The Beach

Aus der Abteilung thailändische Merkwürdigkeiten: Mülltonnen. Ich dachte Anfangs, das sind überdimensionierte Eintöpfe. Es sind aber Mülltonnen. Die werden scheinbar aus alten Reifen hergestellt, die Tonnen sind aus verschiedenen Gummiteilen zusammengetackert. Verwunderlich: wie kommt ein Land, das so viel Müll produziert mit so kleinen Mülltonnen aus?

Ein zweites Phänomen sind Lose: in jeder größeren Stadt pflastern Losverkäufer die Bürgersteige. Die Lose sind auf einen Tisch genagelt und der Käufer kann sich seine Lose aussuchen. Die Thais müssen sehr lottoverrückt sein. Der Losverkauf ist scheinbar für viele Menschen der Lebensunterhalt und Lose für andere wiederum Lebensinhalt.

Noch ein Wort zu den Internetcafés: es gibt sie an jeder Ecke. Allein Pai, das eigentlich nur aus vier größeren Straßen besteht hat mindestens 20.
Die Rechner sind alle hochgradig verseucht. Man findet diverse Virenscanner und Adware-Remover auf den PCs, trotzdem öffnen sich ständig Popups und Warnungen des (nicht lizensierten) Virenscanners. Vielleicht ist die Leitung auch nur deshalb so langsam, weil Bots von allen Rechnern permanent Spam in die Welt senden.
Viren scheinen ein Ärgernis zu sein, das man so hinnimmt, wie die Magen-Darmerkrankung, die von dreckigem Essen herrührt. Die Ursache für den ganzen Schlamassel nimmt hier niemand in Angriff.
Dafür kann man auf den Rechnern, dem Administrator-Account sei dank, machen, was man möchte. Meine Erste Amtshandlung ist immer Firefox runterzuladen. Das nächste Mal nehme ich mir einen USB-Stick mit den wichtigsten Tools mit 😉

So, zurück in die wirkliche Welt. Sagte ich gestern etwas von laschem Essen? Natürlich habe ich eine Garküche gefunden. Die Farangs am Nachbartisch lassen ihre Suppe stehen, weil sie zu scharf ist. Das sollte mir eine Warnung sein. Ist es aber nicht. Ich bestelle Somtam, den leckeren Papayasalat. „Spicy!“.
Eine halbe Stunde später schlagen Flammen aus meinem Mund. Über das Dazwischen möchte ich nicht reden 😉

Am Morgen gibt es wieder Müsli für den geschundenen Magen. Ein Fahrer holt mich mit seinem Luxus-Pickup ab. Am Pier ist Gewühle, ich reiche den Voucher über den Tisch und bekomme wieder einen Aufkleber auf die Brust.
Das Ausflugsschiff entpuppt sich als die Fähre nach Ko Phi Phi, auf der ich zwei Deutsche vom gestrigen Ausflug wiedertreffe. Als nach 90 Minuten Ko Phi-Phi in Sicht ist, werden die meisten Gäste auf ein anderes Schiff geladen. Sie tragen einen anderen Aufkleber und so verbleibe ich auf der Fähre. Auf dem Pier in Ko Phi Phi Don findet man das bekannte Bild – Werber über Werber. Ich will nach dem Ausflug weiter nach Krabi und habe ich meinen Rucksack dabei. Aufgrund dessen bekomme ich sehr viele Angebote für ein Zimmer.
Neben dem Pier werden die ausflugswilligen Gäste versammelt. Ich kann meinen Rucksack in einem Laden lassen. Meine größere Sorge ist nicht, dass der Rucksack wegkommt, ich befürchte eher den Laden nicht mehr wiederzufinden 😉

Koh Phi Phi

Zum Glück muss ich mir um den Rucksack in den nächsten Stunden gar keine Sorgen machen. Statt dessen sterbe ich, stellvertreten für meine Kamera, 1000 Tode. Ich bin davon ausgegangen, dass der Ausflug wieder auf einem großen Schiff stattfindet. Statt dessen werden wir in 6er Gruppen in Longtailboote gesetzt.
So ein Boot kann sehr wackeln. Besonders, wenn es sich durch
die von großen Booten verursachten Wellen kämpft. Ich rede mir ein, dass ein gekentertes Boot schlecht für’s Geschäft ist und dieser nette Herr am Steuer keinesfalls arbeitslos werden möchte.

Wir erreichen Ko Phi Phi Leh unbeschadet und arbeiten uns an den steil in den Himmel aufragenden Felsen voran. Es gibt ein paar Höhlen im Felsen, in denen auch Menschen zu wohnen scheinen. Wohnraum ist hier wahrscheinlich das, was man sich nimmt.

Wir halten in einer Bucht, die fast vollständig von Felsen umschlossen ist. Das Wasser ist glasklar und man kann in Ufernähe stehen. Ein paar andere Longtailboote entlassen ihre Gäste und auch wir nehmen ein erfrischendes Bad. Ich schwimme ein paar Mal ums Boot und genieße den Anblick von Wasser, Felsen und Himmel. Die Fische genießen meinen Anblick und knabbern an mir rum. Das zwickt und ich erschrecke mich jedes Mal 😉 Also zurück ins Boot, Fotos machen.

Ko Phi Phi Leh

Danach geht es weiter in eine andere Bucht. Hier drängeln sich die Speedboote und versuchen um die Longtailboote und die Horden von Schnorchlern einen Weg zu finden.

Snorkling stop at Ko Phi Phi Leh

Die Schnorchel sehen nicht sehr appetitlich aus. Ich frage mich wie gestern auch, ob die überhaupt jemals sauber gemacht werden. Ich reinige meinen ausführlich mit feuchten Instantwaschlappen, spühle ihn gründlich mit Wasser ab und betrete das Aquarium. Meine Brille ist undicht und ich lasse mir einen anderen Schnorchel geben. Den kann ich im Wasser nicht so gründlich sauber machen. Ach egal 😉 Das bisschen Herpes… 😉

Weiter geht es, wir hüpfen lustig über die Wellen und kämpfen uns entlang der Insel. Schliesslich öffnet sich vor uns wieder eine Bucht mit einem Strand. Es ist DER STRAND.
Es sieht wirklich aus wie im Film. Die Felsen sind hoch und grün, das Wasser glasklar und der Sand ist weiß wie Koks 😉
Wenn man genauer hinschaut: überall liegt Müll, es sind hunderte von Menschen hier, das Aufheulen der Speedboote hallt durch die Bucht 🙁

Overcrowded Maya Bay (also known as "The Beach")

Wir halten an einem kleinen Strand gegenüber vom Hauptstrand. Während die Ausflugsgäste den Anblick genießen, schleppt die Crew das Essen heran.
Ich mache Fotos und versuche die Momente abzupassen, in denen keine Menschen durchs Bild rennen. Das ist sehr, sehr schwer…
Das Essen gleicht dem vom Vortag, schmeckt aber trotzdem super.

Koh Phi Phi

Nachdem sich alle satt gegessen und gesehen haben, geht es wieder zurück nach Ko Phi Phi Don. In der Nähe vom Pier gibt es nochmals einen Schnorchelstop, die Crew verfüttert übrig gebliebenes Essen an die Fische. Dass die Viecher so sehr auf Omlets stehen, ist mir auch neu.

Ich bleibe dieses Mal lieber im Boot: meine Hose ist gerade so schön trocken, peinliche Flecken möchte ich vermeiden.

Auf dem Pier erbeute ich noch schnell einen Eiscafé. Auf der Fähre lerne ich, dass man auch mit Lichtschutzfaktor 30 einen prima Sonnenbrand bekommen kann. Die Theorie war mir ja auch soweit klar, es geht aber nichts über den Selbstversuch 😉

Auf der Fähre kann man für 50 Bath einen Bus zum Hotel buchen. Ich denke, dass es besser wäre mit dem Tuk Tuk direkt zum Hotel zu fahren, statt eine große Schleife durch die Stadt bei der alle Touristen auf den Hotels verteilt werden.
Am Pier in Krabi habe ich diesen Teil der Überlegung schon wieder vergessen und kaufe mir ein für 50 Bath ein „Busticket“. Als es heisst, „wait here 10 minutes“ fällt mir wieder ein, warum ich ein Tuk Tuk nehmen wollte 😉
Ich warte. Irgendwann geht es wohl los: der dicke Mann, der fleißig Fahrgäste geworben hat, winkt. Wir betreten eine Art Konservenbüchse. Als sich ein Mann mit Schirmmütze auf einen Sessel setzt und den Motor startet, stelle ich fest, dass wir im Bus sitzen.
Fahrziel ist wohl „Krabi Town“ und ein Strand. Ich hatte den dicken Mann zwei Mal gesagt, in welches Hotel ich möchte. Wir fahren an besagtem Hotel vorbei, ohne zu halten. Ich sage ihm, dass ich aussteigen möchte. Der Bus hält, ich mache Anstalten auszusteigen, der dicke Mann brüllt in Gestapotonlage „Ticket please!“.
Thais sind komisch. Ich hatte das Ticket die ganze Zeit in der Hand, weil es niemand sehen wollte. Plötzlich scheint das Fortbestehen des Universums von meinem Ticket abzuhängen.

Auf der Straße stoße ich fast mit Andrew zusammen, er ist sehr erfreut mich wiederzusehen. Ich bin sehr erfreut, dass er mir sofort meine 400 Bath wiedergibt, die ich für das nicht in Anspruch genommene Zimmer gezahlt hatte. Er ist sehr erfreut, dass ich wieder bei ihm einchecke und dazu noch ein Taxi für den nächsten Mmorgen möchte.
Als ich sein Angebot von 350 Bath für sehr teuer halte und etwas von 250 sage, ist er plötzlich nicht mehr erfreut und wendet sich einer seiner Mitarbeiterinnen zu.

Ich latsche ein bisschen durch die Stadt und versorge mich mit Ananas und Eiscafé.
In einem weiteren „7 eleven“ bin ich mutig und probiere „Milk Tea“. Oh, das ist genau der Tee, den ich schon mal hatte und sehr lecker fand.
Der Tee ist fast schwarz wie Kaffee und kommt geschmacklich in etwa an Roibostee heran. Unten in der Tasse ist ein dicker Klecks „Milch“, also diese geüsste Kaffeesahne. Wenn man dann umrührt wird aus der schwarzen Brühe hellbrauner Tee, in den man besser keinen Zucker mehr macht 😉
Soweit versorgt finde ich auf dem Markt noch einen Crepes-Stand, der dieses Mal echte Bananen zu bieten hat. Natürlich sage ich zu „Wid mild?“ Ja. Es gibt über die „Milch“ nochmal eine Extraportion Zucker. Das resultierende Backwerk ist sehr, sehr süß.
Als ich nach einer Überdosis Ananas meine Zunge nicht mehr spüre, beschliesse ich erstmal mit dem Essen aufzuhören 😉

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