Selbstüberwachung

Stefan ist wieder zurück aus Kambodscha und wir hatten gestern Gelegenheit bei einer Tasse grünem Tee zu quatschen.
Ich hatte versucht ihn vor seiner Abreise für das Medium Weblog zu begeistern. Die anfängliche Skepsis versuchte ich mit dem Argument „die Technik bestimmt nicht die Inhalte“ zu begegnen, d.h. ich wollte ausdrücken, dass ein Weblog nicht zwangsweise ein Tagebuch sein muss.
In der Süddeutschen gab es einen Artikel über Digialfotografie, in dem über den Sofortbild-Effekt sinngemäß geagt wurde „Man sieht sich [im Netz] selbst auf der Party, die man gerade besucht“ – man überwacht sich selbst.
Daraus lassen sich ein paar nette Gedanken ableiten: Schon beim Fotografieren wird die Auswahl an Motiven und Szenen bewusst vorgenommen, da man die Publikation im Weblog im Hinterkopf hat. Die Bilder werden nicht nur nach dem Kriterium „ist das ein schönes Motiv ?“ angefertigt, das Kriterium „würde das ins Blog passen?“ ist mindestens eben so entscheident.
Die Technik bestimmt sehr wohl die Inhalte, man lebt das Leben, das man gerne darstellen möchte. Die totale Selbstüberwachung.

2 Antworten auf „Selbstüberwachung“

  1. „Man lebt das Leben, das man gerne darstellen möchte. “
    Kühner Satz!
    So neu und ungewöhnlich aber doch auch wieder nicht. Gewisse Vorstellungen, wer und wie man sein und dann natürlich auch in der Öffentlichkeit wirken und ankommen möchte, hat doch jeder auch ganz unabhängig von neuen Medien.
    Für Berufsphotographen oder Journalisten ist es völlig normal, Geschehnisse aus dem Blickwinkel ihrer Zielgruppe zu betrachten.
    Sich modisch kleiden – ist das nicht eigentlich auch dasselbe?

    Aber das Bloggen eignet sich natürlich in besonderer Weise dazu, Eitelkeiten zu pflegen.
    Und dem eigenen Leben Seiten abzugewinnen, die publikumswirksam sind.

  2. Ja das stimmt schon, sich modisch kleiden ist die einfachste Form. Die Selbstüberwachung bezieht sich auch darauf, dass man sich wegen dem Medium anders verhält. Das sind nicht nur die Fotos, sondern auch die Texte die man verfasst. Plötzlich muss das eigene Leben spannend sein, plötzlich plant man sein Leben auf der Suche nach Content.

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