Irgendwas mit Lehm

Inzwischen kann man erahnen, wie es mal werden soll. Das wäre der Blick vom Wohnzimmer ins Esszimmer und hinten rechts ist die Küche.

Die Kelleraußenwand macht auch gute Fortschritte. Z. vermauert diverse Reste strategisch: Poroton-Ziegel unten, weil sie wasserabweisend sind, Gasbeton im Türbereich und am Gewölbe, weil er sich einfacher bearbeiten lässt. Klingt total logisch, aber als Laie macht man sich über solche Details im Voraus natürlich keine Gedanken.

Außerdem lernen wir, was passiert, wenn man Lehm einweicht und ihn dann in einer Ecke vergisst: er schimmelt 🙁 Das ist erstmal unschön, aber nicht dramatisch. Wenn der Lehm trocken ist, verschwindet der Schimmel wieder. Aus diesem Grund wird bei einer Wandheizung unter Lehmputz auch immer der Lehm erst an die Wand geschmiert, wenn die Heizung funktioniert.

Ich bin in Zerstörerlaune und zerstöre die alte Wand und die Klotür, welche das Klo vom Flur abgeteilt haben.

Das Holz hier ist ziemlich wurmig.

Geschafft.

Oh, da waren ja noch die Hasenställe. Seit Äonen nicht mehr benutzt, aber das ist kein Grund sie wegzuschmeißen, zu verbrennen oder zu verschenken. Eine kurze Nachricht in die Mutti-Gruppe des Dorfes, und schon haben die Hasenställe ein neues Heim und auch bald neue Bewohner.

Fundstücke: Knöpfe, wiedermal handgeschmiedete Nägel, eine Käsereibe, die unter der Fußleiste steckte.

Kellerwand

Es wurde ein Betonierbeschluss gefasst. Der Mischer ist startklar, wir haben sogar Kies mit Bewehrungselementen. Overkill, aber wir machen ja keine halben Sachen.

Wir haben beim letzen Mal uns den Rücken krumm für das Fundamentloch gemacht. Der Boden ist hart, lehmig und voller Steine. Irgendwann wird die erreichte Tiefe für gut befunden. Dan kommt der Teil, dessen Komplexität mich immer überrascht: die Schalung. Eigentlich brauchen wir ja nur zwei Bretter, damit der Beton nicht wegläuft, aber die müssen ja oben Plan sein, damit man gut abziehen kann. Dämmung will auch noch verbaut werden. Der Boden ist uneben, die Bretter müssen angepasst werden… Ich bewundere wie planvoll und geduldig Z. an die Sache rangeht.

Irgendwann ist die Schalung fertig, incl. Sperrung gegen Feuchtigkeit von außen, Dämmung und Bewehrungseisen.

Nur ein paar Schubkarren Beton später …

Die blaue Plastikfolie ist die Aussparung für die Tür. Im Keller kann man gerade so in der Mitte stehen und irgendwie muss ja noch die nach innen öffnende Tür reinpassen. Das Fundament ist an der Stelle etwas ausgespart und wir hoffen einfach, dass der Beton unter das Brett fließt. Das Top-Tool beim Betonieren ist übrigens eine Rüttelflasche, die holt die Luft aus dem Beton und sorgt für gute Verdichtung. Darf eigentlich auf keiner anständigen Baustelle fehlen…

Als Nebenprojekt baue ich mir noch ein mini-KNX Setup zusammen. Ich hab ja nach dem Studium der Bibel beschlossen Elektro incl. KNX komplett selbst zu realisieren. Um das gelesene auszuprobieren, habe ich ein Netzteil, Dali-Gateway, einen Aktor mit Binäreingang und einen Bewegungsmelder zusammengeklickt.
Die Enttäuschung ist groß, als ich feststelle, dass eigentlich nichts geht. Schon das Programmieren meines LAN-Interfaces will nicht gelingen. Irgendwann nach zwei verzweifelten Abenden und viel google stelle ich fest, dass mein 2nd Hand Netzteil die Busspannung hinten ausgibt und spezielle Trägerschienen benötigt, an die man den Bus anschließt. Ich hatte den Bus mit der 29V Hilfsspannung betrieben, die vorne anliegt. Das geht zwar scheinbar, aber die Fehler sind subtil und führen zu grauen Haaren.

Lehm raus, Keller auf

Die Agenda ist Lehm aus den Wänden holen und im Keller eine neue Wand hochziehen.

Im Hof blüht der Birnenbaum. Schon allein für den Baum hat sich der Hauskauf gelohnt 😉 Die Birnen sind klein und suboptimal, was das Verhältnis Fruchtfleisch und Kerngehäuse angeht – aber sie schmecken super. Tantchen I. weckt sie jedes Jahr in industriellem Maßstab ein.

Die eingeweckten Birnen sind die wichtigste Zutat für Bernhütes (= Birnenklöße). Das sind Hefeklöße, aber statt Rotkraut und Fleisch gibt es dazu eine süße Soße aus diese Birnen. Es ist super lecker, man isst immer zwei Teller mehr, als eigentlich vernünftig ist und danach fällt man ins Fresskoma.

Beim Schornstein in der Küche wird es interessant. Der steht frei im Raum, an den jetzt freigelegten Wänden klebt noch alte Tapete. Der Schornstein wurde also erst nachträglich gemauert.

Mit dem vom letzten Mal eingeweichten Lehm verschmiert T. die Schlitze, die ich beim Kabel rausrupfen hinterlassen habe.

Derweil geht es der Wand vom ehemaligen Klo zu Leibe.

Langsam hab ich den Dreh raus und es geht halbwegs zügig voran.

Einzig das langsam überhand nehmende Chaos nervt mich ein wenig. Eine Ecke ist für Lehm, Säcke mit Tapetenresten stehen rum, wohin der alte Ofen soll ist noch unklar, Werkzeug und Kabel treten sich auf dem Boden fest…

Im Keller hat Z. sich inzwischen komplett durch die Wand gearbeitet, man kann den abgeschlossenen Bereich dahinter jetzt betreten.

Wir legen als erstes die Position der zukünftigen Mauer fest. Wir erinnern uns: der Gewölbekeller steht 1.5m aus dem Haus heraus und soll etwas abgetragen werden. Damit das Gewölbe sicher stehen bleibt und wir keine unschönen Abbruchkanten haben, wollen wir erst von innen die neue Mauer hochziehen und dann den überstehenden Keller abtragen.

Dafür messen wir von außen entlang über den Flur bis in den Keller mit Disto, Zollstock und Winkel. Wir wollen ja eine Mauer schaffen, die wirklich exakt mit der Außenwand des Hauses abschließt. Erst wenn die Mauer steht und wir den überstehenden Teil des Gewölbekellers abgetragen haben, werden wir wissen, ob wir richtig gemessen haben. Wir messen lieber nochmal nach…

Irgendwann sind wir uns sicher genug. Die Kante des Brettes ist die Außengrenze des Hauses. Dort muss die äußere Mauerseite hin.


Fundstücke (1): Tantchen I. mistet aus und hat lauter Glückwunschkarten zur Silberhochzeit ihrer Eltern gefunden.

Fundstücke (2): handgeschmiedete Nägel / Haken. Nicht super interessant, aber mich verblüfft immer die Tatsache, dass die Dinger handgeschmiedet sind und wie viele davon in dem Haus verbaut wurden. Zeit war früher eine Ressource, die scheinbar im Überfluss vorhanden war.

Rumpelkammer entrümpeln

Heute ist die Rumpelkammer dran. Hier stehen noch ein Paar Möbel, bei denen noch nicht entschieden wurde, ob sie zerhackt oder aufgehoben werden.

Die Truhe wird natürlich aufgehoben.

Die Rumpelkammer ist seit je her das Zimmer im schlechtesten Zustand. In den 50ern ist durch einen Wasserschaden ein riesiger Lehmfladen von der Decke gefallen. Tantchen I., war zu der Zeit noch Kind, aber zum Glück gerade nicht in ihrem Bett – das stand nämlich genau drunter.
Das Loch wurde nie geflickt, statt dessen hängt seit Jahrzenten an der Stelle ein Stück Plastikfolie.

Der Fußboden ist auch etwas wackelig.

Z. und Kind 1 stapeln derweil die Steine vom Waschkessel. Weil wir gerade keinen Container haben, ist der Plan die Steine von der Ebene auf die LKW-Ladefläche zu schubsen.

In der Rumpelkammer geht es der Tapete an den Kragen. Die ist direkt auf den Lehm geklebt und geht super einfach ab.

Das wäre geschafft.

Als letzte Tat des Tages und aus Neugierde weiche ich einen Eimer Lehm ein. Wir wollen ein paar Löcher zuschmieren und ausprobieren, wie es sich mit Lehm arbeitet. Weil der Lehm 200 Jahre kein Wasser gesehen hat, lasse ich ihn sicherheitshalber etwas länger einweichen.

Schwalbenrausschmiss, schwarze Küche

In der Waschküche im Ergeschoss stand immer ein Fenster auf, damit die Schwalben dort nisten konnten. Wir haben das Fenster bei Beginn der Abbrucharbeiten zu gemacht, damit die Vögel schon mal wissen, dass sie demnächst eine neue Bleibe benötigen. In der Scheune hat Z. extra deswegen eine Öffnung geschaffen. Leider haben Schwalben eine große Liebe zur Heimat und wollen unbedingt wieder ins Haus. Für die Schuttrutsche haben wir im Obergeschoss ein Fenster rausgenommen, die Schwalben haben das als Einladung aufgefasst. Nun müssen wir sie morgens erstmal rausscheuchen.

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Ich mache mich als erstes an die Decke im Flur, das Stück, was mal Klo war, soll von den Sauerkrautplatten an der Decke befreit werden. Mit roher Gewalt komme ich ganz gut voran.

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Weil ich grad so gut in Schwung bin, soll die „Schwarze Küche“ als nächstes dran sein. Diese Küche ist ein Teil des Hauses, der einen – neben dem Gewölbekeller – am weitesten in die Vergangenheit zurück blicken lässt:

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In der Küche gab es offenes Feuer. Man sieht unter dem abgeplatzten Putz den vom Rauch schwarz gefärbten Lehmputz. Der Fußboden ist mit Backsteinen gepflastert, die über die Jahre rund gelaufen wurden. ist Hier ist auch der Eingang zum Gewölbekeller.

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Mitten in der Küche steht ein großer Waschkessel. I., die schon seit 1946 in dem Haus wohnt: „Der Kessel war nie in Betrieb und hat schon immer gestört“. Der Kessel selbst ist nicht mehr da, aber das Drumherum, in dem Feuer gemacht wurde. Eigentlich will ich den Steinhaufen mit schwerem Gerät symbolträchtig abtragen, aber ich kann die mit Kalkmörtel vermauerten Steine meist mit der Hand abnehmen. Selten brauche ich einen Schlag mit dem Hammer um einen Stein zu lösen.

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Kurze Zeit später:

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Dem komische Absatz an der linken Wand geht es auch gleich an den Kragen. Er ist scheinbar ohne Funktion vor die eigentliche Wand gemauert worden. Wenig später ist er Geschichte.

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Was dann zum Vorscheinen kommt, stimmt mich etwas missmutig. Der Balken ist am Fußboden komplett weggefault. Kommentar von Z. „Ach, das kratzen wir aus und füllen Beton rein.“. Na dann…

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Fundstück 1: Lokalzeitung von 1983:

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Fundstück 2: irgendwelche Knochen in der Asche vom 60 Jahre nicht benutzen Waschkessel.

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Habemus Schuttrutsche

Z. hat eine Schuttrutsche organisiert. Hurra! Statt den Lehm runter zu schleppen, kann ich ihn runter rutschen lassen.

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Das Lehmlager füllt sich. Die durch den Hof wabernden Wolken von Lehmstaub ignoriere ich.

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Am nächsten Tag ist das Klo am Ende des Ganges dran. Hier soll der Ausgang auf die Terasse hin, die Räume links und Rechts davon sollen ein Wohn / Essbereich werden. Erstmal muss natürlich der Putz runter. Mit meinem neuen Lieblingsspielzeug von Wacker geht das ganz gut.

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Zwar ist der Lehmberg kleiner geworden, dafür wächst wieder der Berg mit Bauschutt…

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Geschafft:

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Mehr Lehm

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Ich gehe etwas brachialer vor, jetzt weiss ich ja, wie es geht. Zuerst kratze ich von einer Seite den Lehmputz runter um dann den Lehm in den Gefachen selbst zu entfernen. Bin ich bei den Lehmstaken (vertikale Hölzer) angekommen, entferne ich genug Fachgerten (horizontale Weidenzweige) um die Lehmstaken rausnehmen zu können. Dann die restlichen Fachgerten. Zum Schluss geht es dem Lehm auf der anderen Seite an den Kragen. Mit ein bisschen Übung kann man das ganze am Stück “herausnehmen”:

Destroy 11!!!!1 pic.twitter.com/cev14VhYQV

— melle (@dysternis) April 16, 2016

Ich komme bei der Wand mühsam voran, der Lehm türmt sich dafür schon in den Zimmerecken. Im Lehmlager wäre platz, aber wir haben noch keine Schuttrutsche.

Der Master-Plan ist, allen Lehm aus den Wänden in der Scheune einzulagern und dann als grobe Putzschicht wieder an die Wand zu bringen. Da wir eine Wandheizung unter Lehmputz haben wollen, ist der Lehmbedarf enorm. Je mehr Lehm wir recyclen, desto weniger müssen wir kaufen. Die Idee des Lehmlagers habe ich aus dem Baublog Lehmlawine, das ich mir zur Vorbereitung unseres Bauvorhabens einmal komplett durchgelesen habe 🙂

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Der verlängerte Flur war früher ein Durchgang in die Scheune, irgendwie war dort auch ein Klo – oder besser Loch, das gerne als “Scheißnase” bezeichnet wird – bei dem es im Winter eisig von unten herauf zog. Jetzt gibt es an der Stelle immer noch ein Klo, diesmal mit Wasserspülung. Es muss natürlich weichen, an der Stelle wollen wir später auf den Balkon gelangen. Kind 3 (4 Jahre) macht sich derweil hier zu schaffen und entfernt die Tapete. Höchst akkurat, und wenn man nicht hinsieht, hat man auch nicht so große Angst, dass es von der Leiter fallen könnte.

Elektroinstallation debuggen

Die Herausforderung in unserem Haus ist, dass es noch bewohnt ist. Tantchen I. bewohnt einen Teil, wir trümmern in einem anderen herum. Also muss man die Elektroinstallation stück für Stück auseinander nehmen. Ich schraube also ein paar Verteilerdosen auf und gucke ob noch Saft drauf ist.

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Da der Sicherungskasten unterhaltsam beschriftet ist (1,2,3,4,5,6,7,6,8,9,…), knipse ich nach Ausschlussverfahren Sicherungen aus und messe immer wieder, ob „meine“ Leitung nun endlich tot ist. Nachdem ich die Sicherung zweifelsfrei identifiziert habe, überklebe ich sie im ausgeknipsten Zustand mit Duct-Dape. Sicher ist sicher. Nach einem halben Tag merke ich, dass der Tiefkühlschrank vom Tantchen auch tot ist. Schnell wird eine Kabeltrommel zu Hilfe genommen und gehofft, dass der Inhalt des Kühlschranks den kurzen Temperaturanstieg verkraften wird.

T. stemmt derweil mit den Zwergen Lehm aus den Gefachen im Dachgeschoss, in die später Fenster kommen. Das soll mal unser Schlafzimmerblick werden.

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Ich versuche derweil in der Scheune Platz für Lehm zu schaffen. Dabei fluche ich wiedermal über den Schlitten. Nicht irgend ein Schlitten. Mit dem Haus ist ein Pferdeschlitten in unseren Besitz übergegangen:

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Die Geschichte um den Schlitten ist etwas verworren. Er gehörte irgendwann einmal jemand anderes, wurde aber bei uns „vergessen“. Das ist jetzt schon 50 Jahre her oder so, aber es gibt immer noch verschwörerische Blicke, wenn das Thema auf den Schlitten kommt. Naja, meine Priorität ist Platz in der Scheune, ich bin herzlos und hänge nicht an altem Plunder, also sage ich „das ist gutes Feuerholz“. Die Antwort ist ein Aufschrei, aber wenn ich frage, wer ihn haben möchte, ist es ganz still. So ist es im ganzen Haus. Lauter alter Plunder, der von diversen Verwandten für viel zu schade zum Wegwerfen befunden wird („das ist ja so ein schönes Stück“), aber haben will das alles keiner, und wenn man es zerhackt, ist es eine Tragödie.

Ich wollte aber eigentlich Platz für Lehm schaffen. Es gibt einen geeigneten Platz, aber da liegt noch in einer Ecke Sand. Irgendwelcher spezieller Sand zum Beton machen. „Den haben wir kurz nach der Wende gekauft, man wusste ja nicht, wie lange es noch was gibt…“.

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Der Sand ist also zu schade zum Wegwerfen und muss irgendwo anders hin. Ich baue nebenan irgendwas aus übrig gebliebenen Hohlblocksteinen und eine Rampe um den Sand dort mit der Schubkarre reinzukippen. Zum Glück mache ich nichts beruflich auf dem Bau…

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Natürlich gibt es einen Fehler im Plan. Ich ignoriere das professionell.

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Es wird waghalsiger.

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Aber nach „ein paar Schubkarren“ ist der Sand wo er sein soll.

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Und der zukünftige Lehmbunker ist leer 🙂

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Erster Duchbruch

In dem Raum der mal Küche wird – und auch als solcher mitunter schon genutzt wurde – steht zwar noch ein bisschen Kram, ich will aber unbedingt etwas machen. Zuerst werden die komischen Waschbecken und Boiler abmontiert. Zum Glück weiss Z. an welcher Schraube man jeweils drehen muss, ich hätte dafür allein doppelt so lange gebraucht und vermutlich eher Gewalt angewendet.

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Danach kommen die Tapeten runter. Die Kinder wollen auch unbedingt etwas machen und so habe ich ein paar Helfer.

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Zwei Stunden später ist die Tapete weg. Meine Nerven sind es auch ein wenig.

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Der Putz geht dann super schnell ab und gibt den Lehmputz frei. Wie immer schiebe ich erstmal den Dreck in die Ecken.

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Jetzt beginnt der interessante Teil. Ich kann anfangen die Gefache zu entfernen. Die Wand soll später zur Hälfte verschwinden und der offene Bereich wird dann Esszimmer und Küche.

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Ich bin noch etwas langsam, aber immerhin mann kann schon nach 3 Stunden einen guten Eindruck davon bekommen, wie der verbundene Raum einmal wirken wird.

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Fundstück: ein RFT-Netzstecker, vermutlich von einem Radio.

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Kellerarchäologie

Das Haus steht auf einem Gewölbekeller. Hier im Bild sieht man den Keller links unter dem Schuppen. Der Eingang befindet sich im inneren  Hauses.

Gewölbekeller links im Bild

Direkt an das Haus grenzte bis in die 80er eine Scheune, seit dem sie abgerissen wurde, ragt der Keller an der Nordseite um ca 1.50m aus dem Haus heraus. 

Der Plan: den überstehenden Keller abtragen und die sich ergebende Öffnung gerade zumauern.

Das Problem: eigentlich sollte das Gewölbe sich selbst und das darauf ruhende Haus tragen. Wir wollen aber kein Risiko eingehen und beschließen, die Wand erst von innen zu mauern und dann den Keller außen abzutragen.

Damit wir die Position der neuen Mauer festlegen können, müssen wir wissen, wie lang der Keller innen ist. Das ist gar nicht so einfach, weil der Keller etwa zur Zeit des Abriss der Scheune um die Hälfte verkleinert wurde. 

Hier sind wir bei Problem und Lösung: eine 24er Wand steht mitten im Keller. Z. bohrt mit seinem großen 45er Bohrer ein Loch und dann kann man mit dem Distometer messen, wie viel Luft bis zur Außenwand des Kellers ist.

Der große Wacker muss ran

Die Messung ergibt 3.10m. Damit ist klar, wo die Position der neuen Mauer sein muss.

Baustellengekritzel

Natürlich müssen wir erst noch die innere Mauer abtragen, ein Loch für’s Fundament schaffen, Beton reinkippen, warten, die neue Mauer errichten… und dann können wir schon den Keller von außen abtragen. Puh.

Zur Entspannung habe ich dann noch ein bisschen Tapete und Putz von Wand und Decke im Esszimmer gekratzt. Weil noch kein Container da ist, habe ich den Bauschutt erstmal in die Ecken geschoben.

Der Plan für nächste Woche: einen Container bestellen und leere Big-Bags besorgen – dort will ich den Lehm einlagern, den wir von der Wand holen.

ordentlich ist anders

Mal gucken wo der Balken ist

Wir wollen drei Zimmer zusammen legen, daraus soll ein Bereich Wohnzimmer / Esszimmer / Küche entstehen. Natürlich kann man im Fachwerk nicht beliebig Wände einreißen, wir müssen uns nach der Position der tragenden Balken richten. Zum Glück ist ein Fachwerk total logisch aufgebaut, wie man an der Wand zwischen zukünftigem Esszimmer und Küche sehen kann:

Wand mit unsichtbaren Balken

Wo der (noch) verkleidet Deckenbalken zu sehen ist, muss auch ein tragender Balken in der Wand sein. Diese Theorie wollte ich heute überprüfen, um sicher zu sein, dass wir den Durchgang zur Küche wie geplant links des Balken schaffen können.

Eigentlich wollte ich nur einen horizontalen Streifen in der Wand freilegen, aber die Arbeit muss sowieso gemacht werden, also ging es gleich auf der ganzen Fläche zur Sache. Die Tapete ging einfach ab, der Putz noch viel einfacher, nur an manchen Stellen wurde Gips großflächig an die Wand geschmiert, das war etwas mühsamer. Wichtigstes Utensil bei der Arbeit: die Staubschutzmaske.

Wunderschönes Ofenrohr

Tapete und Putz waren in einer Stunde von der Wand gekratzt, darunter kam der originale Lehmputz zum Vorscheinen:

Die Wand befreit von den obersten Schichten

Dann musste ich nur noch den Lehmputz abtragen um die Balken zu finden. Hurra:

Da ist der Balken

Übrig blieb – fein säuberlich getrennt – ein Sack Tapete, zwei Wannen Putzreste und eine Wanne Lehm, den wir später wieder verwenden können.

Mülltrennung

The next big thing

Wir hatten 2012 mit relativ schmalem Budget unser jetziges Haus ausgebaut. Es gibt ein sogar ein Baublog aus der Zeit.

Mit 370km Umzug, teilweise neuer Küche sind wir bei ~15.000 Euro gelandet. Das war nur so günstig, weil Schwiegervater Z. uns mit unendlich viel Wissen und Material unterstützt hat. Dank Schweiß, Tränen und Elternzeit haben wir ein passables Plätzchen zum Wohnen geschaffen. Es hat zwar „nur“ Ofenheizung, aber dafür Gigabit Ethernet in der Wand. Was man so an Prioritäten hat.

Es war klar, dass das aktuelle Haus nur eine Übergangslösung ist. Wir wollten das Landleben ausprobieren ohne uns darauf festzulegen. Jetzt werden die Kinder größer, das Landleben fetzt – da juckt es wieder in den Fingern zu bauen. Was liegt näher als sich das Haus vom Tantchen vorzunehmen.

Das Objekt der Begierde: Straßenseite, Hofseite, vom Nachbargrundstück, Gartenseite (v.l.n.r.).
Das Objekt der Begierde. Straßenseite, Hofseite, vom Nachbargrundstück, Gartenseite (v.l.n.r.).

Das ist es also. 200 Jahre alt, Fachwerk, in den 80ern im Erdgeschoss „saniert“, grundsätzlich gute Substanz, großer Garten, Scheune (nicht im Bild). Voll ausgebaut kämen wir auf 370m^2. Eigentlich zu groß für uns. Aber Kollege T. sagt: „Platz kann man nicht genug haben“. Nun denn, auf geht’s.