscht ihn über alle möglichen Rituale aus, denn darum soll sich das Tanzstück drehen, dass sie zusammen mit den Tänzern und Tänzerinnen entwickeln will. Die müssen jedoch erst noch gefunden werden. Am Dienstag waren G. und der Produktionsleiter ihrer Kölner Tanzcompany deshalb bei der „Asociation of disabeled persons“ um das Projekt vorzustellen und die Frauen und Männer zu dem zweitägigen Workshop einzuladen, an dessen Ende fünf Menschen mit und ohne körperliche Besonderheit ausgewählt werden, um in den kommenden zwei Monaten täglich an dem Stück zu arbeiten. Auch ausgebildete TänzerInnen werden an der sogenannten Audition teilnehmen und ich bin schon sehr gespannt dabei zu sein. Dieses Treffen fand ich schon sehr interessant und habe fleissig mitgeschnitten.

Gestern (Freitag) waren wir an der Uni, etwas außerhalb, bei einem Musik-Professor, der die Musik zum Stück komponieren wird. Heute haben wir den Bühnenbildner getroffen. Die Kostüme wird eine verrückte Dänin entwerfen, die seit 10 Jahren hier lebt. Woran alles gedacht werden muss! Das wird ein richtig professionelles Tanztheater-Stück und diesen Prozess zu begleiten, finde ich total spannend (davon bei den nächsten Berichten sicherlich mehr).

Bei solchen Außer-Haus-Terminen, auf denen ich G. begleite, um sie z.B. vom Elektro-Rollstuhl in das Taxi zu setzen und wieder raus zu holen, kriege ich gleichzeitig viel von der Stadt mit, und so fahre ich mit offenen Augen durchs Ministerien-Viertel mit seinen Baumriesen und Betonmauern, am futuristischen Nationaltheater vorbei oder einem riesigen Sportstadion (beliebstester Sport: Fußball), dem Denkmal für die Gründer der „Organisation Afrikanischer Einheit OAU“, dem riesiegen Monument das zur 50jährigen Unabhängigkeit vor zwei Jahren in Meernähe gebaut wurde und gigantischen Werbetafeln vorbei, auf denen dem Anfang Januar nach 4 Jahren Oppositionspolitik wiedergewählten Präsidenten „Prof. Atta Mills“ gratuliert wird, während daneben noch verblichene Wahlplakate der anderen Parteien prangen und daneben wiederum für eine innerafrikanische Fluglinie oder Hightech-Unterhaltungstechnik geworben wird.

An jeder Ampel bieten mobile StraßenhändlerInnen ihre Feuerzeuge, Lebensmittel oder Schuhcreme an. Meine Hand griff automatisch nach meinem Rucksack, weil es in Lima auf Schritt und Tritt oberstes Gebot war, auf seine Sachen zu achten und am besten gar nichts dabei zu haben. Das ist hier sehr viel entspannter und wir können auch Abends problemlos allein unterwegs sein. Mit Stacheldraht und Alarmanlage schirmen sich eigentlich nur die reichen Leute ab, das scheint in den meisten Stadtgebieten ansonsten nicht notwendig zu sein.

Heute bin ich wie gesagt eine Woche hier und fühle mich schon ziemlich vertraut hier. Allerdings gehe ich kräftemässig etwas auf dem Zahnfleisch, weil ich seit fast 2 Wochen in der Schicht für G. bin. Freue mich erstmal aufs Ausschlafen, wenn mein Kollege da ist.

Mit ganz lieben Grüßen aus dem fernen Ghana und einer schwitzigen Umarmung

S.

Auckland, Teil zwei

AucklandWorld famous for it's hot chocolateAm Sonntag habe ich erstmal ausfuehrlich gefruehtstueckt und mit Ivonne gequatscht. Das Wetter war eh bloed, da hatte ich keine Eile. Nachmittags habe ich mir dann noch das Museum in Auckland angesehen, es ist ziemlich gross und man bekommt sehr viel zu sehen, fuer die $5 Spende. Allerdings habe ich gerade die Kriegsabteilung erwischt und das fand ich nicht so spannend. Es gibt aber auch eine Sektion ueber Vulkane (mit Erdbebensimulation) und ein Mitmachmuseum fuer Kinder.
Die Stadt selbst ist ziemlich haesslich und amerikanisch, wie man auf dem Bild sehen kann. Dafuer gibt es Highlights, wie den Schokkoladen, in dem es die wahrscheinlich leckerste heisse Schokolade der Welt gibt. Danach ist man ziemlich satt 😉

StingrayAm naechsten Tag habe ich mir Kelly Tarlton’s Underwaterworld angesehen. Man kann in einem Plexiglastunnel unter Haien durchspazieren und den Stachelrochen bei der Fuetterung zusehen. Es gibt noch Gratistips, was man bei einem Stich machen kann (heisses Wasser in die Wunde).

the disappearing gunDann ging es mit der Faehre rueber nach Devonport. Das Wetter war noch schlechter als am Vormittag und in Devonport gibt’s nicht wirklich viel zu sehen. Auf einem der Vulkane steht eine Disappearing Gun, die aber nur einmal abgefeuert wurde, weil sich die Anwohner ueber zerbrochene Fensterscheiben beschwert haben 😉

Auckland from aboveAls kroenenden Abschluss habe ich mir noch Auckland vom Skytower aus angesehen. Das ist das hoechste Gebaeude der suedlichen Hemisphaere. Man kann auch einen Skyjump machen, denke mal das ist Bungee mit dem Seil am Becken.
Ich verzichte auf den Nervenkitzel und mache lieber Fotos. Die Sonne ging gerade unter und es war genau der richtige Zeitpunkt fuer ein paar schoene Langzeitexperimente. Dabei habe ich festgestellt, dass ich das verdammte Stativ gar nicht benoetige. Ich habe es den ganzen Tag mit mir herumgeschleppt und dann war es besser, die Kamera direkt auf das „Fensterbrett“ zu legen, weil dann weniger stoerende Reflektionen auf dem Bild sind. Naja, lieber einmal das Stativ umsonst geschleppt als ein Bild verschenkt…

Auckland

Ivonne und Matt holen mich im Auckland vom Flughafen ab. Ivonne ist die beste Freundin meiner Schwester und lebt seit drei Jahren in Auckland. Wir haben uns das letzte Mal 1989 gegenüber gestanden, aber dank Skype und Digicam ist das Wiedererkennen nicht ganz so kompliziert. Matt ist Kiwi mit englischen Wurzeln und spricht schon erstaunlich gut Deutsch. Zwar nur Wörter und Phrasen, die aber fast aktzentfrei.

Auckland from aboveDie Gegend um Auckland ist vulkanischem Ursprungs. Wir machen auf dem Weg vom Flughafen noch einen Zwischenstop auf einem der 48 Vulkane: Mt. Eden. Man hat eine wunderbare Aussicht über Auckland. Sehr bizarr: Im Krater grasen Kühe. Abends geht es noch in eine sehr nette Pizzeria, die ihre Pizza mit Vollkornteig bäckt. Yummy 🙂

Muriwai BeachThere is a little spot for everyoneAm nächsten Morgen scheint die Sonne und nach einem sehr leckeren Frühstück machen wir uns auf nach Muriwai Beach. Die Gegend ist perfekt zum Surfen und dementsprechend viele Surfer tummeln sich im Wasser. Am Strand ist der Sand dunkel und heiß, ich verbrenne mir fast die Füße. Ein Weg führt die Felsen hinauf und man hat von hier aus einen wunderbaren Überblick über die Mövenkolonie. Besonders an dieser Sorte Möven ist, dass sie sich alle im gleichen Abstand voneinander auf dem Felsen zum Brüten niederlassen. Die Jungen sind schon geschlüpft und ab und zu lugt ein Federknäuel unter einer Möve hervor.

BeesOnlineWir machen noch einen Zwischenstop bei beesOnline, eine Art Imkerei, Café und Honigshop in einem. Es gibt leckeren Kuchen, Eiscafé und hinterher erklärt ein Imker noch ein bisschen was zu Honig und Bienen. Witzig: Die Königin eines Bienenvolks ist in einem Plexiglaskasten eingesperrt und die Arbeiterbienen können von Außen durch eine Röhre zu ihr gelangen. Man kann sich das Treiben der Bienen ganz genau ansehen.

Real fruit icecreamDie Kiwis auf dem Schiff im Doubtful Sound hatten uns empfohlen unbedingt Real Fruit Eis auszuprobieren, auf dem Rückweg kommen wir tatsächlich an einem solchen Shop vorbei. Real Fruit Eis findet man eher auf dem Lande, es werden frische oder tiefgekühlte Früchte mit Eiscreme vermanscht und dann in eine Waffel gepresst. Sieht unspektakulär aus, schmeckt aber sehr frisch und lecker. Ivonne meinte, das kommt Frozen Yoghurt wohl am nächsten.

Wieder zu hause, versuche ich erstmal eine Dreitagesreise an die Nordspitze der Nordinsel zu buchen. Ich mache das über die Webseite des Reiseveranstalters und bemerke dabei, dass mein Kreditkartenlimit erschöpft ist. Ich habe nicht exzessiv viel Geld ausgegeben, aber mein Limit ist recht niedrig angesetzt, das Mitauto war ein großer Posten, zusätzlich kommt noch das Tankvergnügen bei Pack’n Save dazu. Jetzt fällt mir auch ein, dass ich eigentlich vor der Reise bei der Bank genau deswegen anrufen wollte…
Das ist natürlich ein etwas größeres Problem: meine TAN-Liste liegt zu hause, die Telfon-Pin auch, ich kann mich also der Bank gegenüber nicht authentifizieren um das Limit anzuheben. Ich borge mir erstmal Ivonnes Kreditkarte um die Reise zu buchen und schreibe eine Bettel-Mail an die Bank.

In Neuseeland wird fast alles mit Kreditkarte bezahlt. Fast Überall ist es möglich und die Kiwis nutzen das auch ausführlich. Ich habe selbst meine $3.50-Cola beim Clubbesuch in Christchurch mit der Kreditkarte bezahlt. Bargeld braucht man eigentlich nur im Bus. Dementsprechend blöd steht man da, wenn man keine Kreditkarte hat. Ich habe zwar noch ein paar Kiwi-Dollar einstecken und koennte auch mit der EC-Karte Geld abheben, aber das ist unverhältnismäßig teuer (5.40 Euro pro Transaktion).

Christmas in the ParkNaja, was solls, ich hoffe auf eine glückliche Fügung des Universums und gehe erstmal mit Matt und Ivonne zu Christmas in the Park. Das ist so eine Art Volksfest mit großer Bühne, viele Familien bringen ihren Picknikkorb oder sogar einen Grill mit, Abends gibt es Musik und Feuerwerk. Etwas belanglos, Coca Cola ist als Sponsor nicht zu übersehen, aber es ist ganz unterhaltsam und hier scheint halb Auckland im Park versammelt zu sein.

Abends ruft mich tatsächlich die Bank zurück (in Deutschland ist früh am morgen) und die freundliche Mitarbeiterin teilt mir mit, dass ich lediglich ein Fax mit Unterschrift schicken muss und alles wird gut. Prima, so etwas altertümliches wie ein Faxgerät lässt sich sicherlich hier auftreibein.

Wiedermal Christchurch

Die Fahrt geht weiter nach Christchurch, heute muss ich das Auto zurückgeben. Eigentlich war voher noch ein Besuch des Orana Wildlife Park angedacht, aber es ist schon um 14.00 Uhr, ich muss mir noch ein Hostel suchen, das das Auto volltanken und abgeben. Die Autovermietung schliesst um 17.00 Uhr, das wäre sonst alles etwas knapp.

Ich steuere wieder das Stonehurst an, auf große Erkundungstouren in der Rush-Hour habe ich keine Lust. Im Hostel gibt es nur noch Einzelzimmer. Egal, das bisschen Luxus gönne ich mir. Ich habe das Gefühl, für Hostels ist eine Erwähnung im Lonely Planet eine Art Lottogewinn.

Das Essen ist im Kühlschrank, meine Klamotten im Zimmer, jetzt muss nur noch das Auto abgegeben werden. Natürlich vollgetankt. Also suche ich mir erstmal einen Pack’n Save Supermarkt, dort ist das Benzin am billigsten. Ich habe nicht bedacht, dass der großzügige Rabatt von 10 Cent pro Liter nur gilt, wenn man für $70 einkauft. Ich habe eher zu viel Lebensmittel, das meiste werde ich im Free Food Shelf des Hostels lassen müssen, aber aus Faulheit tanke ich trotzdem bei Pack’n Save.
Tanken funktioniert hier mit Selbstbedienung, das hinterhältige ist nur, dass erst $150 von der Kreditkarte abgebucht werden und man nach dem Tanken die Differenz wieder zurückgebucht bekommt. Zwischen Abbuchung und Erstattung können jedoch ein paar Tage vergehen. Ich stecke also fröhlich meine Kreditkarte in den Tank-O-Mat, tippe die Pin ein, warte ein bisschen und als ich den Zapfhahn in der Hand habe, bemerke ich, dass der Tankdeckel noch zu ist. Also, Zapfhahn zurück in die Säule, in meinem Kopf erklingt das Geräusch einer Registrierkasse ($150 Dollar), Fahrertür auf, Tankdeckelknopf drück, und dann nochmal das ganze Gefummel mit der Kreditkarte. Es macht in meinem Kopf wieder *pling*, $150 Dollar gehen an Pack’n Save und ich kann endlich anfangen, das Auto vollzutanken. Als ich einsteige (die Autos hinter mir in der Schlange scharren schon mit den Hufen) und den Motor anlasse, zeigt die Tankanzeige aber nur 3/4 an. Ich versuche nicht gleich ins Lenkrad zu beißen, fahre einmal um den Block und stelle mich nochmal an. Wieder erklingt das $150 Dollar Geräusch, aber das Auto ist wenigstens hinterher voll.

Dann geht es zur Autovermietung. Ich bin schon gespannt, was mich die von den japanischen Touristen verursachte Schramme kosten wird. Erstaunlicherweise gar nichts, der freundliche Mitarbeiter der Autovermietung winkt nur ab, greift sich einen Lappen und eine Flasche Verdünnung und rubbelt die Schramme einfach weg. Prima $100 gespart, das ist natürlich sehr erfreulich.

Shave your head ...Alle Pflichten erfüllt, dann kann ich mir ja noch ein bisschen die Stadt angucken. Am Kathedral Square findet eine Fundraising-Aktion für krebskranke Kinder statt. Man kann sich zum Zeichen der Unterstützung eine Glatze scheren lassen. Ich weiss nur nicht, ob eine Firma die Spenden sponsort, oder ob man selbst noch etwas gibt. Wahrscheinlich beides. Ich überlege kurz, ob ich meine Jason Newsted-Frisur mal wieder auffrischen sollte, aber das Risiko hinterher mit einer kompletten Glatze dazustehen, ist mir etwas zu hoch 😉

Mein Flug nach Auckland geht am nächsten Nachmittag, davor wäre noch genug Zeit für den Zoobesuch. In der i-Site erfahre ich, dass die einzige Möglichkeit dort hinzugelangen, ein Shuttleservice für $20 ist. Das Kleingedruckte auf dem Flyer verrät mir, dass es $10 mehr kostet, wenn man der einzige Passergier ist. Naja, Risiko, für schöne Tierfotos mache ich ja so einiges 😉

Die i-Site ist voller Touristen, aber die Mitarbeiter am Tresen sind sehr nett und kümmern sich sehr gut um jeden einzelnen Kunden. Im Raum schwirren noch mehr Mitarbeiter rum, die versuchen einfache Fälle abzufrühstücken. Zum Buchen muss man sich aber anstellen und nach 45 Minuten kann ich alle Autowerbespots, die auf dem großen Flachbildschirm laufen auswendig. Endlich ist es geschafft, ich halte einen Voucher für das Zoo-Shuttle in der Hand und muss mich erstmal von dem Stress des Tages erholen.

Das geht am einfachsten mit Sonne und Kaffee, also konsumiere ich einen Flat White. Der Kaffeeverkäufer ist sehr nett. Er hat sehr entspannende Musik in seiner Kaffeebude laufen und immer einen passenden Spruch parat: „Take a seat, watch the city going to sleep„. Genau das mache ich erstmal, Wolken gucken und den Troubel des Tages langsam vergessen.

Es ist dann um 18.00 Uhr, so richtig etwas anfangen kann man um die Zeit nicht, die meisten Museen und Läden schließen spätestens um 17.00 Uhr, also verkrümel ich mich ins Internetcafé und blogge ein bisschen.

Danach geht’s inst Hostel, die verbliebenen Lebensmittel werden unter ständigem Rühren in eine de-Luxe Pasta verwandelt. So richtig müde bin ich danach noch nicht, ich setze mich ein bisschen ins Fernsehzimmer, dort hängen auch andere Backpacker herum und reden Kwatsch. Irgendwann steht der Plan noch in eine Bar zu gehen, da gehe ich einfach mit. Wichtigstes Utensil für einen Clubbesuch ist der Pass. Egal wie alt man aussieht, man muss sich immer ausweisen. Der achte im Bunde, ein sicher schon weit über 50 jähriger Brite nimmt auch seinen Pass mit, sicher ist sicher 😉

Bars werden hier sehr effizient genutzt, tagsüber sind es Restaurants, abends Bar, Disco und Billardkneipe in einem. Ich bin wie schon in Dunedin erstaunt, wie leicht bekleidet die Damen hier ausgehen. Allesamt ziemlich edel, die Kleider sind jedoch nur so lang, wie unbedingt nötig. Prima anzusehen, in meinen Campingklamotten passe ich nicht so recht ins Gesamtbild. Egal, ich bin ja nicht auf Brautschau hier, außerdem wirklich deplatziert bin ich nicht, es sind genug andere Touristen unterwegs, die ihr Cocktailkleid ebenfalls zu hause gelassen haben.

Ich quatsche ein bisschen mit einer doktorierten Pharmazeutin über die Wanderwege der Südinsel. Sie hat sich den Fuß verstaucht will aber unbedingt zum Ende der Reise den dreitägigen Milfordtrack wandern – sie hat genug Schmerztabletten und Kortison dabei. Naja, Pharmazeuten kennen sich mit Doping halt aus 😉

BreakfastIrgendwann sind wir dann im Hostel und ich falle nur noch ins Bett. Am nächsten Morgen gibt es wieder das aufwändigste Müsli der Welt. Ein Deutscher kommt vorbei, sieht das und fragt mich erstmal „Hast Du Geburtstag oder so?„. Ich grinse und lasse es mir schmecken. Ich versuche sämtliches Gepäck im Rucksack zu verstauen, das ist gar nicht so einfach, es scheint sich auf wundersame Weise vermehrt zu haben… Bei der Gelegenheit miste ich auch mal meine Geldbörse aus, es hat sich ein großer Stapel Kreditkartenbelege angesammelt.

Abfahrt für das Shuttle zum Zoo ist um 10.00 Uhr. Ich bin etwas früher am Square und merke gegen 9.50, dass ich beim Ausmisten auch den Voucher für das Shuttle in die Kreditkartenschipselklarsichtfolienhülle gesteckt habe. Die ist im Rucksack und der Rucksack im Hostel. Ich könnte schnell hinflitzen, will mich aber nicht verspäten. In der i-Site erkläre ich einem Mitarbeiter das Problem, zum Glück kann man sich für $5 den Voucher nochmal ausdrucken lassen. Das ist halt der Preis der Verpeilteit…

Natürlich bin ich der einzige Fahrgast und drücke der Fahrerin freudig $10 extra in die Hand. Bis jetzt hat mich der Zoobesuch $35 gekostet und ich habe noch kein einziges Tier gesehen. Hmpf. Zum Glück kann mich die freundliche Shuttle-Fahrerin auf dem Rückweg vom Zoo gleich am nahe gelegenen Flughafen absetzen. Wir fahren schnell zum Hostel, laden den Rucksack ein und weiter gehts.

Der Wildlife Park ist wirklich ein Park. Riesengroß. Es gibt einen Transferservice, ein Tracktor zieht ein paar Anhänger durch die Gegend, man kann an beliebigen Haltestellen ein und aussteigen. Ich versuche es erstmal zu Fuß. Am Einlass bekommt man eine Karte des Parks mit den Fütterungszeiten der Tiere. Etwa alle 30 Minuten wird irgendwo gefüttert, man kann also den ganzen Tag nur damit zubringen von einer Fütterung zur nächsten zu laufen. Das mache ich natürlich auch. Highlight ist die Kiwifütterung, die scheuen, nachtaktiven Tiere kann man nur in einem ziemlich dunklen Raum hinter einer Scheibe beobachten. Ich bin erstaunt, wie groß und schnell sie sind.

Feeding timeIn dem Wildlifepark sind ziemlich viele freiwillige Helfer engagiert, die auch einen großen Teil der Fütterungen übernehmen und zu jedem Tier noch viel erzählen können. Sehr interessant ist auch die Giraffenfütterung. Ich lerne, dass Giraffen die Tiere mit dem höchsten Blutdruck sind und dass sie deswegen den Kopf möglichst nie unterhalb der Höhe ihres Herzens bewegen. Geschlafen wird im Stehen oder mit dem Kopf auf dem Körper. Auch interessant: Kühe und Giraffen sind anatomisch ziemlich ähnlich.

Yummy touriststhe most ugly animal in the worldDie Giraffen kann man selbst füttern, das ist natürlich prima für Kinder. Jeder bekommt einen Zweig mit Blättern in die Hand gedrückt, den die Giraffen dann mit ihrer unheimlich langen Zunge abrupfen, ohne den Zweig selbst zu fressen. Das Entlaubungsverfahren finde ich ziemlich clevr.

Man kann sich für $20 extra in einem Käfig durch das Löwengehege fahren lassen. Das schaue ich mir lieber aus der Ferne an. Auf einer Art Farmgelände kann man Schweine füttern. Die Viecher sehen ziemlich wiederlich aus.

Nach über 4 Stunden habe ich noch längst nicht alle Tiere gesehen, muss aber langsam wieder aufbrechen. Die freundliche Shuttle-Fahrerin holt mich überpünktlich ab und 10 Minuten später stehe ich am Flughafen. Auckland ist nur noch eine Stunde entfernt 🙂

Hanmer Springs

Hanmer Springs ist berühmt für seinen Thermalquellen, die man in einer Poollandschaft geniessen kann. Ich schaue mich erstmal nach einem Hostel um, das Hanmer Backpackers hat noch ein Einzelzimmer fuer $54, da muss ich nicht lange überlegen. Eigentlich versuche ich möglichst preiswert zu wohnen, aber die Erfahrungen der letzten Nächte machen die Entscheidung für ein Einzelzimmer leicht. Es riecht einfach nicht so gut, wenn 6 männliche Reisende in einem Zimmer schlafen…
Das Hostel ist klein und sehr gemütlich. Es ist auch eine Familie aus Polen zu Gast, mit zwei aufgeweckten Kindern, die ich auf 3 und 5 schätze. Die beiden können erstaunlich gut Englisch, man kann richtige Konversationen führen. Ich unterhalte mich etwas mit dem Vater, er ist Freelancer im Mobilfunkbereich und arbeitet überall dort, wo UMTS-Netze aufgebaut werden. Jetzt wird auch klar, warum die Kinder so polyglott sind 🙂 Der Vater empfielt mir noch Australien als „the best country, if you have a family“. Mit seiner Beschreibung macht er mir wirklich den Mund wässrig.

Am morgen werde ich vom Plätschern wach. Es ist zum Glück nur die Dusche nebenan. Als ich aus dem Fenster gucke, regnet es trotzdem. Das passt aber ganz gut in meine Tagesplanung, ich wollte ja eh ins Thermalbad. Hanmer springs poolsDas stellt sich ein wenig später als Open-Air Bad heraus. Dank des Regens ist es etwas kalt und so flitze ich von einem Pool zum nächsten um herauszufinden, welcher der wärmste ist. Bei 38°C versuche ich so viel Körper wie möglich im Wasser zu verstecken und schaue dem Nebel über dem Wasser zu.

Nelson Lakes National Park

Parken ist in Neuseeland ziemlich entspannt. Man muss meist nur an sehr populären Plätzen dafür bezahlen, ansonsten gibt es Zeitparkplätze, auf denen man 5 bis 180 Minuten stehen kann – je nach dem, was auf dem Schild steht. Das Konzept eine Parkuhr hinter die Scheibe zu legen, ist hier nicht bekannt. Am Anfang haben wir noch gerätselt, wie das wohl funktioniert. Ich habe mich im Hostel aufklären lassen: der Ordnungshüter „macht einfach einen Strich“ (ich vermute am Rad?) und wenn er das zweite Mal vorbei kommt und das Auto immer noch vorfindet, bekommt man ein Ticket. Das ist natürlich nur bis etwa 17.00 Uhr der Fall, solange die Politesse Dienst hat.

Nelson ist eine Ausnahme, was die Parkplatzsituation angeht, fast überall findet man „Metered Parking“. Zum Glück habe ich 10 Minuten vom Hostel entfernt einen kostenlosen Parkplatz gefunden und muss am Morgen nicht hetzen – die meisten Parkplätze werden ab 8.00 Uhr kostenpflichtig.
WoW-MuseumSo kann ich entspannt mein Luxusfrühstück verspeisen und dann gemütlich ins Museum of Wearable Art & Classic Cars aufbrechen. Die Ausstellung ist zweigeteilt, man kann sich ziemlich abgefahrene Klamotten der Montana World of WearableArt™ Awards Show ansehen und danach noch ein paar sehr alte und sehr schöne Autos bestaunen.
Die Kleider sind allesamt ziemlich schrill (einige kann man hier bewundern), heimliches Highligt sind die Bizarre Bras – ja das ist genau das, wonach es sich anhört 😉 Leider ist die Ausstellung ziemlich klein und man darf nur die Autos fotografieren, das finde ich ein bisschen enttäuschend. Trotzdem hat sich der Zwischenstop gelohnt, mein Klamottengeschmack dürfte wieder um einiges toleranter sein 🙂

Weiter geht´s Richtung Süden, das Tagesziel ist der Nelson Lakes National Park. Ralf hat mir ziemlich begeistert davon in einer e-Mail geschrieben, angeblich kann man nachts sehr fette Aale mit der Taschenlampe anlocken…
In St. Arnaud – das Tor zum Nationalpark – habe ich ein paar Probleme das Hostel zu finden. Die Adresse ist „Main Road“, Hausnummern scheinen die hier oben nicht nötig zu haben. Nach dem ich zwei Mal durch den Ort gefahren bin, entdecke ich schliesslich ein kleines Schild, das das Yellow House ausweist. Ein Bett kostet $26, das wichtigste waere also erledigt.
Ich bin natürlich neugierig auf den See und fahre gleich mal zum Visitor Centre. Das schliesst eigentlich gleich, ich kann aber noch ein DOC-Prospekt mit den Wanderwegen der Umgebung erwerben. Es gibt zwar zu allem erdenklichen Quatsch kostenlose Prospekte, in denen manchmal eine Karte enthalten ist, aber die DOC-Prospekte sind sehr fundiert, werbefrei und die $2 gehen in die richtigen Hände.
Lake RotoroaAm See überfallen mich gleich wieder die Sandfliegen. Die sehen aus wie Obstfliegen, stechen aber wie „richtige“ Muecken und verursachen entsprechende Qualen. Petra hatte ein Insektenschutzmittel auf biologischer Basis erworben, das relativ nutzlos war. Irgendwie habe ich von dem Limonengestank Kopfschmerzen bekommen und ihr die Flasche wieder mitgegeben. Das bereuhe ich kurz, obwohl mir der üble Geruch noch genau in Erinnerung ist.
Bewegung hilft der fliegenden Pest zu entkommen, also probiere ich die kleineren Wanderwege aus. Der Honeydew Walk führt durch ein Stück Wald, in dem es ein klein Bisschen nach Honig riecht. Der Honig ist Nahrung für viele Tiere und rührt von einem Insekt her, das in der Borke der Bäume lebt: „This insect feeds on the sugar-rich sapwood of the tree and excretes any excess sugar surplus to its requirements out through a long, white, hair-like anal tube.“ Tja, so ist die Natur halt 🙂

Dinner for oneIm Hostel koche ich mir erstmal etwas leckeres mit Nudeln und hänge dann mit den anderen Gästen im TV-Raum vor der Glotze rum. Das neuseeländische Fernsehprogramm ist eine ziemliche Beleidigung für das Großhirn und als die Dunkelheit herein bricht, mache ich mich lieber nochmal auf, um ein paar Nachtaufnahmen zu machen.
Nightshots at Lake RotoitiDer See ist sehr ruhig und die Sandfliegen sind scheinbar auch schon im Bett. Ich treffe am Steg einen Engländer, der hier mit seiner Familie zeltet. Wir quatschen ein bisschen, sein Vater ist Fotograf in Rente („Old school – film only, you know?„), er ist Gärtner, hat aber dank seines Vaters immer großartige Fotos für seine Broschüren.
Ich habe zwar nicht so viele Fotos gemacht, wie ich dachte, aber dafür einen netten Abend gehabt. Im Hostel falle ich nur noch ins Bett.

Ich habe mir inzwischen angewöhnt, meine Sachen tagsüber im Kühlschrank des Hostels zu lassen, wenn man höflich fragt ist das kein Problem. So kann ich in der morgendlichen Frühlingssonne die Brunner Peninsula umwandern, während mein Käse schön frisch bleibt 😉
Der Walk um die Halbinsel des Lake Rotoiti ist entspannend, ich treffe keinen einzigen Menschen. Nach 1.5 Stunden stehe ich wieder am Parkplatz und während ich überlege, welchen Walk ich als nächstes ausprobiere, fällt mir ein, dass es hier ja noch einen anderen See gibt. Also mache ich mich nach einem kurzen Kühlschrankstop im Hostel auf zum Lake Rotoroa.

Lake RotoroaDank der abgeschiedenen Lage sind hier noch weniger Menschen, dafür um so mehr Sandfliegen. Als ich kurz den Kofferraum geöffnet lasse, ist er gleich voll mit den Viechern. Das Problem verschiebe ich auf später und mache erstmal ein paar Fotos vom Steg. Ich renne also auf den Steg, reisse die Kamera hoch, warte kurz bis hoffentlich keine Sandfliege vor der Linse ist, drücke ab und trete unter Flüchen die Flucht an. Das ganze mache ich füer drei oder vier Fotos, dann habe ich keine Geduld mehr. Im Auto richte ich dann erstmal ein Sandfligenmassaker an, 50 Seelen hauchen ihr Leben zwischen Scheibe und DOC-Prospekt aus. Jetzt verstehe ich, was der Busfahrer im Doubtful-Sound meinte… („We are in a National Reserve, so don’t kill the sandflies. I have to clean the windows.„).

Braeburn WalkDer Braeburn-Walk wird noch erkundet, als ich fast die hälfte des Weges geschafft habe, fällt mir ein, dass das Stativ noch im Auto liegt. Das Highlight des Walks ist ein Wasserfall, zum Glück ist er nicht so wahnsinnig schön, dass ich mich sehr ärgern müsste, kein Stativ dabei zu haben.

Ich schwinge mich ins inzwischen gut aufgewärmte Auto, hoffe das beste für meinen Käse und mache mich in Richtung Hanmer Springs auf.

Farewell Spit

can you see the farewell spit?Der Farewell Spit ist eine 30km lange Landzunge am nördlichen Ende des Südinsel. Von Takaka ist es ein Katzensprung. Am Visitor Information Centre erfahre ich, dass die Tour zur Landzunge schon um 8.00 Uhr losging. Ich bin natuerlich zu spaet und einen weiteren Tag Zeit habe ich nicht. Besucher duerfen nur die ersten vier Kilometer der Landzunge betreten, danach beginnt das Naturschutzgebiet. Immerhin kann ich ein DOC-Prospekt mit Beschreibungen der Wanderwege für $2 erbeuten. Ein Modell des Leuchtturms ist auch ausgestellt, so kann ich wenigstens den ablichten.

Gleich vor dem Visitor Centre führt ein Weg den Hang hinauf, man hat einen ziemlich guten Überblick über die Landzunge, zumindest von dem Teil, den man sehen kann. Es ist Ebbe und das Watt glänzt in der Sonne. Der Weg führt über eine Schafweide, man muss ziemlich aufpassen, wo man hintritt.

Fossil beach (farewell spit)ThiefDer nächste Weg führt mich wieder über Schafs- und Rinderweiden an den Fossil Point, an dem es ziemlich windig ist. Eine Robbe lugt hinter einem Felsen vor und der Wind bläst mir die Haare vor die Kameralinse. Ein schöner Ort, aber etwas ungemütlich. Ich muss mich erstmal im Café am Visitor Centre erholen. Eine Möve scheint auf den Diebstahl von Kuchenresten spezialisiert zu sein und nähert sich meinem Teller ziemlich dreist. Nachdem ich ein paar Fotos gemacht habe, verscheuche ich sie und fühle mich etwas undankbar.

Cape FarewellCape Farewell ist der nördlichste Punkt der Südinsel Neuseelands. Die Klippen sind steil und das Meer ist stürmisch. Der Anblick ist imposant, trotzdem er sicherlich schon tausendfach abelichtet wurde, kann ich nicht widerstehen, ebenfalls nochmal auf den Auslöser zu drücken. Auf dem Weg zurück müssen noch ein paar Schafe Modell stehen.

Wharariki beachDie spektakulärste Station ist Wharariki Beach, der Strand ist wieder über Schafsweiden zu erreichen. Ich versuche inzwischen nur noch den großen Brocken auszuweichen…
Der Strand ist wie die Sahara. Man stapft durch meterhohe Dünen und erahnt das Wasser in der Ferne. Es ist noch windiger als am Fossil Point, dementsprechend viel Sand fliegt durch die Luft. Obwohl ich die klappe halte, habe ich Sand zwischen den Zähnen und trotz Kapuze in den Ohren.

Ich bin natuerlich wagemutig und wechsel mehrfach die Objektive. Diese Mondlandschaft ist schon sehr fotogen. Nach einer Runde über den Strand habe ich allerdings genug Sand geschluckt und trete die Flucht an. Bei meiner Höhenexpedition ist mir ein Prospekt vom Museum of Wearable Art & Classic Cars in die Hände gefallen, also steuere ich nochmal Nelson an, es liegt eh auf meiner Route zurück in den Süden.

Beach access (rabbit island)Vor Nelson mache ich noch einen Zwischenstop am Rabbit Island, besonders spektakulär ist die Halbinsel jedoch nicht. Am Abend mache ich die Kamera sauber und vernehme ein unangenehmes Knirschen. Nachdem ich eine halbe Stunde jagt auf Sandkörner gemacht habe, scheint das Problem behoben zu sein. Erleichtert packe ich den Objektivzoo wieder ein und benutze meine Kameratasche (wie jede Nacht in einem Mehrbettzimmer) als Kopfkissen.

Tekaka

Things that suck in NZDinge, die merkwuerdig in Neuseeland sind: Wasserhaehne und Recycling. Meistens gibt es zwei Haehne, einen fuer kaltes, einen fuer warmes Wasser. Man kann sich also die Haende vereisen oder verbruehen. Das Prinzip einer Mischbatterie scheint bekannt zu sein, aber es ist total inkonsequent umgesetzt…
Was Recycling angeht, habe ich das Prinzip nicht verstanden, ueberall wird es anders gehandhabt. Teilweise wird Glas, Blechdosen und Kompost getrennt, aber Plastik fliegt in den Muell. Wenn Plastik recycled wird, muss es meistens ausgewaschen werden.

Zu den schoenen Dingen zaehlt die unheimlich grosse Freundlichkeit der Leute. Sie sind nicht uebertrieben nett, sondern grundehrlich nett, dementsprechend entspannt ist hier alles. Ich habe blind im voraus das Hostel in Motueka gebucht und das war ein Gluecksgriff. Genau gegenueber von der Touristen-Information (i-Site) und super nett. Die Besitzer kuemmern sich ruehrend um jeden einzelnen Gast. Ganz das Gegenteil von meinem Hostel die Nacht davor in Nelson: das war nur gross, modern, steril und anonym.

Motueka MarketHeute frueh war ich auf dem Markt in Motueka und habe die Stimmung sehr genossen. Es gibt von allem etwas, frisches Gemuese, Handwerkskunst und die tausend kleinen Dinge, die einen Markt so interessant machen. Ein aelterer Mann hat gleichzeitig Gitarre und Mundharmonika gespielt, langsam und duester. Die Musik war auf dem ganzen Markt zu hoeren, das hat der Szene einen sehr bizarren Touch gegeben.

Ngarua CavesIch habe mir dann erstmal einen Flat White geholt und mir ueberlegt, wohin ich fahren moechte. Nach einem kurzen Abstecher an die Sandy Bay vom Abel Tasman National Park bin ich weiter nach Norden, Takaka war das Tagesziel. Auf dem Weg dorthin kommt man an den Ngarua Caves vorbei, dort kann man Moa-Knochen bestaunen. Moa ist ein durch Menschenhand ausgerotteter, flugunfaehiger Vogel, der locker 2 Meter gross geworden ist. Es gibt vom Betreiber des angesiedelten Cafes Fuehrungen, die sehr interessant sind. Er scheint sehr engagiert zu sein, die meisten ausgestellten Knochen hat er selbst ausgegraben.
Witzig war das Namenssuchen am Ende der Hoehle. Hier haben sich viele Entdecker mit ihrem Namen verewigt, die aelteste Notiz ist von 1867 (glaube ich). Man konnte seinen Namen sagen und der Fuehrer wusste sofort, ob der Name vertreten ist und konnte auch gleich die passende Stelle an der Wand zeigen.

Ngarua CavesDie Gegend um die Hoehle ist sehr schoen, ueberall liegen Gesteinsbrocken herum und diverse Sink-Holes verkratern die Landschaft. Frueher sind wohl eine Menge Schafe und Hunde verloren gegangen, weil sie in die Oeffnungen gefallen sind, von denen einige in die Hoehle fuehren. Jetzt ist auch klar, wie die Moa-Knochen dort hingekommen sind 🙂

Tekaka ist klein und bemueht sich den Ruf der Hippie-Stadt zu pflegen. Man sieht einigen Menschen sofort an, dass sie hier schon eine laengere Zeit verbringen. Das Hostel ist klein, billig und sehr familaer. Der Besitzer spricht extremen Kiwi-Slang, wenn man sich reingehoert hat, versteht man aber relativ viel…
Hier wohn auch ein ein Brasilianer, der nicht so richtig sagen moechte, wie lange er schon in Neuseeland ist. „How long is long for you?“ „uhm… more than three months?“ „well, ok, i’ve been for long here.„. So zappelig und paranoid wie er mir erscheint, denke ich mir meinen Teil der Geschichte und versuche frei von Vorurteilen zu bleiben 😉
Nach und nach treffe ich auch auf ein paar Leute, die sich nicht verrueckt benehmen und bin halbwegs beruhigt. Ausserdem rufe ich mir immer den guenstigen Preis des Zimmers in Erinnerung ($32 fuer ein Einzelzimmer).

a prefect day ;-)Nachdem die Waesche auf der Leine ist – gewaschen wird in der Videothek gegenueber – fahre ich zu den Te Waikoropupu Quellen. Hier ist ein Paradies fuer Tiere. Das Wasser ist glasklar, vor Menschen besteht keine Scheu. Es gibt sehr viele Enten, denen ich endlos beim rumschwimmen zusehe. Eine sehr junge Ente, fast noch ein Kueken jagt Muecken und die Muecken jagen mich. Nachdem ich ausgiebig sie und ihre Freunde fotografiert habe, mache ich mich langsam wieder auf ins Hostel.

Abel Tasman National Park

Das Hostel in Nelson ist gross und steril. Dieses Mal habe ich kein Glueck mit dem Zimmer, drei andere Reisende naechtigen schon darin. Am Morgen frage ich nach den Moeglichkeiten im Abel Tasman National Park und entschliesse mich, den Wanderweg entlang der Kueste zu machen. Er soll einfach sein und etwas uebervoelkert, aber die Bilder von Ralph und Verena gehen mir nicht aus dem Kopf. In Motueka kann man wohl am besten die Wassertaxis buchen, deswegen breche ich gleich nach dem Fruehstueck dort hin auf. Das Prinzip ist das gleiche wie im Queen Charlotte Sound, man wird abgesetzt und abgeholt, nur wandern muss man alleine.

Dieses Mal versuche ich die Fototasche im Auto zu lassen. Als lebensnotwendiges Minimum sehe ich drei Objektive und die Kamera an, das passt zum Glueck in den Rucksack, nur die Regenjacke bleibt im Auto. Es wird ja nicht regnen, hoffe ich.

The taxi is waitingDie Wassertaxifahrt ist rasant, aber lustig. Der Taxifahrer erklaert uns noch kurz die Tierwelt und zeigt uns auf dem Weg nach Norden, wo die Abholpunkte sind.
Abel Tasman National ParkIch lasse mich in Bark Bay absetzen, die Strecke suedwaerts wird im Anhalter empfohlen und scheint nicht zu lange zu sein. Der Track gefaellt mir besser als der Queen Charlotte Track. Er ist ziemlich einfach zu laufen (mir begegnet sogar ein Paar mit einem Sportwagen fuer ihr Kind) und man hat ein paar ziemlich bombastische Sandstraende am Wegesrand. Auf allen Abzweigen ist die benoetigte Zeit angegeben, alles was nur 10 Minuten dauert, nehme ich natuerlich mit.
Es sind hier deutlich mehr Wanderer unterwegs. Alle 10 Minuten begegnet man anderen Wanderern, trotzdem wirkt der Track nicht so ueberlaufen, wie ich befuerchtet habe. Aber es ist ja auch erst Saisonbegin.

Abel Tasman National ParkDas Wetter haelt sich praechtig, die Regenjacke ist im Auto gut aufgehoben, die Sonnencreme allerdings auch. Als ich am ersten Abholpunkt, der Torrent Bay, ankomme, finde ich die Sonnencreme in meinem kleinen Rucksack. Mist 🙂
Ich habe noch zwei Stunden Zeit und keine Lust die ganze Zeit am Strand zu sitzen. Bei Ebbe kann man zum naechsten Abholpunkt in 30 Minuten gelangen, leider setzt die Flut gerade ein, ich muss also den etwas laengeren Weg von 90 Minuten nehmen. Der hat es aber in sich, ueberall rauschen kleine und grosse Baeche. Es gibt diverse Bruecken, darunter eine Haengebruecke.

Als ich am zweiten Abholpunkt ankomme, habe ich immer noch 45 Minuten Zeit. Ich sitze einfach faul im Strand und geniesse die Sonne.

Picton

Schweren Herzens breche ich in Kaikoura auf. Die Stadt hat ihren Charme und ich waere gerne etwas laenger geblieben. Statt dessen mache ich mich auf nach Picton, vielleicht schaffe ich es bis Nelson.

Picton Harbour Als ich um 6 Abends in Picton ankomme, beschliesse ich die Sache ruhig anzugehen und hier eine Nacht zu verbringen. Die Stadt ist eine ziemliche Enttaeuschung, der Anhalter bemerkt treffend, dass sie so richtig aufblueht, wenn eine Faehre von Wellington eintrifft. Trotz gelegentlich eintreffender Faehren, regt sich kaum etwas. Ich latsche etwas rum und schaue mir den Hafen an. Viel gibt’s nicht zu sehen, das Internetcafe schmeisst mich um halb 9 raus.

An der Rezeption erkundige ich mich nach Aktivitaeten, mir wird der Queen Charlotte Track ans Herz gelegt. Nach einer kurzen Zoegern, sage ich zu und buche den Bootstransfer. Man kann den Track in 3 bis 5 Tagen laufen oder Tagestouren machen. Man wird mit dem Boot hingefahren und abgeholt, bei Mehrtagestouren wird das Gepaeck per Boot zur naechsten Zwischenstation gebracht. Ziemlich bequem, aber auch keine wirkliche Herausforderung.

Queen Charlotte TrackIch soll um 7.40 am Pier sein, aufgrund von Verpeilung und einer Parkuhr-Verschwoerung bin ich um 7.55 da. Meine Verspaetung hat schon ziemlich Hektik ausgeloest. Ich springe ins Boot und entschuldige mich beim Skipper. Die Fahrt ist ziemlich „bumpy“: kleines Boot, hohe Wellen.

Wir werden am Ship Cove abgesetzt. Das ist Captain Cooks sicherer Hafen gewesen, hier hat er oft gehalten um das Schiff zu reparieren. Der Pfad ist am Anfang ziemlich steil und dann eher ein Spaziergang. Man erhascht zwischendurch immer mal wieder grandiose Blicke in den Queen Charlotte Sound. Ansonsten zwitschern die Voegel, die trockenen Baeume knacken und die Gedanken im Kopf sind auch ganz lustig unterwegs.

GreedyEs sind einige Wanderer auf dem Pfad, aber man hat ihn die meiste Zeit fuer sich. Wenn man sich trifft, gruesst man. Beim ersten Rastpunkt mit Aussicht, schaut ein Vogel, was er erbeuten kann. Nachdem ein Belgier ein Stueck Keks spendiert hat, flitzt der Vogel (was ist das eigentlich genau???) ins Gebuesch und erscheint kurz darauf mitsamt Nachwuchts.

Honey at the Queen Charlotte TrackHoney at the Queen Charlotte TrackKurz vor Ende des Tracks steht ein Schild am Wegesrand. Man kann Buschhonig kaufen. Da ein Hauptziel dieser Reise der Honig-Import ist, kann ich natuerlich nicht widerstehen.
Tatsaechlich steht ein paar Meter weiter ein Korb mit Honig und einer Muenzbuechse. Leider habe ich mein ganzes Kleingeld an die Parkuhr in Picton verfuettert. Fuer das kleinste Glas fehlt mir ein Dollar, ansonsten habe ich nur einen $20-Schein. Leise Flueche erklingen. Ich ueberlege noch, ob ich unehrlich bin oder $20 fuer ein Glas Honig bezahlen soll.
Auf dem Track erscheint eine Gruppe Wanderer, ich bin erfreut und frage, ob jemand den 20er wechseln kann. Eine junge Frau aus Israel hat nur $5. Als wir beide merken, dass das nichts wird, haelt sie mir den Schein hin „take it!„. Ich bin fast sprachlos und stammel etwas wie „Thank you“. Nachdem ich mich von meiner Verwirrung erholt habe, erwerbe ich hocherfreut ein kleines und ein mittleres Glas Honig.

Am Endpunkt des Tracks, es ist eine Lodge mit Kneipe, sammeln sich die Wanderer. Hier treffe ich auch wieder auf die Frau aus Israel. Ich mache meinen 20er klein und begleiche meine Schulden. So freizuegig, wie sie mir das Geld gegeben hat, waere das sicher nicht noetig gewesen, aber ein reinse Gewissen fuehlt sicher besser an 😉 Wir unterhalten uns noch ein bisschen, ich erfahre, dass man in Israel 2 Jahre zur Armee muss, aber die meisten Leute 3 Jahre Dienst leisten, weil es im dritten Jahr mehr Geld gibt und das wird dann meistens nach der Armeezeit in ein Jahr Urlaub investiert. Jetzt ist mir auch klar, wie sie sich in dem Alter (21) 3 Monate Neuseeland und hinterher noch 2 Monate Australien leisten kann 🙂

Auf der Rueckfahrt nehmen wir noch ein paar Bauarbeiter mit. Manche reiche Neuseelaender lassen sich hier im Nichts eine schoene Sommerresidenz hinbauen. Da die Gegend so unzugaenglich ist, muss alles auf dem Wasserweg transportiert werden. Kurz vor Picton macht uns der Kapitaen auf Delfine aufmerksam, die in der Naehe des Bootes schwimmen. Ich lasse fuer einen seltenen Moment in meinem Leben die Kamera stecken und geniesse einfach nur den Anblick. Manche schwimmen sehr nahe am Boot und springen froehlich durch die vom Boot erzeugten Wellen.

Ich fahre schnell zum Hostel meine Sachen aus dem Kuehlschrank zu holen und trete dann die Fluch nach Nelson an. Picton haette ich keinen Tag laenger ausgehalten. Der als malerisch beschriebene Queen Charlotte Drive stellt sich als ziemlich kurvig heraus, fuer die 30 Kilometer brauche ich fast eine Stunde, die restlichen 76km bis Nelson sind dann zum Glueck kein Problem mehr.

Kaikoura, Tag zwei

Nach dem morgendlichen Luxusfruehstueck habe ich mich zur Robbenkolonie aufgemacht. Hier kann man entweder oben auf den Klippen entlangwandern oder bei Ebbe auch unten am Strand. Ich habe natuerlich nicht vorher in der Information gefragt, wann Ebbe und Flut ist. Als ich am Parkplatz ankomme, schwappen die Wellen fast auf die Strasse, es muss also Flut sein.

Seal (relaxing)Eine Robbe liegt faul auf dem Weg zum Strand und wird von allen ausgiebig abgelichtet. Die Empfehlung sich den Tieren maximal 10 Meter zu naehern nehmen einige nicht zu ernst.
KaikouraMit ein paar anderen Touristen erklimme ich den Weg nach oben und geniesse den wunderbaren Ausblick. Hier ist die Landschaft wieder ziemlich beeindruckend, ich kann mich nicht entscheiden, ob ich sie bestaunen oder fotografieren moechte. Unten im Wasser tummeln sich Robben, oben scheint mir die Sonne auf den Pelz.

KaikouraAuf der Haelfte des Wanderwegs fueht ein Weg nach unten an den Strand. Ich habe schon viel Zeit mit staunen und fotografieren zugebracht und versuche mein Glueck am Strand. Glueck deswegen, weil ich nicht weiss, ob man am Strans ueberhaupt zum Parkplatz zuerueck kommt. Man ist den Tieren hier sehr nahe, unterwegs muss ich vorsichtig um eine faulenzende Robbe herumnavigieren. Man muss aufpassen, die Voegel nisten sehr nahe am Wasser. Wenn sie ihr Nest gegen einen Menschen verteidigen muessen, sind die Eier schutzlos anderen Feinden ausgeliefert. Ich halte also gebuehrenden Abstand und versuche so vorischtig wie moeglich zu sein.

KaikouraZwischendurch komme ich an einer Moevenkolonie vorbei. Tausende Voegel brueten hier, der Laerm ist beeindruckend. Als noch zwei Naturschuetzer auftauchen und die Kolonie naeher inspizieren, verdoppelt sich nochmal die Lautstaerke.

KaikouraIch gelange langsam wieder zum Parkplatz, die Gegend ringsum ist nun dank Ebbe zugaenglich, man kann ueber die freiliegenden Felsformationen wandern und die in der Gegend herumliegenden Tiere fotografieren.

Ich kann mich nicht so richtig entscheiden aus Kaikoura abzureisen, die Stadt hat ihren Charme, ist sehr entspannt und kennt keine Eile. Auf dem Weg zum Wanderweg habe ich einen Hinweis zur „Point Sheep Shearing Show“ gesehen, die auch im Anhalter empfohlen wird. Ich stelle mir darunter eine Art Cowboyshow mit Schafen vor und lasse mich ueberraschen.
The Point Sheep Shearing ShowWiedermal bin ich der einzige Gast. Der Schaefer ist sehr nett, erklaert so einiges, von dem ich wenig verstehe, weil mir die ganzen Vetaerinaervokablen fehlen. Er hat ein schwarzes Schaf, die Tiere sind selten und unbeliebt, weil schwarzes Fell die Wollqualitaet senkt.
Schafzucht ist in Neuseeland ein absteigender Wirtschaftszweig, es gab zu Spitzenzeiten mal 80 Millionen Schafe, jetzt sind es nur noch 40 Millionen. Manche Landbesitzer sind zum Weinanbau uebergegangen, das bringt mehr Geld. Das mag auch ein Grund fuer die Schafschurshow sein, sie bringt auch mehr Geld ein als die Schafzucht selbst. Fuer Schafswolle bekommt man zwischen einem und drei Dollar, zwei mal im Jahr kann man die Schafe scheeren, das sind 18 Dollar pro Jahr und Schaf. Nicht gerade ein Vermoegen.

Auf nach Kaikoura

de-luxe breakfastHeute war Petras Abreisetag. Wir haben gestern zum Abschied noch genuesslich in einem prima Thai-Restaurant gespeist. Nach dem ultra-luxuriosen Fruehstueck im Hostel (siehe Bild…) ging heute es dann zum Flughafen, sie ist ins Flugzeug gestiegen und ich wieder ins Auto. Ich glaube, sie war ein wenig besorgt, weil wir zusammen schon ein paar lustige Situationen im Linksverkehr hatten. Da wir aber aufgrund von ungeschickten japanischen Touristen die $100 Selbstbeteiligung der Versicherung sowieso bezahlen muessen, mache ich mir um Beulen im Auto keine Sorgen mehr 🙂

Das Ziel des Tages heisst Kaikoura, ca. 180 km noerdlich von Christchurch. Hier ist das Mekka des Whale watching. Ich habe gelesen, dass man die Tiere auch aus der Luft beobachten kann. Meine pro/kontra Argumentationslinie war ungefaer so:
Contra: teuer, kein Geld zurueck, wenn man keinen Wal sieht, Angst- und Kotzfaktor (Kleinflugzeug), durch die Scheibe fotografieren, Schwanzflosse und Horzont werden nicht plan auf dem Foto sein.
Pro: Statt 3-4 Stunden schaukeliger Kahn nur 30 Minuten im Flugzeug um sein Leben bangen, verschiedene Locations koennen abgecheckt werden, man sieht mehr vom Wal, weil von oben.

Ich bin dann einfach in die Touri-Info spaziert, hab gesagt, was ich machen moechte und keine 20 Minuten spaeter hatte ich eine Schwimmweste um den Bauch und die Kopfhoerer des Copiloten auf dem Kopf. Ich war der einzige Fluggast… Das hat den Vorteil, dass man vorne sitzen und sich mit der Pilotin ueber das Headset unterhalten kann. Allerdings muss man aufpassen, wo man sich festhaelt, wenn man Angst bekommt („don’t touch the controls…„).
Die Sorge war aber voellig unbegruendet, das kleine Flugzeug ist butterweich gestartet, war nicht viel holperiger als ein grosses und man hat eine prima Aussicht. Nach 15 Minuten habe ich so gedacht, dass ich ja nicht unbedingt einen Wal sehen muss, fuer $145 in so einem lustigen Flugzeug geflogen zu sein hat ja auch etwas.

Die Chancen sind wohl recht hoch, allerdings taucht ein Wal ca. 45 Minuten um dann wieder fuer ca. 10 Minuten zum Atmen an die Oberflaeche zu kommen. Wir hatten Glueck, tatsaechlich haben wir einen Pottwal gefunden, der sich auch viel Zeit gelassen hat. Ganze 10 Minuten lang sind wir dann ueber dem Tier gekreist und haben es aus allen moeglichen Winkeln betrachten koennen, zum Schluss gab es noch das imposante Abtauchen incl. Flossenwedeln. Das war echt prima, ich hatte nicht wirklich mit einer Walsichtung gerechnet und dann gab es gleich so ein Prachtexemplar.

Im Hostel wurde mir noch schnorcheln in der Naehe der Robben angeboten, aber das war mir dann irgendwie zu fett fuer einen Tag. Nicht nur was die Kohle angeht, das Wasser duerfte auch verflixt kalt sein, hier ist Fruehling und die Luft ist vielleicht 20 Grad warm. Ich schaue mir die Robben lieber morgen vom Land aus an, es gibt einen prima Wanderweg rund um die Landspitze entlang der Robbenkolonie.

Christchurch, das Tor zur Antarktis

Antarctic CentrePenguin FeedingGestern war ich mit Petra im International Antarctic Centre, eine Ausstellung rund um die Antartkis. Mit Audioguide legt man $36 auf den Tisch, fuer den Preis habe ich mir natuerlich alle Audiobeitraege angehoert und versucht alle Infos abzugreifen. Mit der Strategie haben wir ca. 3 Stunden zugebracht (incl. Souvenieshop…).
Highlight in dem Center ist die Pinguinfarm, in der Zwergenpinguine aufgepaeppelt werden, die in freier Wildbahn keine Ueberlebenchance haetten. Das Problem ist, dass sie nach der Genesung auch nur ca. 2 Wochen ueberleben wuerden und so ist das Antarctic Centre gleichzeitig Asyl fuer gerettete Pinguine.
Der grossartig angekuendigte Schneesturm war dann eher ein laues Lueftchen und Schnee gab es auch keinen. Ansonsten gibt es noch diverse Exponate und Audiovisuelles zum Leben der Forscher in der Antarktis. Wie das mit dem Klo im Zelt bei Schneesturm funktioniert, wurde leider nicht genau erklaert („Wie geht man auf die Toilette? Moeglichst schnell…„). Interessant: die Antarktis ist verdamm trocken. Deswegen laeuft einem wohl staendig die Nase und es gibt extra rosa Lamm(?)fell auf den Handschuhen, das nur dazu da ist, sich den Rotz abzuwischen.
US Antarctic ProgramChristchurch ist das Tor zur Antarktis, von hier aus werden die Stationen versorgt und von hier starten alle Expeditionen. Wenn man mit dem Flugzeug landet, sieht man auch gleich das grosse Gebauede des U.S. Antarctic Program. Davor war auch tatsaechlich eine Hercules LC-130 geparkt, die fuer solche Ziele mit Skiern ausgestattet werden kann.

Icecream & rainNach so viel Informationen brauchten wir erstmal etwas Luft um die Nase. Das naechste Ziel war Akaroa. Man kann hier wunderbar ausspannen und Touren zu den kleinsten Delfinen der Welt buchen: Hector-Delfine. Das Wetter wurde langsam ungemuetlich und und beiden war auch nicht so richtig nach organisiertem Entertainment zu Mute, deswegen habe ich nur ein Eis konsumiert und mich von Petra nach hause fahren lassen.

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