Picton

Schweren Herzens breche ich in Kaikoura auf. Die Stadt hat ihren Charme und ich waere gerne etwas laenger geblieben. Statt dessen mache ich mich auf nach Picton, vielleicht schaffe ich es bis Nelson.

Picton Harbour Als ich um 6 Abends in Picton ankomme, beschliesse ich die Sache ruhig anzugehen und hier eine Nacht zu verbringen. Die Stadt ist eine ziemliche Enttaeuschung, der Anhalter bemerkt treffend, dass sie so richtig aufblueht, wenn eine Faehre von Wellington eintrifft. Trotz gelegentlich eintreffender Faehren, regt sich kaum etwas. Ich latsche etwas rum und schaue mir den Hafen an. Viel gibt’s nicht zu sehen, das Internetcafe schmeisst mich um halb 9 raus.

An der Rezeption erkundige ich mich nach Aktivitaeten, mir wird der Queen Charlotte Track ans Herz gelegt. Nach einer kurzen Zoegern, sage ich zu und buche den Bootstransfer. Man kann den Track in 3 bis 5 Tagen laufen oder Tagestouren machen. Man wird mit dem Boot hingefahren und abgeholt, bei Mehrtagestouren wird das Gepaeck per Boot zur naechsten Zwischenstation gebracht. Ziemlich bequem, aber auch keine wirkliche Herausforderung.

Queen Charlotte TrackIch soll um 7.40 am Pier sein, aufgrund von Verpeilung und einer Parkuhr-Verschwoerung bin ich um 7.55 da. Meine Verspaetung hat schon ziemlich Hektik ausgeloest. Ich springe ins Boot und entschuldige mich beim Skipper. Die Fahrt ist ziemlich „bumpy“: kleines Boot, hohe Wellen.

Wir werden am Ship Cove abgesetzt. Das ist Captain Cooks sicherer Hafen gewesen, hier hat er oft gehalten um das Schiff zu reparieren. Der Pfad ist am Anfang ziemlich steil und dann eher ein Spaziergang. Man erhascht zwischendurch immer mal wieder grandiose Blicke in den Queen Charlotte Sound. Ansonsten zwitschern die Voegel, die trockenen Baeume knacken und die Gedanken im Kopf sind auch ganz lustig unterwegs.

GreedyEs sind einige Wanderer auf dem Pfad, aber man hat ihn die meiste Zeit fuer sich. Wenn man sich trifft, gruesst man. Beim ersten Rastpunkt mit Aussicht, schaut ein Vogel, was er erbeuten kann. Nachdem ein Belgier ein Stueck Keks spendiert hat, flitzt der Vogel (was ist das eigentlich genau???) ins Gebuesch und erscheint kurz darauf mitsamt Nachwuchts.

Honey at the Queen Charlotte TrackHoney at the Queen Charlotte TrackKurz vor Ende des Tracks steht ein Schild am Wegesrand. Man kann Buschhonig kaufen. Da ein Hauptziel dieser Reise der Honig-Import ist, kann ich natuerlich nicht widerstehen.
Tatsaechlich steht ein paar Meter weiter ein Korb mit Honig und einer Muenzbuechse. Leider habe ich mein ganzes Kleingeld an die Parkuhr in Picton verfuettert. Fuer das kleinste Glas fehlt mir ein Dollar, ansonsten habe ich nur einen $20-Schein. Leise Flueche erklingen. Ich ueberlege noch, ob ich unehrlich bin oder $20 fuer ein Glas Honig bezahlen soll.
Auf dem Track erscheint eine Gruppe Wanderer, ich bin erfreut und frage, ob jemand den 20er wechseln kann. Eine junge Frau aus Israel hat nur $5. Als wir beide merken, dass das nichts wird, haelt sie mir den Schein hin „take it!„. Ich bin fast sprachlos und stammel etwas wie „Thank you“. Nachdem ich mich von meiner Verwirrung erholt habe, erwerbe ich hocherfreut ein kleines und ein mittleres Glas Honig.

Am Endpunkt des Tracks, es ist eine Lodge mit Kneipe, sammeln sich die Wanderer. Hier treffe ich auch wieder auf die Frau aus Israel. Ich mache meinen 20er klein und begleiche meine Schulden. So freizuegig, wie sie mir das Geld gegeben hat, waere das sicher nicht noetig gewesen, aber ein reinse Gewissen fuehlt sicher besser an 😉 Wir unterhalten uns noch ein bisschen, ich erfahre, dass man in Israel 2 Jahre zur Armee muss, aber die meisten Leute 3 Jahre Dienst leisten, weil es im dritten Jahr mehr Geld gibt und das wird dann meistens nach der Armeezeit in ein Jahr Urlaub investiert. Jetzt ist mir auch klar, wie sie sich in dem Alter (21) 3 Monate Neuseeland und hinterher noch 2 Monate Australien leisten kann 🙂

Auf der Rueckfahrt nehmen wir noch ein paar Bauarbeiter mit. Manche reiche Neuseelaender lassen sich hier im Nichts eine schoene Sommerresidenz hinbauen. Da die Gegend so unzugaenglich ist, muss alles auf dem Wasserweg transportiert werden. Kurz vor Picton macht uns der Kapitaen auf Delfine aufmerksam, die in der Naehe des Bootes schwimmen. Ich lasse fuer einen seltenen Moment in meinem Leben die Kamera stecken und geniesse einfach nur den Anblick. Manche schwimmen sehr nahe am Boot und springen froehlich durch die vom Boot erzeugten Wellen.

Ich fahre schnell zum Hostel meine Sachen aus dem Kuehlschrank zu holen und trete dann die Fluch nach Nelson an. Picton haette ich keinen Tag laenger ausgehalten. Der als malerisch beschriebene Queen Charlotte Drive stellt sich als ziemlich kurvig heraus, fuer die 30 Kilometer brauche ich fast eine Stunde, die restlichen 76km bis Nelson sind dann zum Glueck kein Problem mehr.

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