Februar

Ordnung auf der Baustelle ist wichtig, Z. hat erstmal mit zwei Böcken und Bohlen einen Tisch gebaut. Andererseits ist Aufräumen auf dem Bau fatal, weil nichts mehr an seinem gewohnten Platz liegt. Wir versuchen den gesunden Mittelweg und räumen nur auf, wenn es absolut sein muss. Dann aber richtig.

Heute sollen die Fundamente betoniert werden. Z. hat erstmal Rampen gebaut, damit wir mit der Schubkrarre überall gut hin kommen.

Ich stehe am Mischer und habe kein Gefühl für das richtige Verhältnis. Zu wenig Zement ist nicht gut, weil dann wird der Beton nicht fest. Zu viel Zement führt zu Schwundrissen. Bei zu wenig Wasser kann der Beton nicht abbinden, bei zu viel Wasser schwimmt er weg.

Lieblingswerkzeug des Tages: die Rüttelflasche, holt die Luftblasen aus dem Beton und sorgt so für höhere Festigkeit. So tief wie möglich in den Beton stecken und dann langsam hoch ziehen.

Fertig.

Auf das Fundament kommt Sperrbahn. Hält die Feuchtigkeit von unten aus der Mauer raus. Sparfuchs Z. zersägt mit einem alten Blatt auf der Kreissäge die 1m breite Bahn in zwei 50cm Stücken. 2€ haben und nicht haben…

Die neuen Wände parallel zum Giebel werden 17.5cm dick, die entlang des Firstes 24cm. Dickere Wände bringen mehr Stabilität, kosten aber auch Raumvolumen… Wir hätten vermutlich auch alle Wände gleich dick machen können, aber wir wollen auch in den nächsten 100 Jahren das nicht noch einmal machen müssen, also gehen wir auf Nummer sicher und machen die Wände dicker, bei denen wir den größeren Lasteintrag vermuten.

Wir bestellen Steine mit höherer Dichte und erhoffen uns damit mehr Druckfestigkeit und Schallschutz. Gegenüber „normalen“ Porenbetonsteinen (leichter, bessere Wärmedämmung) sind das Exoten und der Baustoffhandel kündigt schon mal an, dass wir nicht verbrauchte Steine nicht zurück geben können. Die Mengenkalkulation ist also schon eine kleine Herausforderung.

Innen geht es erstmal mit zwei lagen alter Steine los, Kalksandstein und Ziegel im bunten Mix. Damit sind wir knapp über dem Fußbodenniveau mit dem Porenbeton und die letzten Promille Wahrscheinlichkeit, dass Feuchtigkeit in der Wand nach oben steigen kann sind gebannt. Außerdem haben wir gleich ein paar Steine verarbeitet, die schon ewig auf dem Hof rumlagen.

Damit es losgehen kann, muss irgendjemand die Steine an Ort und Stelle schaffen. Doppelte Druckfestigkeit bedeutet auch doppeltes Gewicht…

Gemauert wird auch nicht einfach mit Zement-Mörtel, sondern mit einem Kalk-Mörtel.

Z. besorgt dafür extra hydraulischen Kalk aus einem Spezialbaustoffhandel.

Der Grund ist nicht etwa gesteigertes Interesse an historischen Bauverfahren, sondern ganz trivial: „Der verarbeitet sich viel schöner“.

Der abgestützte Balken wird in der Mauer enden und soll auch wieder durch einen Holzpfosten abgestützt werden. Damit er nicht wegrutschen kann, hat Z. extra eine Aussparung in den Sockel betoniert.

Die Operation ist dann recht knifflig. Der neue Balken soll exakt passen, zu viel Spiel ist nicht gut, hat er zu wenig, bekommen wir ihn nicht eingebaut. Erstmal den Balken oben sauber ausklinken.

Dann das Gegenstück genau anpassen.

Keinen Fehler machen.

Unten rum sieht’s auch schon ganz gut aus.

Jetzt kommt der spannende Teil: wie bekommen wir den eigentlich fest? Wie sich rausstellt: mit Keilen. Der Balken wird damit so weit wie möglich „hoch gekeilt“ und in die Lücke zwischen Sockel und Balken stopfen wir mit Fugenkellen Mörtel. Die Keile kommen am nächsten Tag raus und dann sitzt der Balken bombenfest.

Tadaa.

Die nicht mehr zu verwertenden Balken wurde inzwischen in ein handliches Format konvertiert.

Wir üben erstmal demütig mit Lehm an der Fassade.

Die Gefache sind geschwunden und ausgewaschen. Wir stopfen Lehm in die Ritzen zwischen Holz und Gefach und gleichen den ausgewaschenen Lehm aus. Später kommt von außen die Dämmung drauf und je weniger Luft zwischen Dämmung und Fassade ist, desto besser. Angesicht der Matscherei, die wir veranstalten ist es auch ganz gut, wenn unsere Gehversuche später hinter der Fassade verschwinden.

Das Resultat ist nach ein paar Tagen nicht ganz überzeugend.

Gelernt: Der Quirl ist nicht ganz so effektiv, wenn Stroh im Lehm ist.

Wir matschen uns so langsam an der Fassade entlang.

Ein großer Spaß.

Wir haben für den südlichen Schornstein eigentlich keine Verwendung, aber das Tantchen hat sich einen Kaminofen gewünscht, falls mal Krieg ist und -30°C oder so. Also wird zumindest ein Zug angeschlossen, vielleicht können wir den anderen noch für Installationszwecke Nutzen.

Mauern ist jetzt anstrengender, weil wir auf dem Gerüst arbeiten und dort alles hoch schleppen müssen. Die Decke hängt doch recht tief und ständig fallen mir die Kellen runter…

Kind 1 darf mithelfen und pinselt fleißig Steine mit Wasser ein. Ohne einpinseln würden die Steine das Wasser aus dem Mörtel saugen und so sein Abbindeverhalten verschlechtern.

Der Sturz an unserem Spezialbalken muss auch noch rein. Das Auflager ist recht schmal geraten, aber wir beschließen, dass es schon ok sein wird und bauen ihn so ein.

Die anderen Stürze kommen auch rein.

Jeder Stein ist jetzt fummelig, viele müssen geteilt werden – es stehen ja immer noch die ganzen Stützen herum und stützen die Decke ab.

Fast geschafft.

Fundstücke: Mäusenest mit Zeitungsfetzen in Frakturschrift.

Algebra am Schornstein.

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